Walheim / Roland Willeke  Uhr

Was ist die wichtigste Zutat zum Frauenkabarett? – Männer! Denn, worüber ließe sich besser reden? „Wir müssen reden! Sex, Geld und Erleuchtung“ heißt denn auch das aktuelle Programm der Solokabarettistin, Schauspielerin und Autorin Barbara Weinzierl, mit dem sie am Samstagabend im Café Bricklebrit auftrat.

Ganz so schlimm kam es für das angeblich starke Geschlecht  – „ich hab doch gestern erst geredet“  – dann doch nicht. Denn Barbara Weinzierl ist ein „Wordaholic“ und redet über alles und mit jedem. Gerade, wenn sich der männliche Ansprechpartner nach dem Besuch eines Kommunikationsseminars zum Master of Silence entwickelt.

Schräge Typen

Aus ihren papiernen Einkaufstüten in denen sie eine ganze Menagerie  schräger Typen mitschleppt, zaubert die Münchnerin mit österreichischem Migrationshintergrund aber dann doch mit dem Anton aus Tirol und dem Hubert aus Wien zwei ganz besondere Exemplare der männlichen Spezies hervor. „Ich hab ja nichts gegen Emanzipation, aber wenn die eigene Frau damit anfängt?“ Ergebnis: Die Frau geht Zigaretten holen, nimmt dazu aber seltsamerweise zwei Koffer mit. Wie bei Helmut Qualtinger selig, alias „der Herr Karl“, bleibt da mancher Lacher in der Kehle stecken.

Die Haupt- und Staatskerle der Schöpfung waren indes nicht die einzigen Opfer der Weinzierl’schen Schwertgosch. Sie durften sich im Gegenzug amüsieren, wenn Wiebke Schmackenborn mit dem veganen Computer von der Obstfarm, der mit dem Apfel, den sie von ihrem Sohn geschenkt bekommen hat, nicht zurechtkommt. Übrigens, der Sohn ist Bachelor und liegt damit noch vor Dieter Bohlen. Schade für Frau Schmackenborn, dass der Titel des Nachwuchses, der sich später als Rapper entpuppt, nichts mit Frauen, sondern eher etwas mit Zahlen zu tun hat.

Als Sarah Debreciner – „Erzähl mir nichts vom Essen, mir ist eh schon schlecht“ – bringt Barbara Weinzierl den Saal in Bewegung mit ihrer Gymnastik „Turne in die Urne“. Da ist es nicht mehr weit zum Yoga nach schwäbischer Hausfrauenart mit Jogi Löws Schwester und dem „Staubwedelnden Lump“ oder der Suche nach dem G-Point - G7, G8, G20 oder GSG-9? Ach ja, unbedingt zu empfehlen, der Besuch eines Tantra-Seminars für 69 Euro. „Dafür macht man es sich doch nicht selber“. Im Zweifel reicht auch ein Blick in die Apotheken-Umschau, zum Geriatrie-Sex.

Traum bleibt aber der SUV – „ein sehr unpraktisches Vahrzeug“. Um einen solch heißen Schlitten zu bekommen, lohnt sich sogar, seine eigene Freiheit dranzugeben und zu heiraten, um dann die eigene Brut damit in die Kita kutschieren zu dürfen.

So gibt es  keinen Lebensbereich, den Barbara Weinzierl nicht zwerchfellerschütternd durch den Kakao zieht. Den Bayern empfiehlt sie, endlich in Trumpscher Manier eine Mauer an der Grenze zu Franken zu errichten, „denn die Franken sind die Mexikaner Bayerns“.

Ganz zu schweigen von ihren Improvisationen, bei denen aus den Wörtern Klimawandel, ungarisches Gulasch und Donald Trump schon mal Donald Trump als Schweinegulasch herauskommen kann. Mit Hilfe des Publikums findet sie sogar die lange gesuchten passenden Krankheiten für die neuesten Entwicklungen der Pharmaindustrie, nämlich die Muggaseggelesneurose und die akute Bricklebritteris, deren Verläufe dann dem Publikum auf deutsch und „chinesisch“, denn die Chinesen machen ja alles nach, angepriesen werden. Obwohl: „Probleme sind auch keine Lösung.“

Der Lauf des Geldes

Einen Einblick in den Geldkreislauf bietet die Geschichte eines 50-Euro-Scheines, der vor zwei Jahren für eine Eintrittskarte zu einem Weinzierl-Auftritt ausgegeben wurde. Nach einer Reise durch ganz Europa, soll der gleiche Schein wiederum für einen Kabarettabend mit der gleichen Künstlerin ausgegeben werden. „Für das gleiche Honorar soll ich das alles noch mal machen? Nie im Leben!“ Barbara Weinzierl macht es trotzdem und hat bereits angekündigt, sie wolle wieder im Bricklebrit auftreten. Sehr zur Freude des Publikums.