Es war einer der ganz kurzen Auftritte des Firat Arslan. Nach 2:33 Minuten in der zweiten Runde stand der K.o.-Sieg des 45-jährigen Donzdorfers über den 25 Jahre jüngeren Paata Aduashvili fest. Der Georgier war von Beginn an fast übermotiviert gegen die Doppeldeckung des erfahrenen Ex-Weltmeisters angerannt, Arslan setzte dosiert und clever die eigenen Akzente. In Runde zwei traf Arslan exzellent und schickte seinen ungestümen Widersacher drei Mal zu Boden, ehe der Ringrichter den Favoriten zum Sieger kürte.

"Ich war auf zwölf Runden eingestellt, aber mein Trainer Dieter Witmann behielt Recht damit, dass der Georgier alles auf eine Karte setzen wird", verriet der Cruisergewichtler nach dem Sieg, "ich dachte, er wird mehr weglaufen, aber er wollte mich ausknocken. Er ist jedoch gegen eine Wand gelaufen." Der mit dem Intercontinental-Gürtel der Eurasien-Meisterschaft vom Verband World Boxing Council (WBC) belohnte Donzdorfer, der sich in meisterlicher Form präsentierte, wirkte nach dem Kurzeinsatz wenig gefordert und kündigte sofort einen weiteren Kampf noch in diesem Jahr an: "Ich habe bereits zugesagt, vorausgesetzt ich gehe verletzungsfrei aus dem heutigen Duell heraus, am 12. Dezember im tschechischen Rozvadov zu boxen. Ein Gegner wird jetzt gesucht."

Arslan hatte in seinem nur fünfeinhalbminütigen Einsatz nichts abbekommen, also dachte sein Coach sogleich laut über den vergangene Woche wegen eines Handbruchs kurzfristig als Gegner ausgefallenen Bosnier Goran Delic als Kontrahenten im großen Spielcasino nahe der bayerisch-tschechischen Grenze nach.

Letztlich sind aber alle Planungen des ehemaligen WBA-Champions auf einen nochmaligen Weltmeisterschaftskampf im kommenden Jahr ausgerichtet. "Für mich zählt nur noch die WM, davor ist alles egal. Aber ich hatte zuletzt zu lange Kampfpausen wegen des Wartens auf die WM-Chance", erklärte Arslan seinen nächsten Auftritt in nur fünf Wochen. WBC-Champion ist aktuell der Russe Grigory Drozd, der den einzigen von 41 Profikämpfen seiner Karriere im Oktober 2006 in Stuttgart gegen den Donzdorfer durch K.o. verloren hat. "Drozd ist derzeit der stärkste Cruisergewichtler und aus dessen Sicht ist gegen Firat noch eine Rechnung offen", glaubt Arslan-Coach Wittmann, der auch bestätigt, dass es von Seiten des Russen bereits Kontakte gab.

Aber auch Firat Arslan selbst, der in Ludwigsburg beim Charity-Kampf seines Freundes Luan Krasniqi zu später Stunde noch als Betreuer fungierte, hat eine Rechnung offen - mit dem mittlerweile in den USA entthronten ehemaligen WBO-Weltmeister Marco Huck. "Ein drittes Duell mit Huck reizt mich am meisten", rückte Arslan ein Stück weit vom WM-Kampf-Plan ab, auch Wittmann gestand: "Wie oft wurden wir bei Kämpfen mit dem Sauerland-Boxstall betrogen, unter anderem beim ersten Huck-Kampf. Deshalb wäre uns Huck am liebsten, auch ohne WM-Titel." Im November 2012 in Halle/Westfalen hätte es nach zwölf Runden nur einen Sieger geben dürfen - Firat Arslan.