Wanderaktion
An der Kante lang von Herrlingen nach Blaubeuren
Herrlingen/Blaubeuren.
Welche Größe, welche Wucht die Urdonau hatte, als sie vor Millionen von Jahren durch das heutige Blautal floss, kann der Betrachter nur erahnen. Nur eines ist angesichts der Ausmaße des Tales klar: Es war ein verdammt mächtiger Fluss – und der suchte sich seinen Weg nicht nur durch das heutige Blautal, auch dessen Seitentäler sind Ergebnis dieses riesigen Stroms. Daran erinnert auch eine Schautafel auf dem Eselsberg: Dort wurde bei den Bauarbeiten für das Universitätsklinikum das Skelett eines jungen Nashorns gefunden. Das Tier war wohl vor Millionen Jahren in einem riesigen Fluss ertrunken. Sein Skelett ist jetzt im Naturwissenschaftlichen Museum in Stuttgart ausgestellt. Die Wanderung folgt dem Lauf des Blautals an der Hangkante, als die Donau noch durch das Schmiechtal, den Blaubeurer Kessel gen Osten floss.
Vom Nägelesfelsen aus, fast 650 Meter hoch gelegen, hat der Wanderer einen schönen Blick über das Tal. Alles wirkt klein, wie eine Modelleisenbahn-Szene: Der Zug, der von Herrlingen Richtung Blaubeuren fährt. Der Weiler Altental mit seinen Spielzeug-Häuschen. Die Autos auf der B 28. Die Blau, die sich als silbernes Band durch die Landschaft schlängelt.
Beginn der Tour ist am Herrlinger Bahnhof, wo von Ulm aus täglich etwa alle halbe Stunde ein Zug fährt. Von dort geht es die Rommelsteige hoch und weiter zum Rommel-Denkmal. Dieses erinnert an Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der zum einen als „Wüstenfuchs“ für Hitlers Afrika-Feldzug bekannt wurde, zum anderen, weil er nach dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 vor die Wahl gestellt wurde, vom Volksgerichtshof abgeurteilt zu werden oder Selbstmord zu begehen. Rommel entschied sich für die Giftkapsel.
Der Schwäbische Albverein, der die Tour mit einer roten Gabel kenntlich gemacht hat, führt die Wanderer dann nach Wippingen, einen Teilort von Blaustein, der erstmals 1085 erwähnt wurde. Nachdem man von der Straße von Wippingen nach Sonderbuch in den Wald abgebogen ist, nimmt die Stimmung und die Stille des Waldes gefangen: „Ist das nicht schön, wie die Sonne durch die Blätter scheint und in ein lindgrünes Licht taucht. Und auf dem Boden das braune Laub.“ Barbara Ohlhoff von der Ortsgruppe Ulm/Neu-Ulm des Schwäbischen Albvereins mag diese herbstliche Stimmung im Wald besonders. „Sehen Sie sich bloß mal die Farben der Blätter an.“ Unter den Wanderstiefeln knacken Bucheckern, der Wind weht durch die Bäume und treibt immer wieder braune Blätter vor sich her. Es riecht nach feuchter Erde und nach modrigem Laub.
Als scheinbar unvermittelt eine der Außenmauern des Rusenschlosses vor dem Wanderer auftaucht, muss der sich sammeln. „Wie? Wir sind schon hier?“ Die Treppen hoch zum eigentlichen Schloss, dass die Herren von Dillingen im 11.Jahrhundert als Burg „Hohengerhausen“ gebaut haben, bringen den Kreislauf auf Trab, der Atem geht schneller. Erst recht, wenn man oben steht und über die Burgmauer hinunterguckt: Der Fels, auf dem die Burg thront, fällt senkrecht ins Blautal ab. Wie Menschen an einer solchen Stelle ein solch mächtiges Gebäude bauen konnten? Wie haben sie die großen Steinquader bloß nach oben geschafft? Es muss eine herbe Plackerei gewesen sein. Die Burgherren haben sicher nicht mitgearbeitet, sie hatten dafür einen sagenhaften Blick ins Blautal. Heute überblickt man Blaubeuren, in dessen Mitte der „Rucken“, ein mächtiger Felsbrocken sitzt. Der Rucken ist auch ein Relikt der Urdonau: Er hielt als so genannter Umlaufberg der Strömung des Flusses stand.
Nach dem Abstieg über einen recht steilen und wegen des Laubes recht rutschigen Weges, kann der Wanderer den Blick von der Brücke über die Blau bei Gerhausen stolz nach oben die Hangkante des Blautals entlang in Richtung Süden richten und die Wandertour noch einmal mit den Augen abwandern: „Ja, jetzt haben wir uns ein Vesper aber redlich verdient.“
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Autor: Helga Mäckle | 15.10.2009
Wandern macht Spaß. Die SÜDWEST PRESSE verrät, wo es in der Region die schönsten Touren gibt. Archivfoto
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