Holbein-Madonna in der Johanniterkirche
Schwäbisch Halls neuer Star
Schwäbisch Hall. Eines der teuersten Kunstwerke Deutschlands hat in der Johanniterkirche eine neue Heimat gefunden: die Holbein-Madonna. Am Freitag haben Journalisten einen ersten Blick auf die neue Hallerin geworfen.
Freudige Spannung liegt in der Luft. Gut drei Dutzend Journalisten drängen sich im Glasvorbau der Johanniterkirche - voller Neugier auf die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren. Diese um 1526 in Basel entstandene Arbeit ist eines der teuersten Kunstwerke in Deutschland, das seit 1945 in den Handel gekommen ist, erklärt Sylvia Weber, Kunsthallendirektorin und Kuratorin der Sammlung Würth. Noch schnell ein technischer Hinweis auf das Geländer vor dem Kunstwerk, das nicht überschritten werden darf, dann gehts hinein. Vorbei an den spätmittelalterlichen Tafelbilder der Alten Meister in der Sammlung Würth, in Richtung Chor der Kirche. Selbst Tilman Riemenschneiders Teilstück Maria Kleophas und Alphäus aus der Heiligen Sippe - eine Leihgabe des Landesmuseums Württemberg -, das besagter Madonna vorgelagert ist, wird an diesem Vormittag nur wenig Beachtung geschenkt. Denn es geht um sie, den neuen Star in der Johanniterkirche.
In den ersten Minuten ist es ganz still, nur das Klicken der Fotografen ist zu hören. "Das ist sie jetzt also, die Einzigartige", sagt Beate Elsen-Schwedler, stellvertretende Museumsleiterin. Die hohen Kirchenfenster im Chor sind mit halbtransparentem Stoff abgedunkelt. Im Zentrum des Chors, auf Augenhöhe, strahlt die Schutzmantelmadonna in erhabener Pracht. Der Auftraggeber des Bildes, Jacob Meyer zum Hasen, war einst Bürgermeister in Basel und ein früher Förderer Hans Holbeins des Jüngeren (1497 - 1543). Das Kunstwerk ist im calvinistisch geprägten Basel auch als katholisches Glaubensbekenntnis zu verstehen, "Meyer stellt sich und die Seinen unter den Schutz der Madonna", erklärt Elsen-Schwedler.
Sie erzählt vom Ruhm Holbeins, der zum Hofmaler Heinrichs VIII. in England aufsteigt. Die Wertschätzung des Monarchen für den Künstler spiegelt auch ein Zitat auf der Kirchenwand wider: "Ich vermöchte wohl aus sieben Bauern sieben Grafen zu machen, aber nicht aus hundert Grafen einen Holbein."
Der Blick wandert in die Umgebung der Holbein-Madonna. Ihr gegenüber werden zwei von Hans Bock dem Älteren (1550 - 1624) geschaffene Kopien von Christus als Schmerzensmann und Maria als Schmerzensmustter gezeigt. Und der Blick fällt auf ein Steinepitaph über den Köpfen an der Südwand des Chores. Wie bei Holbeins Madonna, kniet hier ein Ehepaar. Es ist der 1594 gestorbenen Margarethe Schwendi (Ehefrau von Christoph Schwendi aus Waldenburg) gewidmet, die wie Magdalena Bär im Madonnen-Bild eine Haube samt Kinnband trägt. Halls Geschichte scheint sich mit Holbeins Madonna zu verbinden. Und Johannes Brenz hat in Hall einst eine sehr "marienfreundliche Reformation" vollzogen, erklärt Weber.
Mehr als 60000 Besucher hat die Johanniterkirche im zweiten Halbjahr 2011 verzeichnet, als Riemenschneider-Werke aus Berlin zu Gast waren. Für 2012 rechne Reinhold Würth mit 100000 Gästen, zitiert Weber den Kunstsammler.
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Autor: BETTINA LOBER | 23.01.2012
Harmonisches Gedränge in respektvollem Sicherheitsabstand vor der Schutzmantelmadonna in der Johanniterkirche. Die Journalisten fungieren am Freitag für das Museumsteam der Sammlung Würth auch als Testpublikum. Foto: WEIGERT_MARC
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