Die Depressionen des Tim K. waren bekannt
Stuttgart. Der Vater des Amokläufers von Winnenden habe sich Vorwürfe wegen der Tatwaffe gemacht. Dies sagte gestern ein Zeuge vor dem Landgericht Stuttgart.
Drei Tage nach dem Amoklauf von Winnenden hat sich der Vater des Täters nach Angaben eines Zeugen Vorwürfe wegen seiner unverschlossenen Pistole gemacht. "Er hat gesagt, dass die Waffe da nicht hätte rumliegen dürfen", sagte der Ex-Freund der Schwester des Tim K. gestern vor dem Stuttgarter Landgericht. Die Familie habe gewusst, dass Tim psychische Probleme hatte. Welche das genau waren, sei ihm nicht bekannt, sagte der heute 18-jährige Gymnasiast.
Die Schwester habe ihm 2008 in einem Internet-Chat geschrieben, dass ihr Bruder zweimal die Note sechs bekommen habe und dass er depressiv sei, bestätigte der Zeuge die Chat-Protokolle. Er fange an sich zu verändern, habe das Mädchen weiter beklagt. Man merke, dass er zerbreche.
Leicht war dem Zeugen, der nach eigenen Worten noch freundschaftliche Kontakte zur früheren Freundin hat, die Auskunft nicht zu entlocken. Zunächst hatte er das Bild einer "ganz normalen" Familie gezeichnet. Allen tiefergehenden Fragen wich er anfänglich aus und verneinte die Kenntnis psychischer Probleme bei Tim K. Nach flapsigen Sprüchen in Richtung Nebenklage, ermahnte ihn der Vorsitzende Richter Reiner Skujat: "Wissen Sie eigentlich, auf was für einer Veranstaltung Sie hier sind?" Als Zeuge müsse er sagen, was er wisse, sonst werde es "unter Umständen nicht schön" für ihn. Danach brach der 18-Jährige in Tränen aus. Es nehme ihn alles total mit, sagte er. Später berichtete er, er habe im Vorfeld des Prozesses ein zwei bis drei Stunden langes Telefonat mit seiner Ex-Freundin geführt, in dem es auch um das Verfahren und die Chat-Protokolle ging.
Der Vater des Amokläufers muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er eine seiner Pistolen unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. Damit hatte sein Sohn am 11. März 2009 an seiner früheren Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) und auf der Flucht nach Wendlingen (Kreis Esslingen) 15 Menschen und sich selbst erschossen.
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Autor: WENKE BÖHM, DPA | 03.12.2010
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