Liebe Grüße auch an Oma. . .

Meist steht gar nicht viel drauf. Und meist geht es um das Wetter, das Hotel und das Essen. Trotzdem schreiben immer noch viele Deutsche Postkarten aus dem Urlaub. Und die Adressaten freuen sich.

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„Liebe Mama, lieber Papa, wir sind gut angekommen. Alles ist ok. Es ist es toll hier im Schullandheim, alle spucken, auch die Lehrer. Liebe Grüße – auch an Oma, Euer Emil.“

Postkartengrüße wie dieser sind zwar nicht ausschließlich erfreulich, aber immerhin ein Lebenszeichen eines Liebsten aus der Ferne. Und das schätzen die meisten Deutschen nach wie vor, wie die jüngste Mitteilung der Deutschen Post AG zum Thema Ansichtskarte beweist.

Demnach sind in den Sommermonaten Juni bis August im vergangenen Jahr 57 Millionen Postkarten verschickt worden. Die meisten wurden innerhalb Deutschlands gesendet sowie aus den klassischen Urlaubsländern Italien, Spanien, Österreich, Frankreich und den USA. Insgesamt beförderte die Deutsche Post im Jahr 2014 rund 210 Millionen Postkarten.

Angesichts unserer digitalisierten Welt ist die Zahl erstaunlich. Schließlich kommen Fotos von der Strandliege mit Longdrink, dem Hotelzimmer und diversen Ausflugszielen in Sekundenschnelle per Smartphone bei der Verwandtschaft und den Freunden an. Dennoch heißt es oft: „Ich schreibe Postkarten, das gehört für mich einfach zum Urlaub.“ Vielen macht es richtig Spaß, Ansichtskarten kaufen zu gehen und für die Daheimgebliebenen das jeweils richtige Motiv zu suchen – „das Walross sieht irgendwie aus wie Onkel Heini, findest du nicht, Schatz?“ Zum Schreiben setzt man sich dann etwa in ein Café und lässt sich inspirieren.

Die Renner sind nach wie vor Postkarten, die eine herausragende Sehenswürdigkeit in Großaufnahme zeigen. Genau wie diese, die mehrere kleinere Stadt- und Landschaftsansichten abbilden. Vor allem aus Großstädten werden Postkarten geschrieben, wie eine Deutschlandkarte des „Zeit“-Magazins einmal zeigte. Nur Frankfurt hängt hinterher. Vielleicht, so wird gemutmaßt, weil dort viele Geschäftsleute halt machen und eher Mails schreiben.

Jährlich werden deutschlandweit allein 25 Millionen Ansichtskarten vom Schöning-Verlag in Lübeck gekauft. Er ist Marktführer und produziert die Andenken von allen Ecken Deutschlands. So findet man seine Urheberschaft auf der Karte vom Ulmer Münster genau so wie auf der vom Timmendorfer Strand an der Nordsee. Postkarten sollen schöne Erinnerungen wach rufen. „Deshalb zeigen wir die Orte immer von ihrer schönsten Seite“, sagt Bernd Preuss, Produktionsleiter bei Schöning. Immer mal wieder wird neu fotografiert, obwohl die Touristenattraktionen selbst sich zwar selten ändern, wohl aber die Umgebung. So bekommt die Postkarte noch eine historisch-dokumentarische Dimension.

Der Verlag passt sich auch den Touristen an. „Klar ist etwa, dass Amerikaner eine ganz klassische Karte von Heidelberg kaufen wollen.“ Während Russen, die häufig in Baden-Baden Urlaub machen, auf Ansichtskarten mit Goldprägung abfahren. „Und die Motive von Berlin dürfen dann wieder modern und flippig sein“, weiß Preuss. Japaner stehen anscheinend auf Geschriebenes: Sie kaufen gerne Karten mit Gedichten.

Gedruckt wird für ein breites Publikum: Seit eineinhalb Jahren gibt es 3-D-Karten mit Maßkrügen und Bier als Motiv sowie Kühe auf der Weide. „Wir haben auch eine spezielle Kinderserie mit Karten zum Ausmalen“, sagt Preuss. Und natürlich Mundart-Karten: „Moin, Moin“, sagt etwa eine Robbe am Ostseestrand. Sowie die klassischen Witz-Karten: „Grüße aus dem Schwarzwald“, auf der nichts als schwarz zu sehen ist.

Selbst die Art, Postkarten zu schreiben, unterscheidet sich. So schrieben Holländer etwa sehr viel, aber stets sehr kurz gefasst: „Viele Grüße aus Lübeck, dein Hans.“ Deutsche hingegen, so die Erfahrung von Preuss, „nutzen die ganze Fläche und schreiben auch jedem etwas anderes“. Das ist in machen Fällen auch besser. Denn in ihrer Verwandtschaft würden die Postkartentexte durchaus verglichen, wie eine junge Frau erzählt. Nicht nur das. Wehe, es finde sich ein Rechtschreib- oder Satzzeichenfehler. „Das wird mir dann unter die Nase gerieben.“

Insgesamt habe sich der Sinn der Postkarte geändert. „Früher war das pure Information“, sagt Preuss. Noch bevor der Urlauber wieder zu Hause war, war die Karte angekommen, und man wusste bereits, wie der Urlaub in etwa verlaufen war. Heute erledigen das SMS und Whats App-Nachrichten. Dafür erfüllen Ansichtskarten neben einer gewissen Bildung – „Tante Erna schreibt von den Lofoten, wo sind die eigentlich?“ – jedoch etwas anderes Wichtiges: „Sie sind eine Art Wertschätzung des anderen“, meint Preuss. Immerhin mache sich jemand die Mühe, eine Karte auszusuchen, zu beschreiben, die Briefmarke zu organisieren und einzuwerfen. Und schließlich: „Eine SMS kann man auch nicht an die Wand pinnen.“

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