Kreßberg „Ich kann nicht zuhause bleiben, sondern muss was tun“

Sport ist ihr Leben: Die 78-jährige Helga Vogt aus Mariäkappel trainiert fast täglich.
Sport ist ihr Leben: Die 78-jährige Helga Vogt aus Mariäkappel trainiert fast täglich. © Foto: Jana Wengert
Kreßberg / Jana Wengert 02.06.2018

Angefangen hat die Liebe zum Sport bereits im frühen Kindesalter. „Ich war die, die auf die höchsten Bäume klettern wollte und immer sportlich aktiv war“, erzählt Helga Vogt, während sie in ihrem Sessel im eigenen Wintergarten sitzt. Das ist ein eher ungewöhnlicher Anblick, weil die Rentnerin fast täglich unterwegs ist und verschiedene Sportkurse in Crailsheim und Umgebung gibt. Obwohl sie auch musikalisches Talent besitzt, steht bei Helga Vogt der Sport immer an erster Stelle.

Auf die Idee mit den Kursen kam die heute 78-Jährige, nachdem sie an einem Gymnastikkurs in der Nachbargemeinde Ellrichshausen teilnahm. „Ich dachte mir, so etwas könnte man auch bei uns in der Gemeinde machen“, sagt Vogt. Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit fanden bereits die ersten Kurse mit knapp zwanzig sportbegeisterten Teilnehmern in den Räumen der alten Schule in Mariäkappel statt.

Angst vor zu vielen Leuten

Als im Jahr 1976 die Turnhalle fertig gebaut worden war und die Kurse dorthin verlegt werden konnten, stieg auch die Zahl der Kursteilnehmer weiter an. Und Helga Vogt wurde zur Übungsleiterin der Sportfreunde Leukershausen-Mariäkappel ernannt, später war sie Abteilungsleiterin der Damengymnastik. „Damals hatte ich schon etwas Angst, mit vierzig oder noch mehr Leuten zu arbeiten, weil ich noch gar nicht so ausgebildet war“, verrät sie.

Das sollte sich jedoch ändern. Die Rentnerin nahm an diversen Fortbildungen teil und eignete sich immer mehr Wissen in den Bereichen Gesundheit und Sport an. Vieles war ihr schon bekannt durch ihren früheren Beruf als Sekretärin des Chefarztes in der Anästhesie. Damals ging es mit sechs bis sieben Kursen pro Woche direkt nach der Arbeit weiter in die Turnhalle. „In dieser Zeit war ich wirklich froh, dass mein Mann so tolerant ist und es akzeptierte, wenn ich ständig unterwegs war“, sagt Helga Vogt.

Noch heute sieht der Wochenplan der Rentnerin ziemlich vollgepackt aus. Aktuell gibt Helga Vogt vier Kurse pro Woche, darunter ein Programm speziell für Rücken und Wirbelsäule, Aerobic-Kurse, Pilates, Yoga und ein Sportprogramm in Zusammenarbeit mit den Landfrauen aus Altenmünster. Dabei steht der gesundheitliche Aspekt besonders im Vordergrund, mit dem sie auch an andere appelliert: „Es ist sehr wichtig, auch im Alter noch sportlich aktiv zu sein und damit die Beweglichkeit und die Reflexe zu erhalten.“ Sie selbst leide durch den Sport kaum an Beschwerden oder könne sie besser wegstecken und sei auch weniger anfällig für Erkrankungen.

Mittlerweile braucht Helga Vogt die Bewegung in ihrem Alltag und ihr Körper ist schon darauf gedrillt. „Ich kann nicht zuhause bleiben, sondern muss was tun“, sagt die Rentnerin. An den Wochenenden hält sie sich mit Radfahren fit oder spielt Tennis im Verein. Die Begeisterung hat sie ihren Kindern in die Wiege gelegt. „Mein Sohn machte sogar schon eine Alpenüberquerung mit dem Rad und geht surfen.“

Regelmäßige Schulungen

Um ihre Lizenz als Übungsleiterin nicht zu verlieren, muss Helga Vogt alle drei Jahre nachweisen, dass sie noch regelmäßig Kurse anbietet. Dabei überlegt sich die Rentnerin immer ganz besondere Ideen für ihre Teilnehmer, damit kein Kurs wie der andere ist. „Ich arbeite jedes Mal ein frisches Programm aus, das auf die jeweiligen Teilnehmer abgestimmt und für jedes Alter geeignet ist“, sagt Helga Vogt. Dabei spielt sowohl die passende Musik, als auch die unterstützenden Geräte wie Bänder oder Gewichte eine wichtige Rolle. „Leider sind solche Sachen oft sehr teuer, sodass wir kreativ werden und statt Hanteln ein paar Wasserflaschen verwenden“, sagt Vogt.

Besonders wichtig ist Helga Vogt aber auch das regelmäßige Gehirnjogging. „Ab dreißig Jahren baut das Gehirn und die Gedächtnisspanne ohne Training wieder ab. Deshalb sollte man das unbedingt fördern.“ Sie fordert ihre Teilnehmer durch kleine Denk- und Reaktionsaufgaben während der Sportübungen, wobei der Spaßfaktor aber nicht fehlen darf. „Ein IQ-Test ergab, dass mein wahres Alter 59 Jahre beträgt“, erzählt Helga Vogt. Das liege wohl an ihrer weiteren Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit, nämlich Sudoku und Kreuzworträtsel lösen.

Zahlreiche Ehrungen

Für ihre lange Mitgliedschaft bei den Sportfreunden Leukershausen-Mariäkappel und das große ehrenamtliche Engagement erhielt Helga Vogt neben zahlreichen Auszeichnungen Anfang des Jahres auch den Ehrenbrief mit silberner Ehrennadel vom deutschen Turnerbund verliehen. „Das ist bisher die größte Auszeichnung, die ich erhalten habe.“ Im Herbst soll sie nach mehr als vierzig Jahren Mitwirken und rund 170 Stunden im Jahr, die sie in der Halle verbringt, in die Gauehrenriege des Turngaus Hohenlohe aufgenommen werden.

Der Wunsch vom Bungee-Sprung

Und was schenkt man einer so sportlichen Frau zum Geburtstag? Auf jeden Fall etwas, das mit Sport zu tun hat. Das dachten sich auch ihre Turnfrauen und schenkten Helga Vogt einen Gutschein für einen Fallschirmsprung. Den hat die Rentnerin in Michelstadt im Odenwaldkreis eingelöst. „Ich brauche manchmal einfach diesen Adrenalinkick. Dann geht es mir gut“, sagt Helga Vogt. Ein großer Wunsch steht jetzt noch auf ihrer Liste: In den nächsten Jahren möchte die sportliche Rentnerin einen Bungee-Jumping-Sprung von einer Brücke machen.

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