Bietigheim-Bissingen Allein unter 22 Männern - Rihane Dogan ist Fußball-Schiedsrichterin

Bei Fußball-Spielen lässt Rihane Dogan die 22 Kicker auf dem Feld nach ihrer Pfeife tanzen. "Ich werde genauso respektiert wie ein männlicher Schiedsrichter", sagt die 19-jährige Unparteiische aus Bietigheim-Bissingen.
Bei Fußball-Spielen lässt Rihane Dogan die 22 Kicker auf dem Feld nach ihrer Pfeife tanzen. "Ich werde genauso respektiert wie ein männlicher Schiedsrichter", sagt die 19-jährige Unparteiische aus Bietigheim-Bissingen. © Foto: Sabine Dettling
SANDRA BILDMANN 08.03.2016
Vor zweieinhalb Jahren hat sie den Ball gegen die Pfeife getauscht. Inzwischen leitet Schiedsrichterin Rihane Dogan aus Bietigheim-Bissingen Kreisliga-Spiele der Herren. Ein Hobby, das ihr viel Spaß macht.

Zart besaitet darf sie nicht sein, wenn sie sich als einzige Frau unter 22 Männern Respekt verschaffen will. Schließlich müssen diese 22 Männer, die oftmals zehn bis 20 Jahre älter sind als sie, nach ihrer Pfeife tanzen. "Ich werde genauso respektiert wie ein männlicher Schiedsrichter", meint Rihane Dogan. Trotzdem spüre sie manchmal, dass ihr Zuschauer und Spieler die Kompetenz absprechen. Dumme Sprüche? "Gehen rechts rein und links wieder raus."

Ihre Sache macht die 19-Jährige Bietigheim-Bissingerin so gut, dass sie seit dieser Saison Kreisliga-Duelle der Männer allein leiten darf. Im Juni 2013 wurde sie auf den sogenannten Neulingskurs aufmerksam, wie sie erzählt. Am Ende des etwa einmonatigen Lehrgangs stand die Prüfung für den Schiedsrichter-Schein, um offiziell Spiele leiten zu dürfen. Dann galt es, sich mit guten Leistungen zu empfehlen und hochzuarbeiten. Angefangen hat die damals 17-Jährige mit der Leitung von Spielen bei der D-Jugend. In der Folgezeit pfiff sie unter anderem auch Verbandsliga-Spiele der Frauen und durfte als Linienrichterin in der Regionalliga sowie in der B-Mädchen-Bundesliga ran.

Frauen- und Männerfußball, das seien zwei verschiedene Sportarten, findet Rihane Dogan. Bei den Männern sei das Tempo deutlich höher und der Körpereinsatz viel stärker. Und auch einen Unterschied zur Jugend stellt sie während ihrer Einsätze fest: "Die meisten Jungs sind pubertär und wollen sich gegenüber den anderen beweisen. Bei den Mädchen ist das viel weniger ausgeprägt, die geben auch schon mal zu, dass ein Foul keines war. Dafür sind die Frauen zickiger als ihre männlichen Kollegen. Den Herren geht's hauptsächlich ums Kicken, die müssen sich nicht so beweisen."

Zur Saison 2014/2015 ist Dogan von der Spielerin zur Schiedsrichterin gewechselt. Bis Ende 2015 hat sie nebenher noch in der Frauenmannschaft ihres Heimatvereins FSV 08 Bissingen gekickt, dann aber festgestellt: Für beides reicht die Zeit schlicht nicht, und "Priorität hat das Pfeifen." Es macht ihr mehr Spaß - und genau dieser Spaß muss im Vordergrund stehen, betont sie, denn die finanzielle Aufwandsentschädigung sei gering.

Nachdem die 19-Jährige im vergangenen Jahr ihr Abitur abgelegt hat, will sie ab kommendem Wintersemester studieren. Was, das weiß sie noch nicht genau, "aber auf jeden Fall in die sportliche Richtung". Dann wird ihr Terminkalender noch voller sein. In dem hat sich aber auch schon so manches verändert, seit sie die Fronten gewechselt hat. "Ich habe ganz klar mehr Spiele als Schiri im Vergleich zum aktiven Fußballspielen", sagt Dogan. Während des normalen Spielbetriebs sind das ein bis zwei Spiele pro Woche, meistens am Wochenende. In der Vorbereitungszeit während der Winterpause wird sie bei zwei bis drei Testspielen pro Woche gebraucht. Ihre nächsten beiden Einsätze hat sie am kommenden Wochenende: Am Samstag stehen zuerst die A-Jugend-Jungs von Großbottwar gegen Heimerdingen auf dem Programm, am Sonntag ist sie die Unparteiische beim Kreisliga-Spiel der Herren von Perouse gegen Korntal.

Dogan wünscht sich, dass mehr junge Frauen den Weg zur Pfeife finden. "Man muss ja nicht dabei bleiben. Aber vielleicht ist doch eine dabei, die weitermacht", hofft sie. Als sie selbst vor zweieinhalb Jahren angefangen hat, war sie in der Ludwigsburger Schiedsrichtergruppe die einzige Frau, inzwischen sind sie zu dritt. "Es bringt einen persönlich viel weiter", findet die junge Regelhüterin. Sie nennt in diesem Zusammenhang den Umgang mit Leuten, Willensstärke und Durchsetzungsvermögen.

Der Württembergische Fußball-Verband (WFV) zählt 41 Schiedsrichter-Gruppen. Jeder werden freie Plätze für Unparteiische zugeteilt, um in die Bezirksliga aufzusteigen. Rihane Dogan hofft, dass sie in der Zukunft einen davon ergattern kann, denn dann finden regelmäßige Leistungsbewertungen nach Punkten durch die sogenannten Beobachter statt. Und wie es im Fußball so üblich ist, steigen die mit den meisten Punkten auf, diejenigen am Ende des Klassements steigen ab. Die junge NachwuchsSchiedsrichterin sieht das alles jedoch entspannt und setzt sich nicht unter Druck: "Schauen wir mal."