Nähen, Lachen, Tratschen
Für alle, deren Lieblingsjeans ganz hinten im Schrank liegt, weil sie zu lang ist oder geflickt werden muss, gibt es einen Hoffnungsschimmer: den Nähtreff, oder auch liebevoll "Nähkästchen" genannt. Denn dort beantwortet die Leiterin Giulia Gencarelli, gelernte Maßschneiderin, jede Frage rund ums Nähen und legt auch schon mal eine helfende Hand mit an.
LOCKERE STIMMUNG
Giulia Gencarelli zeigt die Tricks mit Nadel und Faden vor allem per Hand, da viele Teilnehmer zuhause keine Nähmaschine haben. "Wir versuchen hier, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben", erklärt Juliane Ott, Leiterin des Familienzentrums, "damit die Teilnehmerinnen auch mal zuhause weiternähen können". Im Nähtreff herrscht eine lockere und ausgelassene Stimmung. "Manchmal kommen die Leute auch nur zum Tratschen", lacht Schneiderin Gencarelli. Das Alter der Teilnehmer reicht "von der Krabbelgruppe bis zum Seniorenfrühstück", wie es Juliane Ott ausdrückt. So kommen die Geschwister Nadine (9) und Nicole (12) Nilson regelmäßig ins Nähkästchen. "Erst hab ich das Nähen nicht so gemocht, aber hier macht es mir Spaß", sagt Nicole. Ihrer Schwester Nadine gefällt besonders, dass die 55-jährige Giulia Gencarelli "immer für einen da ist". Auch Monika Hacker ist begeistert: "Es ist toll hier. Die Leute sind sehr nett und man hat gute Ergebnisse", sagt die 53-Jährige. "Die Atmosphäre hier ist so toll und wir lachen sehr viel zusammen", bestätigt auch Halima Azzi.
MÄNNLICHE BESUCHER
Tatsächlich findet sich ab und zu sogar ein Mann im Nähkästchen. Franz Nemec aus Senden beispielsweise. Ihm gefällt die bunte Mischung und die Offenheit der Frauen: "Man fühlt sich kein bisschen als Außenseiter." Und das, obwohl er als Mann ja schon anders gestrickt sei als die Frauen, scherzt Nemec.
Im Nähkästchen nähen die Teilnehmer nicht nur für sich selbst, sondern auch für den guten Zweck: Vor Kurzem wurden Blumenbroschen gehäkelt und auf dem Weihnachtsmarkt verkauft. Dabei wurden rund 80 Broschen verkauft, 270 Euro kamen zusammen. "Es hat sich eine richtige Eigendynamik entwickelt. Die Teilnehmer haben die Broschen auch in ihrem Freundeskreis verkauft", so Giulia Gencarelli. "Ja, da hing richtig Herzblut dran", stimmt Juliane Ott zu. Der Betrag wird vom Nähtreff an den Förderkreis für tumor- und leukämiekranke Kinder e.V. in Ulm gespendet.
MONA MOLL
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Autor: SWP | 22.02.2012
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Foto: NAK
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