"Ringen ist nicht mehr hip genug"

Andreas Nutsch (in rot) als Betreuer am Mattenrand - der langjährige aktive Ringer ist nach der IOC-Entscheidung enttäuscht.
Andreas Nutsch (in rot) als Betreuer am Mattenrand - der langjährige aktive Ringer ist nach der IOC-Entscheidung enttäuscht.
FELIX STEIGER 14.02.2013
Ringen droht das Olympia-Aus: Die Traditions-Sportart, seit 1896 olympisch, könnte 2016 in Rio de Janeiro ihre Abschiedsvorstellung geben. Die Vertreter der Kreisvereine zeigen sich darüber wenig begeistert.

"Das war ein echter Hammer für uns", kommentiert Walter Hieber, Trainer und Jugendleiter der Bezirksklasse-Ringer des TV Faurndau, den möglichen Ausschluss der Ringer von den Olympischen Sommerspielen ab 2020. Die TraditionsSportart, seit 1896 olympisch, würde damit 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro ihre Abschiedsvorstellung geben. "Das ist natürlich ganz schlecht für unseren Sport", fügt Hieber hinzu. Auch bei den Verbandsliga-Ringern des SV Ebersbach herrscht wenig Begeisterung. "Es ist schon sehr schade, da wir als Randsportart sowieso schon immer um das Überleben kämpfen müssen", erzählt Andreas Nutsch, Technischer Leiter der Ebersbacher.

Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hatte zuvor in Lausanne das Olympia-Aus angekündigt. Gründe für den Entschluss sieht Hieber auch in den eigenen Reihen. "Wir sind auch ein bisschen selber dran schuld. Im Ringen gibt es fast jedes Jahr neue Regeln, die noch nicht einmal Fachleute verstehen. Wie soll es dann das Publikum verstehen?", erklärt der Faurndauer Trainer das abnehmende Zuschauerinteresse. Hieber weiter: "Ich bin gespannt, ob der Weltverband aufwacht und die Strukturen ändert. Es sollten sich Fachleute zusammensetzen, damit getroffene Entscheidungen auch nachvollziebar sind." Dies sei vermutlich aber schon zu spät, da die Chancen, auch mittelfristig zu Olympia zurückzukehren, schlecht seien. Ähnlich sieht es auch Nutsch: "Ringen ist für die Zuschauer relativ langweilig geworden, da das passive Ringen weniger geahndet wird als früher. Deshalb gibt es weniger Aktionen und gerade das wollen Zuschauer sehen", so der 50-Jährige und ergänzt: "Früher wurde Passivität öfter bestraft, das ist heute leider nicht mehr so."

Die Entscheidung der Exekutive muss von der IOC-Vollsversammlung im September im argentinischen Buenos Aires zwar noch bestätigt werden, gilt allerdings als reine Formalie.

"Das ist schon dramatisch. Nur noch Sportarten, die Show bieten, kommen an", so Nutsch. Fun-Sport sei mittlerweile wichtiger als die gebotene Leistung. "Beim Ringen betreibt man einen Riesenaufwand", so Nutsch, der im vergangenen Jahr noch selbst aktiv gerungen hatte. Dieser Aufwand würde von den Offiziellen einfach nicht mehr honoriert werden, "der Sport ist einfach nicht mehr hip genug".

"Das Ringen hat so eine große Tradition noch aus der Antike, deshalb ist die Entscheidung nur schwer nachzuvollziehen", weiß Hieber. Argumente, dass fehlende Dopingkontrollen ausschlaggebend für den Ausschluss seien, schenkt er keinen Glauben, vielmehr gehe es um die fehlende TV-Quote. "Trendsportarten bringen einfach mehr Fernsehgelder, das ist bei Olympia heute wichtig", meint Hieber. Das Medieninteresse am Ringen hingegen nehme ab.

Auswirkungen für die eigene Nachwuchsförderung sieht Hieber keine. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Entscheidung wirkt sich eher auf die Spitzenvereine aus, da die Gelder nicht mehr fließen werden." Nutsch glaubt, dass Nachwuchsathleten wegen des Gemeinschaftsgefühls ringen, dennoch fügt er an: "Jeder möchte an großen Events teilnehmen und sich mit den Besten messen."

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