Lehrerin: „keine Verhaltensauffälligkeiten“ bei Tim K.

Stuttgart.  Der Amokläufer von Winnenden war aus Sicht einer früheren Lehrerin ein völlig unauffälliger Schüler. „Er war ruhig, hatte keine Verhaltensauffälligkeiten, war nicht laut, war eher ein leiser Schüler“, sagte die Leiterin einer Waiblinger Privatschule am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart im Prozess gegen den Vater des Todesschützen.

Am Tag des  Amoklaufs sei Tim K. wohl vollkommen anders gewesen: „An dem Tag war er ein Monster.“ Für mögliche Motive habe sie keinerlei  Anhaltspunkte.

Die Pädagogin hatte bei der polizeilichen Vernehmung von Hänseleien durch Mädchen berichtet, die den Schüler als „Mini-Timi“ bezeichnet hatten. Tim K. sei „absolut kein Frauentyp“ und ohne allen Charme gewesen. Mädchen seien für ihn aber auch kein  wichtiges Thema gewesen. Vor Gericht betonte die 50-Jährige, sie wisse das nicht aus eigener Beobachtung, sondern aus  Gesprächen mit den jungen Frauen nach der Amoktat vom März 2009.

Ferner berichtete sie von Problemen des jungen Mannes mit Mathematik, die auch zu einem Gespräch mit dem Vater geführt  hatten. An ihrer Schule gebe es keine Gewalt, auch weil die Klassen überschaubarer und den Lehrern alle Schüler bekannt seien.  In der früheren Klasse des Amokläufers sei Pokern besonders beliebt gewesen, er habe mitgespielt und wohl die Karten zur  Verfügung gestellt, sagte die Lehrerin, die Tim K. in EDV unterrichtet hatte.

Der 17-Jährige besuchte zuletzt das kaufmännische Berufskolleg in Waiblingen, nachdem er 2008 an der Albertville-Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) die Mittlere Reife gemacht hatte. An der Realschule hatte er am 11. März 2009 insgesamt zwölf  Schüler und Lehrer und auf seiner Flucht nach Wendlingen (Kreis Esslingen) weitere drei Menschen und sich selbst erschossen.  Dabei benutzte er die Pistole seines Vaters, die dieser unverschlossen im Schlafzimmerschrank aufbewahrt hatte. Der  Unternehmer muss sich seit Mitte September wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht verantworten.

Ein Schulpsychologie im Ruhestand berichtete vor der 18. Strafkammer von zwei Terminen mit Tim K.. Er habe Anfang 2007 bei einer schulpsychologischen Beratungsstelle in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) einen Begabungstest absolviert, der ihm die  intellektuellen Fähigkeiten für den Realschulbesuch bescheinigt habe. Die Eltern hatten sich nach seinen Angaben angesichts  schlechter Schulnoten zuvor an ihn gewandt, um herauszufinden, ob Tim mit der Realschule nicht überfordert sei. Auch hier sei  Tim K. in einer Gruppe von insgesamt sechs Schülern nicht aufgefallen. Er erinnere sich daran, dass er Schulunlust eingeräumt  habe. Der Vorschlag, Tim Lern- und Arbeitstechniken zu vermitteln, sei nicht verwirklicht worden. Mit Blick auf die Eltern von Tim  sagte der Psychologe: „Man war froh, bestätigt zu gekommen, ja, die Realschule ist richtig.“

Am Nachmittag sollte eine Bekannte von Tim K. als Zeugin aussagen.


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