Privatschule heißt nicht automatisch teuer - Angebot in der Region ist breit und vielfältig
Region. Mehr individuelle Förderung, Ganztagesangebot, Vermittlung anderer Werte - das wollen Eltern, die ihr Kind auf eine private Schule schicken. Zehn weiterführende Privatschulen gibt es in der Region.
Das staatliche dreigliedrige Schulsystem steht seit Jahren immer wieder im Zentrum heftiger Kritik. Viele Eltern ärgern sich über die Zustände an den Grund- und weiterführenden Schulen, aber nur wenige entscheiden sich für den Schritt aus dem System und schicken ihre Kinder auf eine Privatschule. In Baden-Württemberg besuchen nach Angaben des Statistischen Landesamts 7,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine Schule in privater Trägerschaft.
Das Angebot an Privatschulen wird immer größer und vielfältiger. Gemeinsam ist allen, dass die Eltern dort ein monatliches Schulgeld zahlen müssen, dessen Höhe aber sehr unterschiedlich ist. Je nach Träger gibt es Ermäßigungen bei Geschwisterkindern, Stipendien oder eine Staffelung nach Einkommen. In vielen Privatschulen wird auch erwartet, dass sich die Eltern aktiv im Schulleben engagieren.
In der Region in und um Ulm herum gibt es zehn weiterführende Privatschulen unterschiedlicher Träger: vier kirchliche, zwei Waldorf- und zwei Montessorischulen, Poligenius- und Internationale Schule.
Die Stiftung Freie Katholische Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart trägt bislang zwei Mädchenschulen: St. Hildegard in Ulm (Realschule und Gymnasium) sowie die Franz-von-Sales-Realschule in Obermarchtal. Ab September wird als Außenstelle von Obermarchtal in Ehingen im Kolleg St. Josef eine Jungenrealschule aufgebaut. Von evangelischer Seite kommt die Urspringschule Schelklingen hinzu, in der Schüler parallel zum Abitur eine Lehre machen können. Die Urspringschule ist auch Internat.
Am Kuhberg in Ulm befinden sich in direkter Nachbarschaft die beiden Freien Waldorfschulen, die zwar in manchen Bereichen kooperieren, aber voneinander unabhängig sind und die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Gemeinsam ist beiden, dass ihr Lehrplan auf ganzheitliche Bildung und für alle Schüler auf zwölf Jahre angelegt ist und dass es weder Noten noch Sitzenbleiben gibt. Waldorfschulen schließen nach der 12. Klasse mit der Mittleren Reife ab, wer Abitur will, hängt das 13. Schuljahr an.
Ebenfalls ein eigenes pädagogisches Konzept haben die Montessorischulen, die in Neu-Ulm und Weißenhorn entstanden sind. Der Unterricht findet in altersgemischten Gruppen und häufig in freier Form statt. Das heißt, die Kinder wählen ihren Lernstoff selbst. Aufgabe der Lehrers ist es, das Umfeld so zu gestalten, dass sich die Schüler das Wissen selbst aneignen können. Beide bieten ganztägige Betreuung bis 16.30 Uhr, Weißenhorn ist offiziell Ganztagsschule. Auch hier gibt es keine Zeugnisse mit Noten, sondern Berichte über die individuelle Lern-Entwicklung.
Überschaubare Größe, individuelle Förderung und Ganztagsbetreuung sind Punkte, mit denen die Poligenius-Schule für sich wirbt. Die einzügige Realschule wird seit dem Schuljahr 2007/08 aufgebaut und befindet sich noch in der Ensingerstraße in Ulm, ab September wird die Schule aber nach Böfingen umziehen, wo auch ein einzügiges bilinguales Gymnasium dazukommt. Die teuerste unter den Privatschulen in der Region ist die Internationale Schule, neben Ganztagsbetreuung ist auch ein Programm während der Sommerferien geboten. Unterrichtssprache ist Englisch, die Abschlüsse orientieren sich an internationalen Anforderungen.
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Privatschulen: staatlich genehmigte und staatlich anerkannte. Die erste Stufe ist die staatliche Genehmigung. Dazu muss der Schulträger nachweisen, dass sich die Schule nach dem staatlichen Bildungsplan richtet und die räumlichen Gegebenheiten sowie die Qualifikation der Lehrer auf einen ordnungsgemäßen Schulbetrieb schließen lassen.
Eine genehmigte Privatschule muss sich erst einige Jahre bewähren, ehe sie die staatliche Anerkennung beantragen kann. Die Schulaufsicht überprüft das auch durch Besuche vor Ort. Voraussetzung für die Anerkennung ist, dass es Zeugnisse mit Noten gibt. Erst dann werden die Abschlusszeugnisse und Übertrittsempfehlungen offiziell anerkannt. Die beiden Waldorfschulen haben durch eine Sondergenehmigung diesen Status. Hat oder möchte eine Privatschule die Anerkennung nicht, müssen Schüler beim Wechsel zurück in eine staatliche Schule Aufnahmeprüfungen ablegen und sie bekommen offiziell gültige Abschlüsse nur durch die allgemeine Schulfremdenprüfung.
Private Schulen unterliegen der staatlichen Schulaufsicht. Für Ulm und den Alb-Donau-Kreis ist es das Regierungspräsidium Tübingen, für den Kreis Neu-Ulm die Regierung von Schwaben.
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Ausführliche Infos gibt es im
Internet unter www.swp.de/ 2010/wechselfieber
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Autor: VERENA SCHÜHLY | 03.03.2010
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