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"Wie beim Laufen braucht der Glaube auch Regelmäßigkeit", sagt Ernst-Wilhelm Gohl. Beide seien auch von Ritualen geprägt. So ist es dem Münsterdekan wie das Tischgebet zur Selbstverständlichkeit geworden, morgens um fünf Uhr in die Laufschuhe zu schlüpfen. Beim Laufen denkt der Dekan dann über die vorher gelesene Tageslosung nach. "Manchmal denke ich aber auch gar nichts."
Das Laufen ist seinem Glauben zudem eine Bereicherung, weil es ihm Gelegenheit bietet, die "Schönheit der Schöpfung" zu genießen. Es kam schon mal vor, dass er bei Regen zehn Mal um den Pfuhler See gelaufen ist. "Meditatives Kreisen" nennt er diese Übung - die ihm dann aber doch langweilig geworden ist, weshalb er die restlichen Kilometer aus dem Trainingsplan in Richtung Thalfingen verlegt hat.
Der Glaube, so Gohl, bewahrt ihn aber auch davor, dass das Laufen zum einzigen Lebenssinn wird. Auch wenn er sich strikt an die Vorgaben des Trainingsplans hält: Von Versessenheit ist beim Dekan keine Spur. "Man muss sorgsam mit seinem Körper umgehen", findet er und fügt hinzu: "Ob das bei 42 Kilometern erfüllt wird, sei mal dahingestellt - aber das darf man dann auch mal."