Crailsheim „Der Raum ist der dritte Pädagoge“

Liane Malachowski, Camilla Bak, Alessandro Stoyanov und Gülcan Deniz (von links) haben ein Plakat erstellt, auf dem die Festbesucher Wünsche aufklebten. Neue Toiletten, eine Mensa und moderne Unterrichtsräume waren die Top 3 auf der Wunschliste.
Liane Malachowski, Camilla Bak, Alessandro Stoyanov und Gülcan Deniz (von links) haben ein Plakat erstellt, auf dem die Festbesucher Wünsche aufklebten. Neue Toiletten, eine Mensa und moderne Unterrichtsräume waren die Top 3 auf der Wunschliste. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 01.06.2018
Die Leonhard-Sachs-Schule hat ihr Schulfest vor den Ferien als Anlass genommen, die Pläne zur Schulsanierung vorzustellen. Wünsche durften trotzdem noch geäußert werden.

Vor knapp vier Jahren erhielt der Architekt Kuno Bantle den Auftrag von der Stadtverwaltung Crailsheim, der gesamten Schulgemeinschaft der Leonhard-Sachs-Schule (LSS) die Möglichkeit zu geben, im Vorfeld der Schulsanierung auszuloten, wie der Umbau der Schule aussehen könnte. Am Ende sollen das Gebäude und das pädagogische Konzept zusammenpassen.

Das war der Startschuss für „Leos Traum“ – Lehrer und Förderverein, Eltern und Schüler waren erst einmal aufgefordert zu träumen und zu wünschen, bevor es in eine Entwurfsphase geht. In der „Phase 0“ wurde unter dem Motto „Der Raum ist der dritte Pädagoge“ die Schnittstelle von Pädagogik und Architektur definiert und geschaut: „Wo stehen wir und wo wollen wir hin?“

Miteinbezogen wurden dabei auch Überlegungen wie Gemeinschaftsschule und Ganztagsschule baulich optimal unterstützt werden können. Entstanden ist so eine Präsentation, die jetzt am Schulfest unter dem Motto „LSS 4.0, (T)Raumschule“ gezeigt wurde. „Alle reden von Industrialisierung 4.0. Auch Schule entwickelt sich weiter“, sagt Schulleiter Michael Ullrich.

„Der Anlass für das Schulfest war auch, die Aufmerksamkeit noch einmal auf uns zu lenken“, so Ullrich. Aufmerksamkeit deshalb, weil es über den grundsätzlichen Beschluss des Gemeinderates, dass umgebaut und saniert wird, noch nicht hinausgeht. Luftschlösser werden in der LSS dennoch nicht gebaut. Denn obwohl das Beteiligungsverfahren dazu einlud, zu träumen, betont der Schulleiter: „Der Architekt war dabei, damit wir keine Wolkenkuckucksheime bauen, sondern um ein Konzept zu erarbeiten, das den Sanierungs- und Raumbedarf herausstellt.“ Dass dies in dieser Phase erst einmal ohne Rücksicht auf Geldmittel geschehen durfte, wertet der Schulleiter als Vorteil, da alles aufgelistet werden konnte, was die Schule im Idealfall braucht und will. „Wir denken von den Schülern aus, nicht von unseren Begehrlichkeiten“, beschreibt der Rektor den Ansatz und zählt auf: „Wir brauchen unbedingt Ganztagsräume, eine Mensa, Aufenthaltsräume sowie Ruhe- und Bewegungsräume. Inklusion und die Anforderungen der Gemeinschafts- und Ganztagsschule setzen das in Zukunft voraus.“

Entstanden sind so ganz konkrete Vorschläge wie Fachräume, Raumnutzung und Anbau aussehen könnten. Auch praktische Lösungsvorschläge wie die multifunktionale Nutzung der Gemeinschaftsbereiche sind darin enthalten. Tatsächlich sind diese Wünsche alles andere als aus der Luft gegriffen. Im kommenden Schuljahr werden von den rund 450 Schülern an der LSS etwa 300 die Ganztagsschule besuchen. Jetzt schon muss viel improvisiert werden, um die Schüler im Ganztagsbetrieb ordentlich zu versorgen – nicht nur mit Essen, sondern auch mit Platz.

Eine Situation, die sich mit dem Steigen des Bedarfs in Zukunft nur noch verschlechtern wird. „Dass der Bedarf da ist, erkennt jeder. Doch bei der Umsetzung herrscht Unsicherheit“, sagt Ullrich.

Zeitabläufe verzögern sich

Das hat auch damit zu tun, dass durch den Führungswechsel im Rathaus und den Wegfall von Bau- und Finanzbürgermeister die zeitlichen Abläufe verzögert wurden. Der nächste logische Schritt wäre ein Planungswettbewerb und anschließend eine konkrete Planung, bei der auch eine Antragssumme für Sanierung und Umbau formuliert werden würde. „Es ist Verwaltungsaufgabe, da jetzt konkret zu werden“, so der Schulleiter.

Beim Schulfest wurde noch einmal daran erinnert, dass die Schule ihren Teil des Auftrags, nämlich Wünsche zusammenzutragen und ein Konzept zu erstellen, erfüllt hat. Dennoch hatte sich Schülersprecherin Camilla Bak mit drei Mitschülern die Mühe gemacht und ein großes Plakat mit der Luftansicht der Schule erstellt. Darauf durften Schulfestbesucher mit Klebezetteln noch einmal ganz anschaulich Wünsche zur Verbesserung der Räume und des Schulalltags äußern.

Ganz oben auf der Wunschliste standen dabei neben der Sanierung der Schultoiletten und einer Mensa auch die Einführung moderner Medien und digitaler Technik in den Schulalltag.

„Wir sind hier auf einer Insel und die müssen wir nach unseren Bedürfnissen gestalten“, fasste Michael Ullrich zusammen. Mit rund 1000 Besuchern am Schulfest wurde auch deutlich, dass es mit Träumen nicht getan ist. Denn die Schülerzahlen und die Situation sind real.

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