NWZ-Aktion „Gute Taten“ unterstützen das Haus Linde

Bewohner Peter Auftrecht fühlt sich im Haus Linde als Mensch akzeptiert.
Bewohner Peter Auftrecht fühlt sich im Haus Linde als Mensch akzeptiert. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Margit Haas 27.11.2017
Eine wertvolle Anlaufstelle für Menschen ohne Wohnsitz ist die „Linde“ in Göppingen. Mit den Spenden der NWZ-Leser soll die Einrichtung in diesem Jahr im besonderen Maße unterstützt werden.

Den Hinterhof als Garten zu bezeichnen, wäre übertrieben. Eine kleine Grünfläche, Fahrräder und Mülleimer – einladend sieht der Bereich hinter dem Haus Linde in der Göppinger Mittleren Karlstraße nicht aus. Mit der Unterstützung unserer Leser soll sich dies ändern. „Wir wollen dort einen Garten anlegen und mit unseren Bewohnern eigenes Gemüse anpflanzen“, erläutert Wolfgang Baumung, der Leiter der Einrichtung der Wohnungslosenhilfe im Landkreis. Gleichzeitig soll eine kleine Terrasse mit einer Grillstelle entstehen. Ein Gewächshaus, in dem ebenfalls Gemüse angepflanzt werden soll, wird das Ganze abrunden.

„Tagesstrukturierende Angebote und eine sinnvolle Freizeitgestaltung sind in der „Linde“ von besonderer Bedeutung“, betont Baumung. Sicher wird sich hier auch Peter Aufrecht einbringen. Seit dem Frühjahr ist die „Linde“ ihm „der einzig mögliche Ort, an dem ich leben kann“. Persönliche Schicksalsschläge, die Trennung von der Lebenspartnerin, in der Folge eine Suchterkrankung haben ihn aus der Bahn geworfen. Der Bauingenieur verlor Job und Wohnung, fand nach einer Zeit der Orientierungslosigkeit im Christophsbad Hilfe und freute sich, als ein Zimmer in der „Linde“ frei wurde. Die Wände hat er mit farbenfrohen selbst gemalten Seidenbildern verschönert. Denn: „Ich brauche eine Beschäftigung“. Deshalb hilft er immer, wenn es im Haus etwas zu reparieren gibt.

Von der „Linde“ spricht er begeistert. „Hier kommt man als Mensch an, wird als Mensch akzeptiert und so angenommen, wie man ist“. Auch wenn sich der 53-Jährige wohl fühlt, will er wieder in eine eigene Wohnung ziehen. Und sich dann in einer sozialen Einrichtung engagieren, „etwas von dem zurück geben, was ich bekommen habe“. Selbstverständlich engagiert er sich deshalb in der Vesperkirche.

Für Wolfgang Baumung ist Peter Aufrecht ein typisches Beispiel dafür, wie schnell heute jemand obdachlos werden kann. „Wenn es bezahlbare Wohnungen gibt, gibt es keine Obdachlosigkeit“, bekräftigt er. Heute indes reiche nicht einmal mehr ein normales Einkommen aus, um eben diesen bezahlbaren Wohnraum zu finden.

„Das ist die große Veränderung der vergangenen Jahre“, ist seine Erfahrung. „Pflegekräfte, Polizisten oder Busfahrer können nachhaltig und dauerhaft keine Wohnungen mehr finanzieren“ – jemand der befristet beschäftigt oder gar arbeitslos ist, erst recht nicht.

Das Problem der Obdachlosigkeit sei „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. Wie viele Menschen davon im Landkreis betroffen sind, vermag er nicht zu sagen. „Es werden auf jeden Fall von Jahr zu Jahr mehr“. Ein Teil von ihnen findet in der „Linde“ ein Obdach. In diesem Aufnahmehaus werden 13, in mehreren Wohngemeinschaften weitere 40 Menschen begleitet. Das Aufnahmehaus ist in die Jahre gekommen und muss dringend renoviert werden. Unter anderem sollen neue Fenster eingebaut werden. Auch in den Wohnungen stehen Renovierungsarbeiten an. „Unsere Bewohner werden in die Arbeiten eingezogen“.

Die NWZ-Aktion „Gute Taten“ will das Haus Linde unterstützen. Denn nicht einmal der laufende Betrieb kann aus Zuschüssen und Kostenersätzen gedeckt werden. „Alleine dafür brauchen wir in jedem Jahr 60 000 Euro an Spendenmitteln. Hinzu kommt die Vesperkirche mit weiteren 55 000 Euro“. Geld für Investitionen bleibt da keines.

Einrichtung gibt es seit mehr als 30 Jahren

Wohnungslosenhilfe Am 5. Dezember 1986 bezogen die ersten Bewohner das Haus Linde. Die Arbeit der „Linde“ besteht aus den Bereichen Beratungsstelle, Aufnahmehaus, Wohngemeinschaften, Betreutes Wohnen, Außenstelle Geislingen, Schuldnerberatung Göppinger, Vesperkirche. Weitere Informationen unter www.linde-gp.de.

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