Braunsbach Stadt gedenkt der Sturzflut

Bürgermeister Frank Harsch spricht zwei Jahre nach dem Unglück zu rund 150 Besuchern der Gedenkveranstaltung in der Braunsbacher Ortsmitte.
Bürgermeister Frank Harsch spricht zwei Jahre nach dem Unglück zu rund 150 Besuchern der Gedenkveranstaltung in der Braunsbacher Ortsmitte. © Foto: Guido Seyerle
Braunsbach / Guido Seyerle 01.06.2018
Die Bürger erinnern sich an die Flut vor zwei Jahren. Bürgermeister Frank Harsch hofft auf eine „mentale Erneuerung“.

Dunkle Wolken hängen am Himmel in Richtung Untermünkheim. Bereits den ganzen Tag über ist im Radio die Warnmeldung zu hören: „In Baden-Württemberg drohen schwere Gewitter, teilweise mit Hagel und Platzregen. Es ist mit Überschwemmungen zu rechnen.“ Für den Dienstagabend war in Braunsbach die Gedenkfeier zu „zwei Jahre Sturzflut“ angesetzt. Letztlich verzogen sich die schwarzen Wolken doch noch, im Gegensatz zu 2017 fiel am Jahrestag des Unglücks kein Tropfen Regen vom Himmel. Mehrere Braunsbacher Feuerwehrmänner meinten: „Seitdem wird im Radio viel öfter vor Unwettern gewarnt.“

„Die Bilder sind sehr präsent“, sagte Bürgermeister Frank Harsch. „Viele haben immer noch den Film der damaligen Ereignisse im Kopf.“ 150 Besucher schwiegen, einige nickten zustimmend. Genau am Ort der Gedenkfeier hatte sich am 29. Mai 2016 gegen 20 Uhr eine mehr als zwei Meter hohe Sturzflut in Richtung Kocher ergossen, genau zwei Jahre später war im Bachbett nur ein schmales Rinnsal zu sehen. Vielleicht deshalb wirke es für manche heute ziemlich unwirklich, was damals passiert sei, meinte Harsch.

Unterstützung von überall her

Die Hilfe lief schnell an. „Sie kam von überall her, aus ganz Deutschland. Gemeinsam haben wir die Katastrophe gemeistert“, blickt Harsch zurück. Dabei sei es nicht darum gegangen, nur stumpfsinnig die Erd- und Geröllmassen wegzuräumen. „Die Politik und Ämter haben ihre Versprechungen eingehalten, das ist nicht selbstverständlich.“

Die Sturzflut habe vieles verändert. „Baulich werden wir es hinbekommen, es geht voran.“ Doch es gehe auch um das Mentale. „Da könnte es auch eine Erneuerung geben. Wir dürfen uns mit den Bächen und Klingen versöhnen.“ Man könne sehr dankbar sein, dass es keine Schwerverletzten oder sogar Toten gegeben hat.

In diesem Moment war in den Gesichtern der Männer in ihren blauen Feuerwehr-Poloshirts deutliche Zustimmung zu erkennen. Nach der Gedenkfeier erklärten sie ihre Gedanken. „Der Einsatz hätte sich komplett anders entwickelt, wenn wir noch Vermisste hätten suchen müssen. Da hätte man tagelang den Inhalt jeder Baggerschaufel kontrollieren müssen“, sagte der Braunsbacher Kommandant Rolf Dierolf. Seine Kameraden erinnerten sich, wie sie tagelang im Dauereinsatz waren – bis manch einer keine Kraft mehr hatte. Einige haben für sich danach erkannt, was die wichtigen Dinge im Leben sind. Dazu passten die Worte von Bürgermeister Harsch: „Wir regen uns über Dinge auf, die eigentlich kein Problem sind.“

Pfarrer Werner Funk und Pfarrerin Ulrike Kern repräsentierten die beiden Kirchengemeinden, wobei nur Kern eine Ansprache hielt. „Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die Kultur des Erinnerns ist daher sehr wichtig.“ Für Menschen, die Schreckliches erlebt haben, ist die Erinnerung an das Ereignis wichtig. „Einerseits haben viele Hab und Gut verloren. Aber man kann auch dankbar sein, dass niemand sein Leben verloren hat.“

Neuer Gemeinschaftssinn hilft

Nach einer halben Stunde war die Gedenkfeier vorüber – wobei fast keiner der 150 Besucher danach gleich zur Tagesordnung überging. Fast alle blieben noch auf dem Marktplatz stehen. Es bildeten sich Gruppen und Grüppchen, die über die Sturzflut und die darauffolgenden Wochen und Monate sprachen. Offensichtlich hat sich in Braunsbach „ein neuer Geist“ gebildet, ein Gemeinschaftssinn, der über vieles hinweggeholfen hat und auch noch hinweghilft.

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