4. April 1945: Schon seit Februar 1944 steht der Eisenbahnknotenpunkt Crailsheim auf den Zielkarten der US-Luftwaffe. Verheerende Folgen haben vor allem zwei Angriffe: Ein Bombenvolltreffer zerstört am 2. Februar 1945 den „Konsum“ in der Grabenstraße, zwölf Menschen verlieren dabei ihr Leben.

Und der 23. Februar 1945 wird zur Apokalypse für die Stadt: 36 Bomber werfen ihre todbringende Last ab, neben massiven Zerstörungen sind 61 Todesopfer und über 100 Verletzte zu beklagen.

Ein dritter schwerer Luftangriff folgt genau heute vor 70 Jahren: In mehreren Wellen greifen US-Maschinen am 4. April 1945 die Stadt und vor allem ihren Bahnhof an. Crailsheim brennt an allen Ecken und Enden. Unter den Opfern befinden sich auch 20 Wehrmachtshelferinnen, die erst wenige Tage zuvor ihren Dienst auf dem Flugplatz angetreten haben: Sie sterben im Keller unter der Feuerwache des Fliegerhorstes.

50 Kilometer weiter nördlich sammelt sich im Raum Assamstadt eine Armada an US-Panzern für eine gewagte Operation: Weil die US-Truppen bei Heilbronn auf den zähen Widerstand von deutschen Einheiten stoßen, soll die 10. US-Panzerdivision den Neckarraum nordöstlich umgehen und die deutschen Truppen in Heilbronn einkreisen. Die Strategen der 7. US-Armee wählen dafür den Weg über Bad Mergentheim und rücken über Edelfingen und Bernsfelden an die Kaiserstraße (die heutige Bundesstraße 290) und damit an die Grenze zum damaligen Kreis Crailsheim heran.

5. April 1945: Städtische Beamte und NS-Funktionäre diskutieren im Domizil der NSDAP-Kreisleitung in Crailsheim über die erste Stufe des Geheimbefehls „Nero“, wonach alle Zivilpersonen die Städte und Dörfer verlassen sollen.

Zu einer Entscheidung kommt es nicht: Die Wehrmacht rechnet damit, dass die US-Armee erst in zehn Tagen den Altkreis Crailsheim erreicht – eine Fehleinschätzung, wie sich einen Tag später zeigen soll.

Denn die US-Panzerspitzen stehen an diesem Tag bereits bei Hachtel und Rot, keine fünf Kilometer mehr von der Kreisgrenze entfernt – aber zu weit weg, um noch das Leben von zwei jungen Soldaten retten zu können: Der 22 Jahre alte Helmut Voigt aus Schlesien und sein gerade mal 18 Jahre alter Kamerad Alfons Mostian aus Flandern verlieren aufgrund einer Verletzung den Kontakt zu ihrer Einheit und betteln in Banzenweiler bei Gründelhardt um Essen. Die beiden jungen Männer werden an Eugen Schöller, Kommandeur des Versorgungsregiments beim XIII. SS-Armeekorps, ausgeliefert, im Spritzenhaus von Hinteruhlberg eingesperrt und nach einem „Prozess“ am 5. April 1945 an einem Baum in der Ortsmitte von Gründelhardt erhängt.

6. April 1945: Rund 100 US-Panzer unter dem Kommando der Majore Hankins und Riley verlassen gegen 11 Uhr den Mönchswald bei Bad Mergentheim und stoßen auf der Kaiserstraße in Richtung Crailsheim vor. Wehrmachtsdienststellen sind völlig überrascht von diesem Angriff – noch zwei Stunden zuvor hieß es, dass für die Stadt Crailsheim „keinerlei Gefahr“ drohe. Die US-Soldaten schießen bei ihrer Fahrt aus allen Rohren, in Blaufelden sterben zwei Frauen.

In aller Eile werden in Crailsheim die Panzersperren beim Fallteich geschlossen – für die US-Panzer kein ernsthaftes Hindernis. Die deutschen Truppen ziehen sich aus der Stadt zurück. An der Ellwanger Straße kommt es noch zu einem kurzen Scharmützel, bevor Crailsheim zum ersten Mal von US-Soldaten besetzt ist.