Die Signale des Körpers

Viele ignorieren sie, andere halten die Erkenntnisse darüber für Humbug. Und es gibt Leute, die halten sie für wichtiger denn je. Gemeint ist die Körpersprache, mit der wir meist unbewusst kommunizieren.

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150 Millisekunden. Das ist nicht mehr als ein Wimpernschlag, aber der reicht, und der neue Gesprächspartner hat den ersten Eindruck gewonnen. Danach wird man in eine der beiden Schubladen gesteckt: sympathisch oder unsympathisch. Wenn der erste Eindruck gut ist, kein Problem. Was aber, wenn nicht? Vor allem, wenn derjenige, mit dem man es zu tun hat, der Chef eines Unternehmens ist, bei dem man sich gerade bewirbt.

Natürlich kommt es immer noch darauf an, was man sagt. Aber, um überzeugend zu sein, braucht es auch die richtige Körpersprache, und die muss mit dem Inhalt harmonieren. Ein Beispiel aus der Politik: Als der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit befragt wurde, sagte er zwar, sie beruhe auf seiner eigenen Leistung. Er kräuselte dabei jedoch die Stirn und zog die Augenbrauen zusammen.

„Ein Zeichen für Sorge und Wut“, lautet die Analyse von Monika Matschnig, einer der bekanntesten Expertinnen auf dem Gebiet der Körpersprache. Das, was man denke, lasse sich eben vom Körper nicht trennen. Es seien oft kleine Gesten, die uns verraten: Jemand sagt, er finde den Vorschlag des anderen gut und wischt dabei einen unsichtbaren Fussel vom Jackett – „das bedeutet nichts anderes als „lass mich in Ruh’ damit“, erklärt die ehemalige Profi-Volleyballerin aus Österreich, die Psychologie studiert hat.

Oder jemand behauptet von sich, er sei kompetent und selbstbewusst und lässt die Schultern hängen. „Da macht man sich klein, das passt nicht.“ Vor allem Frauen hätten viel zu lernen. So verzichten sie auf große Gesten, lassen ihre Arme eng am Körper und ihre Handgelenke lasch hängen – „auch, wenn sie die richtigen Argumente haben“. Im Gegensatz zu Männern, die obwohl sie manchmal wissen falsch zu liegen, die Arme vom Körper weghalten und mit dem so genannten Handkantenschlag ihre Worte unterstreichen. Machen auch Politiker gern. Das signalisiere: „Lass dich bloß nicht auf ein Widerwort ein“, nennt Matschnig Beispiele.

Sie gibt Seminare und hält Vorträge darüber, wie man sich besser präsentiert. Die These, die vorangestellt wird: „Die Wirkungskompetenz hat die Sachkompetenz überholt.“ Das klingt erstmal nach Oberflächlichkeit, so nach der Devise: Hauptsache, man verkauft sich gut. Tatsächlich jedoch hat derjenige, der Zeichen deuten kann, einen klaren Vorteil. Und: Auch unbewusst nehmen Menschen das Auseinanderklaffen zwischen Wort, Mimik und Gestik wahr, finden den anderen überzeugend oder eben nicht.

Matschnig, die ihr Wissen mit viel Schauspieltalent und plastischen Beispielen präsentiert, gibt Tipps für eine bessere Wirkung, die einfach zu verstehen sind. Grundsätzlich sei wichtig, eine positive Ausstrahlung zu haben und positiv über seine Mitmenschen zu denken. Man müsse nicht perfekt sein: „Das ist langweilig.“

Der Händedruck: Die andere Hand im ganzen umfassen, drücken, aber nicht zu fest. Das bedeutet: Ich bin offen.

Augenkontakt: Bei Gesprächen dem anderen in die Augen schauen (besser in ein Auge) und ab und zu wegschauen, nicht anstarren – „das verunsichert und ist merkwürdig“.

Der Stand: Aufrecht mit beiden Beinen auf dem Boden. Für Frauen gilt: nicht mit einem Standbein einknicken, vor allem nicht im Beruf, in der Bar ist das was anderes. Gleiches gilt für die Haltung des Kopfes: Wer ihn schräg hält, bedeutet dem anderen Unterwerfung. Die gleiche Haltung wirkt jedoch beim Flirten.

Der Mund: Lächeln erleichtert vieles. Doch es sollte ein echtes Lächeln sein, bei dem die Augen erkennbar mitlächeln.

Die so genannten Hand-Hals-Gesten sollte man vermeiden. Sie werden negativ interpretiert und signalisieren Unsicherheit. Genau wie sich ans Ohr fassen: Man signalisiere, dass man dem Gesprächspartner etwas übel nehme. An die Nase fassen, bedeute „ich habe etwas zu verbergen“. Also, wenn es drauf ankommt: Hände weg vom Gesicht.

Trotz dieser zwar sehr kurz gefassten, aber allgemein gültigen Regeln gibt es Grenzen, sagt Matschnig. Der Mensch sei kein offenes Buch und könne natürlich bewusst auch Rollen spielen. Abgesehen davon, dass wir das jeden Tag situationsbedingt tun, könne man so etwas natürlich lernen. Politiker etwa lassen sich entsprechend coachen. Es sei jedoch schwer, den Menschen etwas vorzumachen. „Nur wenn man sich in seiner Rolle wohl fühlt und begeistert ist von dem, was man vertritt, wird es positiv wirken.“

Und dann gibt es Körpersprache ohne Bedeutung. Die Handhaltung der Kanzlerin etwa, die „Merkel-Raute“ genannt wird. Ursprünglich als Zeichen von Konzentration bei der Wahl ihrer Worte habe Merkel diesen Tick entwickelt. „Und jetzt ist diese Macke Markenzeichen geworden.“

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