Psychiater: Eltern kannten Zustand von Tim K. nicht
Stuttgart.
Der Vater des Amokläufers von Winnenden hat sich auch Monate nach der Bluttat seines Sohnes keine Vorwürfe gemacht. Das sagte der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Stuttgart, Reinmar du Bois, gestern im Prozess vor dem Landgericht Stuttgart. Jedoch soll der 51-jährige Angeklagte eingeräumt haben, dass er in den Monaten vor der Tat kaum etwas von seinem Sohn mitbekommen habe, sagte du Bois in Berufung auf ein Gespräch mit dem Angeklagten und dessen Frau drei Monate nach dem Amoklauf. Der Psychiater kam zum Schluss, dass die Eltern von Tim K. "eigentlich nichts über den psychischen Zustand ihres Sohnes wussten".
Der Vater von Tim K. muss sich vor Gericht verantworten, weil er seinem Sohn Zugriff auf eine Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Mit der Tatwaffe aus dem Schlafzimmer der Eltern hatte der Schüler bei seinem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet.
Laut du Bois soll Tim zur Mutter 2008 gesagt haben, er glaube, er leide an einer "manischen Depression". Die Eltern sollen dies für "absurd" gehalten haben. Dennoch kam der damals 16-Jährige zur psychiatrischen Behandlung in eine Klinik in Weinsberg (Kreis Heilbronn). Laut du Bois ging es dem Vater hierbei insbesondere darum, dem Sohn den "Verdacht der Depression auszureden". Nach der Behandlung soll der Vater beschlossen haben, den Sohn in seinen Schießsportverein zu integrieren. Weitere Therapiestunden, die das Klinikum empfohlen habe, seien ignoriert worden.
Der Klassenlehrer von Tim K. sagte gestern im Prozess, der Junge sei in der Albertville-Realschule von Mitschülern weder ausgegrenzt noch gemobbt worden. Er beschrieb Tim K. als "schwächeren Realschüler", der wegen Mathematik und Biologie versetzungsgefährdet war. Zudem soll sich der 17-Jährige in der zehnten Klasse zunehmend zurückgezogen haben. dapd
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Autor: SWP | 19.11.2010
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