„Es gibt keinen einzelnen Grund. Es ist eine Summe an Faktoren, die zu dieser Entscheidung führte“, führt Günter Blendinger, zweiter Vorstand der Sportfreunde, im Gespräch mit dieser Zeitung aus. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Jürgen Lechner und dem alten, neuen Trainer erklären sie die Umstände, die zu der Trennung von Petar Kosturkov geführt haben. Die Sportfreunde hatten die Landesligasaison auf Rang 4 beendet, die A-Junioren spielen derzeit noch um den Aufstieg in die Verbandsstaffel. So hatten die Sportfreunde die Ziele für die Saison auch formuliert.

Nach der Saison habe man analysiert: Ergebnisse, der Zusammenhalt zwischen Trainer und Spieler, die Verbindung zur Jugend, auch die Tatsache, dass die Haller fünfmal einen Zwei-Tore-­Vorsprung noch abgaben. „Das war ja ein präsentes Thema und ist nicht neu.“

Letztlich gehe es darum: „Braucht man als Vierter der Landesliga einen Profitrainer? Kann man sich das leisten und will man das?“, formuliert es Günter Blendinger. An dieser Stelle hakt Jürgen Lechner ein: „Als wir als Vorstand angetreten sind, galt die oberste Priorität, dass wir keine Schulden machen – und das gilt auch heute noch. Es sind einige Kosten auf uns zugekommen, die für uns nicht planbar waren.“ Der Verein habe also überlegen müssen, wo es Einsparpotenziale gibt. „Und für uns war klar, dass wir das im Jugendbereich nicht tun werden.“

„So schnell wie möglich“

Kurz vor der Jahreshauptversammlung (23. Mai) hat der Vorstand aktualisierte Zahlen erhalten und festgestellt, dass es bei einem Weitermachen wie bisher unausweichlich zu Schulden gekommen wäre. „Damals haben wir Petar umgehend informiert, dass wir auch über seine Position nachdenken“, berichtet Jürgen Lechner. Man habe viel diskutiert, ergänzt Günter Blendinger, „es war nicht so, dass die Entscheidung gleich feststand“.

Im Laufe der Wochen nach dem Saisonende (7. Juni) entschied man sich für die Entlassung, Vorstand und Wirtschaftsbeirat mussten die Entscheidung noch absegnen. „Wir haben alles so schnell wie möglich gemacht. Uns ist klar, dass der Zeitpunkt für Petar maximal unglücklich ist, aber meiner Meinung nach haben wir formal und informativ alles korrekt gehandhabt“, so Günter Blendinger. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, aber man habe sich im Sinne des Vereins dafür entscheiden müssen. „Wenn man so etwas bei Profivereinen liest, dann denkt man immer: Ach ja, mal wieder eine Phrase. Aber es drückt exakt das aus, was wir dabei fühlen.“

Als diese Entscheidung getroffen wurde, stand längst noch nicht fest, dass Thorsten Schift wieder auf seinen alten Posten zurückkehrt. „Ich hatte eine andere Lebensplanung für mich“, unterstreicht er, der nach seinem Rücktritt im November 2016 als Manager Sport bei den Sportfreunden agiert hatte. Mit dieser Position war er zufrieden. In der Vergangenheit hatte er auch immer wieder deutlich gemacht, nicht so schnell ein Traineramt übernehmen zu wollen. „Es war auch für mich sehr schwierig. Ich hatte und habe ein gutes Verhältnis zu Petar. Sportlich, und da sind wir uns alle einig, ist er ein absoluter Fachmann. Aber ich kann mich hinter dem Beschluss auch nicht verstecken, ich stecke da ja auch mit drin.“

Ihm sei klar gewesen, dass man in der Kürze der Zeit kaum einen Nachfolger finden könne. „Ich bin seit mehr als 25 Jahren dabei und froh, dass der Verein schuldenfrei ist. Ich habe auch andere Zeiten erlebt und will diese nicht noch einmal erleben.“

So wird Thorsten Schift die Sportfreunde also wieder übernehmen. Seine Tätigkeit als Manager Sport wird er zu großen Teilen abgeben. „Fest steht, dass Walter Kolb mehr für uns machen wird“, erklärt Jürgen Lechner.

Im A-Jugendbereich werden in Zukunft – unabhängig davon, ob die Mannschaft aufsteigt oder nicht – Michael Thalacker und Jürgen Fischer als Duo das Training leiten. Fischer rückt von den B-Junioren auf. Thorsten Schift wird koordinieren und damit die Schnittstelle zwischen Jugend und Aktiven sein.

Petar Kosturkov teilte mit, dass er sich vorerst nicht zu dieser Thematik äußern möchte.