"Blick nach vorn richten"

Eineinhalb Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden will der neue Leiter der Albertville-Realschule in die Zukunft schauen - ohne zu vergessen. Sven Kubick wird heute in sein neues Amt eingeführt.

Wie kamen Sie zu Ihrer neuen Stelle?

SVEN KUBICK: Seit längerer Zeit habe ich mich immer wieder über die Situation an der Albertville-Realschule erkundigt. Als ich aus Kreisen des Ministeriums gefragt wurde, ob ich mich auf die Schulleiterstelle bewerben wolle, stimmte ich nach gründlicher Überlegung zu. Ich betrachte die Arbeit als pädagogische Herausforderung, sehe in den Profilen und Zusatzangeboten der Albertville-Realschule viele Übereinstimmungen mit meinen Interessen und Erfahrungen und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit Schülern, Eltern und einem engagierten Kollegium.

Müssen Sie als Schulleiter der Albertville-Realschule andere Fähigkeiten mitbringen als ein Leiter einer anderen Realschule?

Kubick: Ich denke, dass alle Schulleiter neben ihrer fachlichen Qualifikation weitere Fähigkeiten mitbringen müssen, insbesondere Fähigkeiten, die man dem Oberbegriff ,soziale Kompetenz zuordnen kann. Die Situation an der Albertville-Realschule erfordert mit Sicherheit eine ausgeprägte Teamfähigkeit und auch ein gutes Einfühlungsvermögen. Ich hoffe, dass ich in schwierigen Situationen immer das richtige Fingerspitzengefühl haben werde und bin für Kritik und positive Rückmeldungen gleichermaßen dankbar.

Wie haben Sie sich auf die neue Arbeit vorbereitet?

Kubick: Während meiner Zeit als Konrektor der Realschule Tamm konnte ich Erfahrung im Bereich der Schulleitungsaufgaben sammeln und Verantwortung für verschiedene schulische Bereiche übernehmen. Dennoch werden an der Albertville-Realschule zahlreiche neue Aufgaben auf mich zukommen - das ist mir klar. Eine gezielte Vorbereitung auf die besonderen Aufgaben an der Albertville-Realschule ist nicht einfach. Natürlich habe ich Fachliteratur zum Thema ,Amok gelesen und mich bereits während meines Studiums mit dem Thema Angstpsychologie beschäftigt. Viel wichtiger als das Studium von Literatur werden jedoch die Gespräche mit Schülern, Eltern, Lehrern und Schulpsychologen sein. Erst nach einer differenzierten Betrachtung der Ausgangssituation können wir uns gemeinsam Gedanken über konkrete Zielsetzungenmachen.

Wie stark sollte die Erinnerung an den Amoklauf aus Ihrer Sicht im Schulalltag präsent sein?

KUBICK: Die Albertville-Realschule hat zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs einen Raum der Stille eingerichtet. Dieser wird auch in Zukunft bestehenbleiben. Wir wollen nicht vergessen - aber wir wollen auch nicht ständig die schrecklichen Erinnerungen an den Amoklauf hervorrufen. Trotz der tiefen Betroffenheit der Schüler, Eltern und Kollegen müssen wir nun unseren Blick wieder nach vorn richten und uns gemeinsam auf den Weg in eine schulische Normalität machen. Die Begleitung auf diesem Weg durch Kirche und Schulpsychologen halte ich nach wie vor für sehr wichtig.

Ihre Vorgängerin stand sehr in der Öffentlichkeit. Ist das für Sie eine Pflicht, oder wünschen Sie sich manchmal weniger Aufmerksamkeit?

Kubick: Der Amoklauf liegt nun eineinhalb Jahre zurück, und ich hoffe sehr, dass das Interesse der Medien abnimmt, damit eine Normalität des Schulalltags für die Schüler und Kollegen möglich wird.

Was möchten Sie bewegen, wie gehen Sie mit Fragen wie dem Umbau der Schule um, welche Herausforderungen kommen auf Sie zu?

Kubick: Ich halte den Umbau der Schule für eine notwendige Voraussetzung zur Rückkehr in den schulischen Alltag und danke dem Schulträger und allen Sponsoren für die Unterstützung. Es freut mich insbesondere, dass sich Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam Gedanken zur Umgestaltung gemacht haben und ich hoffe, dass deren Wünsche weitgehend berücksichtigt werden können. Gemeinsam werden wir uns sodann gezielt auf den Wiedereinzug vorbereiten. Für eine optimale Zusammenarbeit erhoffe ich mir auch in Zukunft einen regen Informationsaustausch zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Ich bin immer offen für Anregungen und neue Ideen, sofern uns diese in unseren gemeinsamen Zielvorstellungen weiterführen.


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Autor: JOHANNES WAGEMANN, DPA | 08.11.2010

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