Wandern mit der SÜDWEST PRESSE

Abenteuer-Tour "Mariensteig"

Altenstadt/Kellmünz. 



Je tiefer der Pfad in den Altenstadter Wald vordringt, umso mehr tritt das Geheul der Motoren von der nahen A 7 in den Hintergrund. Hin und wieder lichtet sich der alte Buchenbestand und Autos sind dort zu sehen – drängeln und schubsen auf dem Weg in die Berge. Der Mariensteig zweigt weiter nach Osten ab. Rechts, im Westen, ist das Illertal – Geschäftigkeit. Im 19. Jahrhundert noch war der Mariensteig ein Pfad, den die Jäger auf der Pirsch nutzten. Er beginnt oberhalb von Altenstadt und führt durch den Hangwald nach Kellmünz. An die 20 Minuten nach dem Abzweig in den Wald verschwindet das Autobahngeräusch vollkommen. Die Wildnis beginnt – so, wie sie die Römer vor rund 1700 Jahren rund um Caelius Mons, dem heutigen Kellmünz, wohl ähnlich empfunden haben müssen. Wenn sie sich aus ihrem Kastell herausgewagt haben, das mit dem Limes entlang von Iller und Donau die damalige Ostgrenze des römischen Imperiums sicherte. Es war um 300 nach Christus errichtet worden.

Vom Schloss von Illereichen, das den Anfang einer Wanderung im weit verzweigten Netz der Wege im Forst zwischen Altenstadt und Kellmünz darstellt, steht ebenfalls nicht mehr viel. Zum alten Haupttor, Nebengebäuden und einer Kirche führt der Weg von Altenstadt steil bergauf über Treppen. „Hier ist einiges im Umbruch“, sagt Helmut Winzig, der für die SÜDWEST PRESSE die Tour von Altenstadt über Illereichen auf dem Mariensteig nach Kellmünz entworfen hat. Es freut ihn, dass mit dem neuen Eigentümer wieder Leben einzieht in das Gemäuer, in dem schon der Sternekoch Eberhard Aspacher wirkte.

Illereichen und das „Schloss“, eine im 15. Jahrhundert von den Herren von Rechberg erbaute Burg, hatten bis zum 18. Jahrhundert die „Alte Stadt“ des früheren Herrschaftsgeschlechts der Aichheimer überflügelt. Erst die Ansiedlung jüdischer Familien bis ins 19. Jahrhundert brachte Aufschwung für die „Alte Stadt“ – Altenstadt. Mitte des 19. Jahrhunderts zogen viele Juden weg – die freie Wahl des Wohnorts genießend. Nach 1933 zogen sie mit Schrecken weg oder wurden verhaftet und verschleppt. Die letzten 23 Altenstadter Juden wurden 1942 in Vernichtungslager deportiert.

Auf dem Mariensteig ist viel Raum, um über Geschehenes und Gesehenes nachzudenken. Die Wanderung mit Helmut Winzig spult sich stetig auf gleicher Höhe am Hang entlang weiter. Eine Route, die von der Natur vorgezeichnet ist. An eng stehen Beständen und weiten Lichtungen vorbei, über Baumwurzeln, Moos und Blätter. Der Einstieg ist frisch gemäht.

Nach gut einer Stunde Gehzeit weist ein verblichener blauer Pfeil auf weißem Grund zur „Hasenquelle“, ein Rastplatz in einem jungen Mischwald-Bestand von Helmut Winzig angelegt. In den Jahren nach 1995 hat der frühere Marathonläufer zunächst mit Mitgliedern einer Läufergruppe und später allein den Weg wieder begehbar gemacht. „Der Förster hatte zunächst die großen Bäume, die reingewachsen waren, entfernt.“ Dreißig Jahre zuvor hatte ein anderer Förster, Max Katzengruber, den Weg schon einmal restauriert – als ein Beitrag zum gesellschaftlichen Leben, „so wie andere sich in Vereinen engagieren“, sagte er, als er für seinen Einsatz geehrt wurde. Schon vor dem zweiten Weltkrieg sei der Weg bei Maiwanderungen sehr beliebt gewesen. 1925 wurde er in einer Zeitung als „einer der schönsten Waldspaziergänge in unserem weiten Illertal“ bezeichnet. Vor dem Ersten Weltkrieg schon hatten Gesellenvereine eine Art Aussichtsturm errichtet – bei der Luitpoldslinde, erzählt Winzig. Diese ist inzwischen zugewachsen und kaum zu erkennen. Der Platz lädt nach wie vor zum Verweilen ein, bevor es hangabwärts geht. Ins Tal nach Kellmünz. Und der Geschäftigkeit entgegen.



TIPPS FÜR DIE TOUR

Zugfahrt: Für die Rückfahrt nach Altenstadt bietet sich die Bahn an: Die Zugfahrt dauert einige Minuten, die Züge fahren stündlich – jeweils zur Minute 44, 46 oder 48 oder etwas später – der Fahrplan unter www.ding.eu.
Museum: Der Museumsturm des Archäologischen Parks Kellmünz (Rechbergring im Ortszentrum) ist noch im Oktober jeweils an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr Uhr geöffnet. Das Parkgelände ist immer zugänglich, der Rundgang beginnt bei der Kirche St. Martin.
Gastronomie: In Kellmünz bietet sich neben Gasthäusern im Ortskern und in der Bahnhofstraße das Tennisheim (Steinweg 11) an. In Altenstadt empfängt den Wanderer am Illerdamm das Illerstüble (Oberbalzheimer Straße) und am Bahnhof das Gasthaus Sonne (Bahnhofstraße). Im Ortszentrum dann das Café Merkle (Memminger Straße 67). Die komplette Liste unter www.altenstadt-vg.de



INFO:

Wandern mit Winzig
Die SÜDWEST PRESSE hat für den 24. Oktober für 40 Teilnehmer eine Wanderung mit Helmut Winzig von Altenstadt nach Kellmünz – zurück am Illerdamm – organisiert. Treffpunkt ist um 10 Uhr auf dem Parkplatz bei Schule/Friedhof in Altenstadt. Als Ausrüstung mitzubringen: Feste Schuhe, Wanderkleidung und Verpflegung. Wer dabei sein will, sollte heute von 15 bis 17 unter Tel. (0731) 156 201 anrufen – die ersten 40 Anrufer kommen zum Zuge.

Helmut Winzig
Helmut Winzig hat es schon als Junge genossen, durch den Wald von Altenstadt zu streifen. „Meine spätere sportliche Karriere ist dann etwas kurioser verlaufen“, erzählt der frühere Marathonläufer, der bald seinen 68. Geburtstag feiert. Er war Bergsteiger und begeisterter Angler. Dann Läufer und schließlich auch Radfahrer. Den Mariensteig hat er vor mehr als zehn Jahren mit einer Läufergruppe wiederentdeckt.


Die Wanderkarte zum Download...


  

Kommentare (1)

13.06.2010 13:07 Uhr |   unbekannt

Abenteuer-Tour "Mariensteig

Die Wanderkarte zu dieser interessanten Tour wird nicht mehr durch Download geladen, Fehlermeldung. Bitte senden Sie mir die Karte an meine E-Mail Adresse: Raab-He@t-online.de.
Vielen Dank

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