SÜDWEST PRESSE Wanderaktion
Über die Albhochfläche zum Strand des Urmeeres
Altheim/Alb.
Brrrr, rau sind Landschaft und Klima auf der Alb, wer Tour 5 wandern will, muss sich in dieser Jahreszeit warm anziehen. Dafür erhält er wunderschöne Ansichten. Die Natur der Kuppenalb ist – wie der Menschenschlag dort – auf den ersten Blick zurückhaltend. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass beide nicht mit Reizen geizen müssen. Deshalb ist zu jeder Jahreszeit Tour 5 zu empfehlen, die Wanderführer Alfred Kristen zusammengestellt hat. Los geht’s beim Parkplatz an den Sportanlagen in Altheim/Alb, raschen Schrittes in den herbstlich bunten Wald hinein, während sich links noch eine prächtige Aussicht über die Flächenalb bietet. Das Laub raschelt unter den Füßen, es geht leicht bergab und so gelangt man zügig in den Altheimer Teilort Zähringen.
Das Dorf ist so überschaubar, dass es reicht, die Häuser durchzunummerieren. Im Ort lockt das „Lamm“ mit einem zünftigen Vesper, vielleicht ein bisschen früh, wenn man den größten Teil der Tour noch vor sich hat. Die Luft ist klar und frisch, durch den Wald geht es weiter, bis man über eine sanft geschwungene, noch saftig grüne Wiese ins Hahnental blickt. Nicht spektakulär, aber friedlich und natürlich schön. Über die Wiese, einfach an der Hütte vorbei, rechts rein ins Hahnental, wo auch Pilger auf dem fränkisch-schwäbischen Jakobusweg unterwegs sind. Hier findet man seinen Rhythmus, kann ohne Steigung oder Gefälle wandern bis zur Landesstraße.
Nur ein kurzer Besuch in der rasenden Zivilisation: Kein Auto von links und rechts, schnell über die Straße und weiter auf dem Weg ins Naturschutzgebiet Hungerbrunnental entlang des Waldrandes. Dort gelangt man in ein für die Alb typisches Trockental. Die Stille ist wunderbar, die Umgebung auch. Auf der einen Seite begleiten einen alte Bäume, Wacholderheiden und Heckenstreifen, auf der anderen Kalkmagerrasen.
Würde nicht eine Infotafel darauf hinweisen, dass man am Hungerbrunnen angelangt ist – die felsige Mulde in der Wiese wäre leicht zu übersehen. Dabei handelt es sich um eine sagenhafte Stelle. Der Hungerbrunnen, der dem Tal seinen Namen gab, ist oft viele Jahre nacheinander trocken. Glücklicherweise. Denn es galt lange als böses Zeichen, wenn die Karstquelle nach regenreichen Jahren Wasser schüttete. Ein Grund mag sein, dass die Folge von extrem nassen Jahren schlechte Ernten und Hungersnöte waren. Überliefert wird auch, dass der Hungerbrunnen im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges besonders viel Wasser führte.
Gleich nach der Quelle geht’s links hinauf bis nach Heldenfingen (Gerstetten, Kreis Heidenheim). Dort liegt eine urgeschichtliche Kostbarkeit: Das Kliff. Die Felsenformation, zu erreichen über die Raiffeisenstraße, ist optisch nicht so beeindruckend wie ihre Geschichte: Das Kliff gehört zum Strand eines gewaltigen Urmeeres, ist Teil der Felsküste vor 15 Millionen Jahren. Tosende Wellen haben die Hohlkehle geformt, von früheren Zeiten kunden die Löcher der Bohrmuscheln in den Felsen und die Bohrschwämme. Mehr über den fossilen Strand ist auf den Infotafeln am Kliff und im Kliff-Museum Gerstetten zu erfahren.
Für die Wanderer auf unserer Albtour geht es weiter in der Gegenwart: Von Heldenfingen über die weiten Felder zum Hochberg, durchs Hungerbrunnental und am Wald entlang bergan nach Altheim/Alb. Spätestens dann hat sich jeder warmgelaufen.
Hier gibt´s die Karte zum Download
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Autor: Petra Laible | 19.10.2009
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