Modellprojekt „Für saubere Luft“

Elektrobus zum Anfassen beim „Tag der offenen Tür“ der Firma Stadtbus: Ab April 2019 starten die Stadt Hall, Stadtbus und die Voith-Gruppe ein Modellprojekt für Klimaschutz. Drei Elektrobusse (Foto) fahren dann auf Stadtbuslinien. Die Stadt finanziert mit.
Elektrobus zum Anfassen beim „Tag der offenen Tür“ der Firma Stadtbus: Ab April 2019 starten die Stadt Hall, Stadtbus und die Voith-Gruppe ein Modellprojekt für Klimaschutz. Drei Elektrobusse (Foto) fahren dann auf Stadtbuslinien. Die Stadt finanziert mit. © Foto: Archivfoto: Jürgen Stegmaier
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 02.06.2018
Der Kreistag lehnte mehr Aktivität für Elektromobilität ab. Nun gibt die Stadt Schwäbisch Hall Geld für Elektrobusse. Sie startet mit Partnern ein Modellprojekt.

Im Kreistag scheiterte die SPD-Fraktion. Sie wollte per Antrag das Thema Elektromobiltät im Nahverkehrsplan verankern, damit der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis bis 2030 auf umweltfreundliche Antriebe umgestellt wird. „Aus diesem Grund möchte die Verwaltung die Umstellung auf Elektromobilität im ÖPNV zumindest in Schwäbisch Hall voranbringen“, macht Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim deutlich. Die Stadt gibt einen Zuschuss von 237 000 Euro an die Firma Stadtbus Hall.

Bei diesem Modellprojekt kooperieren Stadt, das Transdev-Tochterunternehmen Stadtbus und die Voith-Gruppe. „Als internationaler Mobilitätsdienstleister haben wir auch eine Verantwortung für den Klimaschutz und saubere Luft in den Städten“, betont Michael Dalhof, Geschäftsführer der Stadtbus Schwäbisch Hall GmbH, in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die drei Elektrobusse sollen ab April 2019 im Stadtverkehr fahren.

Tankstellen in Parkhäusern

Die Stadtverwaltung besitzt vier Elektroautos und vier Pedelecs. „Wir haben unsere Fahrzeugflotte auf Erdgas umgestellt. Dazu kommen drei elektromobile Autos und zwei Fahrräder“, informiert Thomas Hoppenz für die Stadtwerke. Der Bereichsleiter Netze und Erzeugung macht deutlich, dass zur „Modellpalette“ noch 2018 ein viertes E-Auto hinzukommt. In allen Parkhäusern der Stadtwerke werden Elektrotankstellen eingerichtet, der Strom stamme zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien. Neubaugebiete wie Sonnenrain werden mit leistungsstarken Stromnetzen so erschlossen, dass künftig alle Hausbesitzer Elektromobilität umsetzen könnten. „Wir glauben an Elektromobilität in der Zukunft“, unterstreicht Hoppenz.

Stimmen aus den Fraktionen

„Tue Gutes und rede darüber. Ich hätte gerne, dass Werbung der Stadt auf die Elektrobusse kommt“, sagt Hartmut Baumann. Der FWV-Fraktionsvorsitzende findet es „erschreckend“, dass der Landkreis für Elektromobilität nicht mehr tut. „Gerade weil im Kreistag der SPD-Antrag zur Umstellung auf umweltfreundliche Antriebe abgelehnt wurde, ist ein Einstieg in Schwäbisch Hall umso mehr zu begrüßen,“ sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Kaiser. Der dauerhafte Einsatz der drei E-Busse im Stadtgebiet sollte vertraglich festgelegt werden. Gleichzeitig erweitere sich damit der Aufbau einer Infrastruktur für die E-Mobilität. Dafür sieht die SPD die Stadtwerke in der Verantwortung.

„Vielleicht würde eine stetige Erneuerung der Busflotte mit neuesten Dieselbussen für insbesondere unseren Klimaschutz mehr bringen, als eine im Vergleich sehr teure Umrüstung auf Elektrobusse“, sagt Thomas Preisendanz. Der FDP-Fraktionsvorsitzende sieht Elektromobilität „in der großen Fläche unseres Landkreises noch nicht vorstellbar.“ Er verweist auf Defizite in Technik und Reichweite. In der Stadt sei das eher möglich. Allerdings müsse es sich für die Unternehmen rechnen. Andrea Herrmann (Grüne) erinnert an den Ärger um den Busverkehr im Hessentaler Wohngebiet Mittelhöhe. „Das passt perfekt, weil die Elektrobusse auf den Linien 2, 3 und 4 fahren sollen“, macht die Fraktionsvorsitzende deutlich. Ludger Graf von Westerholt ist verreist. Der CDU-Fraktionsvorsitzende konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Bundes- und Landesmittel fließen

237 000 Euro überweist die Stadt an die Firma Stadtbus. Mit dem Geld wird ein Teil der Kosten für drei Elektrobusse finanziert. Wie ergibt sich diese Summe? Der Kauf eines Elektrobusses kostet 580 000 Euro und damit 380 000 Euro mehr als ein Dieselbus, so die Stadtverwaltung. Der Anteil von Stadtbusbetreiber Transdev beträgt 160 000 Euro. Durch Bundes- und Landesförderung werden 141 000 Euro pro Bus finanziert. Die Lücke von 79 000 Euro pro Bus schließt die Stadt. Das Votum im Gemeinderat war einstimmig. Beim Blick auf die Kosten für die Instandhaltung wird auch eine Finanzierungslücke deutlich. Die Stadtverwaltung gibt diese bei einer Laufzeit von zwölf Jahren und einer Leistung von 50 000 Kilometern pro Jahr im Vergleich zu Dieselbussen mit 405 000 Euro an. Diese übernimmt Stadtbus. cus

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