Im Miau-Wohnzimmer

Der Anblick ist ungewöhnlich. In einem Café in New York kauern Menschen am Boden, geben lockende Geräusche von sich und freuen sich tierisch, wenn eine der Katzen zu ihnen kommt und sich streicheln lässt.

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Die Plätze im „Meow Parlour“ (Miau-Wohnzimmer) sind stets ausgebucht, sagt die Betreiberin Emelie Legrand. Mit Rücksicht auf die Katzen dürfen nur wenige Leute gleichzeitig ins Café.

Die Idee des „Meow Parlour“ stammt aus Asien. Dort können sich aufgrund des beschränkten Platzes die meisten Menschen keine eigenen Haustiere halten. Um Tierfreunden trotzdem den Kontakt zu ermöglichen, eröffneten bereits in den 90er Jahren solche Cafés. Nicht nur deshalb: Soziologische und empirische Studien belegen, dass der Kontakt zu Tieren auf Menschen therapeutisch im positiven Sinne wirkt. Vor allem, wenn die Zeiten instabil sind – etwa in Wirtschaftskrisen – und Ängste wecken.

Auch Emilie Legrand beobachtet, dass ihre Gäste Ausgleich, Trost und Entspannung bei den Katzen suchen. „Vor allem in Großstädten, wo der Alltag so schnell und stressig verläuft, vermitteln die Tiere Ruhe.“ Inzwischen gibt es in den USA mindestens ein Dutzend solcher Einrichtungen, in Europa sind sie auf dem Vormarsch. Es gibt sie in Paris, Wien, München und Köln. In der Domstadt treffen sich Katzenliebhaber im „Café Schnurrke“ und hoffen, dass die Katzen Tiga, Betty, Emma sowie Gino, der Kater, ihnen eine Audienz gewähren.

Sabrina Szabo, die Inhaberin des „Schnurrke“, hat die Idee aus Asien vor rund zwei Jahren aufgegriffen. „Das Café ist der ideale Treffpunkt für Katzenliebhaber.“ Für Menschen, die eigene Katzen haben und für Menschen, die keine Katzen halten könnten. Man erhalte eine ordentliche Ration Schnurren und Kuscheln zusammen mit einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen. „Das passt gut zusammen“, sagt Sabrina Szabo. Eine Katze auf dem Schoß sei das Entspannendste, was es gibt. Es sei sogar wissenschaftlich erwiesen, dass Schnurren den Menschen gut tue.

Genau das ist auch die Erfahrung der Ergotherapeutin Elvira Henle, die seit 1988 im Betreuungs- und Pflegezentrum der evangelischen Heimstiftung in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) arbeitet. Sie hat die Federführung bei der „tiergestützten Alltagsbetreuung“ und das Angebot an Tieren im Pflegeheim über die Jahre hinweg ausgebaut. „Wir haben vier Kaninchen, vier Stallhasen, zwei Katzen und Papageien“, zählt sie auf. Die Erfahrungen seien gut. Vor allem dementen Menschen helfen Tiere, deren Alltag zu strukturieren – etwa, wenn sie für die Fütterung verantwortlich sind. Sie förderten die Kommunikation. Sobald eine Katze auftauche, bringe sie Gespräche unter den Bewohnern in Gang. „Sie tauschen ihre Erlebnisse mit der Katze aus, beobachten sie und kommentieren ihr Verhalten.“ Sie motivierten die Senioren, sich zu bewegen: „Ein Spaziergang ist oftmals keine Option. Aber wenn ich sage, wir besuchen die Kaninchen, gehen die Leute meistens mit.“ Die Tiere helfen auch, Erinnerungen wach zu rufen, „wenn man selbst Haustiere hatte oder auf dem Land aufgewachsen ist“, sagt Henle.

Der Kontakt zu Tieren fördere die Lebensqualität, auch weil „Tiere die Menschen so nehmen wie sie sind und nichts fordern“. Genau so wichtig: „Tiere spüren die Stimmung eines Menschen: ob jemand traurig ist.“ Der Kater im Pflegeheim setze sich dann zu demjenigen hin.

Vor 20 Jahren sei Tierhaltung in Pflegeheimen noch kein Thema gewesen sagt Henle. „Man hatte Bedenken wegen der Hygiene.“ Klar sei, sie bedeuteten Arbeit. So müssten sie regelmäßig zum Tierarzt, die Behausungen müssten sauber sein. Auch Tierschutz ist selbstverständlich ein Thema. „Die Tiere brauchen Rückzugsorte.“ Sie seien kein Spielzeug.

Es gibt Forschungsarbeiten, die den positiven Effekt von Heimtieren auf Menschen wissenschaftlich belegen. „Mehrere Studien zeigen, dass tiergestützte Interventionen insbesondere bei Senioren und Pflegebedürftigen effektiv die Stimmung verbessern und zu mehr sozialer Interaktion beitragen“, bestätigt Andrea Beetz, die an den Universitäten Rostock und Wien zur Mensch-Tier-Beziehung forscht und lehrt, die Erfahrung von Elvira Henle. „Insgesamt helfen die Tiere, eine angenehme, entspannte und kommunikative Atmosphäre zu schaffen.“

Emilie Legrand vom „Meow Parlour“ in New York denkt nicht nur an die Menschen. Ihre Idee: „Wir wollen, dass unsere Katzen adoptiert werden.“ Dies sei ein wichtiger Aspekt des Cafés. Und, weil die Katzen ärztliche Betreuung brauchen und Futter, kostet der Besuch Einstritt. Das ist auch in „Lady Dinah’s Cat Emporium“ in London so, wo sich neun Katzen tummeln. Eineinhalb Stunden kosten hier umgerechnet rund 16 Euro. Katzenliebhaber lassen sich davon nicht abschrecken. Das Café ist oft ausgebucht.

Trend in Altenheimen geht zu Haustieren

Befragung Altenheime haben immer häufiger Haustiere. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Sozialforschungsinstituts Isis für die Mars Heimtier-Studie 2013, an der 486 Einrichtungen bundesweit teilnahmen. Demnach erlauben 87 Prozent der befragten Seniorenheime die Haltung eigener Tiere. Es gebe einen deutlichen Trend in den Einrichtungen, Tierhaltung zu gestatten, so das Ergebnis. Reaktion Jede zweite der befragten Institutionen (51 Prozent) gab an, dass die Bewohner die Erlaubnis zur Tierhaltung begrüßen und ihre Räume mit Heimtieren teilen. Allen voran wurden Vögel genannt, aber auch an Katzen, Hunde, Fische und Kleintieren wie Kaninchen oder Meerschweinchen erfreuen sich die Menschen. Die Heimleiter nannten positive Effekte: gesteigerte Zufriedenheit, Lebensfreude, Mobilität, mehr Kommunikationsbereitschaft und Erinnerungsvermögen sowie das Gefühl, gebraucht zu werden.

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