Fasten: Folter oder Verjüngung?
Aus welcher Motivation heraus die Menschen fasten, ist genauso unterschiedlich wie die Palette der Dinge, auf die verzichtet wird. Fest steht nur eines: Die Fastenzeit geht auf religiöse Ursprünge zurück: Mohammed fastete, bevor er den Koran empfing. Buddha fastete, um seinen inneren Frieden zu erlangen. Moses fastete 40 Tage auf dem Berg Sinai, bevor ihm die 10 Gebote erschienen und Jesus fastete ebenfalls 40 Tage in der Wüste. Im Christentum ist die Fastenzeit für Gläubige fest verankert: 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostern. Es ging ursprünglich um Besinnung durch Enthaltsamkeit, darum, Buße zu tun und die Leiden Christi nachzuempfinden.
WENIGER RELIGIÖSE GRÜNDE
Heutzutage ist das Fasten aus der Gesellschaft nicht ganz verschwunden, allerdings gibt es im Christentum (im Gegensatz zum Islam, hier wird der Fastenmonat Ramadan von vielen eingehalten) nur noch wenige, die den vollkommenen Verzicht zelebrieren. Viel mehr geht es heute darum, mit speziellen medizinischen Fastenkuren den Körper zu entschlacken (sinnvoll, direkt nach der Fasnetszeit!) oder einfach auf ungesunde Laster zu verzichten.
Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2011 haben 40 Prozent aller Deutschen schon einmal gefastet oder zumindest über einen längeren Zeitraum auf liebgewonnene Genüsse verzichtet. Übrigens würden 78 Prozent in der Fastenzeit der Umfrage zufolge am ehesten auf Alkohol verzichten. Es folgen Süßigkeiten (69 Prozent), Rauchen (53 Prozent), Fleisch (48 Prozent) und Fernsehen (42 Prozent). Ganz neue Fastenvorschläge bringen die neuen Medien: Einige verzichten auf Facebook.
Gründe zum Fasten gibt es genug: Viele wollen nach der Winterzeit einfach ein paar Pfund abnehmen oder sich generell gesünder ernähren. Einige wollen sich selbst überwinden und dadurch ihr Ego stärken.
SUSANNE BRÄNDLE

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