"Indie ist eine Haltung"

SWP 31.05.2013

Wer Bob Dylan verehrt, muss keineswegs auch so klingen. Michael Moravek, Frontman der Planeausters, über Blues, Paul Auster und Indie.

Bedeutet Euer Bandname eigentlich etwas?

MICHAEL MORAVEK: Den habe ich selbst kreiert. Ich wollte einen Namen, der uns nicht in eine bestimmte Richtung drängt. "Plane" fand ich schön, weil es mit Fliegen zu tun hat. "Auster" kommt von dem Schriftsteller Paul Auster, dessen Bücher ich zu der Zeit gelesen habe. Ich dachte also, der Name sei originell, bis uns bei einem Konzert in Paris ein Zuhörer erzählte, dass es ein Flugzeugmodell aus den 50ern gibt, das "Auster" heiß.

Du deutest an, ihr wollt nicht in eine Schublade gesteckt werden. Hast Du musikalische Vorbilder?

MICHAEL: Klar, das schon! Bob Dylan hat mich mit 12 oder 13 Jahren zur Musik gebracht. Er klang total anders als alles, was ich bis dahin gehört hatte. Seine Texte sind unglaublich gut und zeitlos. Er hat seine Wurzeln im Blues, auf der die populäre Musik gegründet ist. Damit beschäftige ich mich bis heute.

Ihr macht nun nicht gerade Bluesrock. . .

MICHAEL: Überhaupt nicht! Aber in den Songs von Musikern wie Blind Willie McTell oder Charley Patton sind die Grundthemen angelegt: Liebe, Sehnsucht, Tod und Erlösung.

Wärst Du mit dem Begriff "Indie" einverstanden?

MICHAEL: Indie ist okay. Wobei ja viele meinen, das sei ein Musikstil. Dabei ist es in seinem Ursprung eher eine geistige Haltung, nämlich dass man selbstbestimmt die Kontrolle behält über seine Musik, über die Produktion, das Artwork. "Indie" wird genauso inflationär verwendet wie "Alternative". Für mich heißt es aber, das zu machen, an was man wirklich glaubt, was zu einem passt.

Wart Ihr jemals in Versuchung, bei einem Major-Label zu unterschreiben?

MICHAEL: Wir sind ja bei einem kleinen Label. Heutzutage sind Major-Labels eher Verwalter der Musik. Der Vertrieb ist natürlich großartig, aber man muss auch finanziell sehr viel mitbringen.

Könnt Ihr von der Musik leben?

MICHAEL: Wir haben Nebenjobs, um unabhängig zu bleiben. Ich mache auch noch allerhand Soloprojekte nebenher.

War es früher eigentlich wirklich einfacher für Musiker?

MICHAEL: Finanziell gesehen vielleicht schon. Vor den Planeausters hatten wir eine Band, mit der wir drei Alben aufgenommen haben. Damals kam echt Geld rein.

Warum ist das anders geworden?

MICHAEL: Hm, weiß auch nicht. Es ist so einfach geworden, Musik aufzunehmen, dass das heute praktisch jeder macht. Es gibt also mehr Masse. Natürlich entsteht dadurch auch viel Kreativität. Aber in großen Städten verlangen namhafte Clubs Geld, dass man dort spielen darf. In Ulm ist das ja zum Glück nicht so.

Ihr wart schon ein paar Mal in Ulm. Gute oder schlechte Erinnerung?

MICHAEL: Immer sehr gute! Zuletzt waren wir in der Kulturfahrschule, das war ein tolles Konzert.

Deine schönste Erinnerung an ein Konzert?

MICHAEL: Es gibt viele schöne Momente. Toll war die Tour zusammen mit den Waterboys. Und auch die Konzerte in den USA mit den Studioaufnahmen in Chicago, einem Studio, das übrigens hauptsächlich von Bluesmusikern frequentiert wird und in dem auch schon Bob Dylan aufgenommen hat. yasemin gürtanyel

Info Die Planeausters spielen morgen, Samstag, im Ulmer Zelt. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.