Lonsee / AMREI GROSS Auf Rot und Schwarz folgt Grün: Nach Stippvisiten von Vertretern von SPD und CDU war nun Grünen-Politiker Matthias Gastel aus dem Bundesverkehrsausschuss in Sachen B 10 nach Urspring gekommen.

Matthias Gastel ist kein Freund blumiger Worte. "Ich kann Ihnen nichts sonderlich Erbauliches sagen", sagte er zu Beginn seines Besuchs der Bürgerinitiative "B10-Umfahrung Urspring sofort". Etwa 1500 Straßenbauprojekte seien für die Neuauflage des Bundesverkehrswegeplans bundesweit eingereicht worden, die nach dem Wunsch der Länder bis zum Zieljahr 2030 umgesetzt werden sollen. "Wenn wir sie alle heute bauten, würde das den Bund 110 Milliarden Euro kosten", sagte Gastel.

Erschwerend kommt hinzu: Allein der Freistaat Bayern reize mit einer Wunschliste von rund 400 Straßenbauprojekten im Gesamtwert von 17 Milliarden Euro die vorgesehenen Mittel derart aus, dass die Umsetzung nicht wie vorgesehen 15, sondern ganze 160 Jahre dauern würde. Und: "Es würde selbst Jahrzehnte dauern, nur den alten Bundesverkehrswegeplan endgültig abzuarbeiten." Unter dem Strich bedeute dies, dass von den angemeldeten 1500 Straßenbauprojekten "nur einige Dutzend, vielleicht wenige Hundert" realisiert werden können. Derzeit sei das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur dabei, die eingereichten Projekte hinsichtlich ihrer Dringlichkeit zu priorisieren. Die Urspringer Bürgerinitiative hofft, mit ihrem Wunsch nach einer B 10-Umfahrung dabei mindestens einen "vordringlichen Bedarf", besser noch den neu eingeführten "vordringlichen Bedarf plus" für besonders stark belastete Strecken zu erreichen. Denn nur dann bestehen Chancen auf Bundesmittel für die weitere Planung und den Bau der Trasse. Wie Gastel erläuterte, erfolge die Bewertung der einzelnen Maßnahmen anhand vieler Kategorien: Einer Kosten-Nutzen-Betrachtung, einer Untersuchung in Bezug auf die Raumwirksamkeit des Streckenneubaus sowie einer städtebaulichen und einer umweltfachlichen Beurteilung. "Objektiv in Zahlen lässt sich nur der erste Punkt ausdrücken", sagte er. Bei allen anderen Aspekten gebe es politische Spielräume. Ein Umstand, der dem 44-Jährigen missfällt. "Mein Wunsch ist eine rein sachliche Entscheidung". Es gelte, jene Projekte umzusetzen, die bei den geringsten Nebenwirkungen für Menschen und Umwelt die größte Wirkung erzielten, "nicht jene, bei denen die Beteiligten am lautesten schreien". Sein Tipp an die Urspringer lautete daher: "Betonen Sie die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit Ihres Anliegens. Stellen Sie dar, warum Sie eine Umfahrung brauchen". Eine Variantendiskussion sei zum jetzigen Zeitpunkt wenig sinnvoll: "Welche Trasse letztlich umgesetzt wird, ist für die Bundesverkehrswegeplanung nicht relevant".

Große Hoffnungen konnte Matthias Gastel den Urspringern dennoch nicht machen. "Es wäre falsch zu sagen, dass diese Straße keine Chance hat", erklärte der Grünen-Politiker . Ebenso falsch sei jedoch ein pauschales "Das-wird-Schon". Die Bürgerinitiative "B 10-Umfahrung Urspring sofort" will kämpfen. Sobald der Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans öffentlich ausliegt, wollen Sprecherin Marianne Prinzing, Ortsvorsteherin Birgit Fetzer und ihr Team sämtliche Mitglieder des Bundesverkehrsausschusses anschreiben und für ihr Anliegen werben. Auch soll eine offizielle Stellungnahme der Gemeinde Urspring folgen: "Wenn wir es nicht versuchen, wird es nie etwas", so Prinzing.