Open-Air-Festivals: Lust und Sound unter freiem Himmel

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  • Dieses Foto des Woodstock-Festivals zierte das Cover des Dreifach-Albums und wurde selbst zur Ikone, die für Generationen das Bild der Open-Air-Festvals festschrieb. 1/3
    Dieses Foto des Woodstock-Festivals zierte das Cover des Dreifach-Albums und wurde selbst zur Ikone, die für Generationen das Bild der Open-Air-Festvals festschrieb. Foto: 
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    ... und diesem Bild Zwischen liegen 40 Jahre, mehr als hundert Festivals und fast 3000 Konzerte: Günter Heiser heute (rechts) und mit seiner Schwester Sibylle 1977 auf dem Golden-Summernight-Festival mit Ted Nugent in Göppingen. (links). Foto: 
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Es war das absolute Chaos, hunderttausende von Fans hatten sich im August 1969 auf den Weg gemacht – ohne im Besitz eines Tickets zu sein. Am Ende waren es geschätzte 400.000 Menschen, die das Festivalgelände stürmten. Tausende waren auf den verstopften Straßen liegengeblieben, die Zufahrtswege waren mit Autos zugeparkt, die Musikfans einfach stehen gelassen hatten. Medizinische Versorgung war nur noch aus der Luft möglich. Ein Wunder, dass es bei diesem Chaos nicht zu ernsthaften Personenschäden kam.

Und dennoch: Diese drei Tage voll Frieden und Musik, wie die Veranstalter ihr Freiluft-Event in der Nähe von Woodstock im Untertitel nannten, sollte zur Mutter aller Festivals werden. Das Dreier-Album hatte jeder im Plattenschrank. Der dazugehörige Film zeigte auch den jungen Menschen in Europa, wie das auszusehen hatte mit Love, ­Peace and Understanding, dem Chaos auf dem Festivalgelände, aber vor allem auch den Bands, die damals zur Creme des Rock gehörten und durch ihren Auftritt in Woodstock zum Teil der Legende wurden.

„Wir waren alle von Woodstock infiziert“, sagt einer, der damals nicht dabei war, sehr wohl aber den Film im Kino gesehen hatte – und das hatte Folgen. Günter Heiser hat in den vergangenen 45 Jahren mehr als 100 Festivals besucht, mehr als 2500 Konzerte gesehen, und er ist auch Veranstalter. In den 70er Jahren organisierte er seine ersten Konzerte im Jugendzentrum von Backnang, wechselte dann ins Bankfach, aktuell arbeitet er beim Ulmer Zeltfestival mit und beim Ulmer Roxy.

„Ich war schon immer ein Musikfan“, sagt Heiser, der heute seinen 61. Geburtstag feiert. „Von dem Geld, das ich beim ersten Ferienjob verdient hatte, habe ich mir natürlich eine Gitarre gekauft. Aber mir fehlte wohl das Talent, aber ganz sicher der Fleiß, um darauf zu üben. Und nur ein paar Akkorde zu spielen, das war mir zu wenig“, schildert Heiser seine kurze musikalische Karriere.

Heiser schwenkte um: „In Backnang gab es Anfang der 70er Jahre nichts für Jugendliche, also wurden wir selbst tätig und gründeten ein Jugendzentrum.“ Und ein Jugendhaus in den 70ern war auch ein Konzertort. Die Bands dafür buchte Günter Heiser. Anfänglich nur Gruppen aus der Region. „Dann fragte einer nachmittags im Freibad: ,Was machen die hier eigentlich am Abend?’“ Von da bis zur Idee, ein Open-air-Festival auf die Beine zu stellen, war es nicht weit. Der bekannteste Künstler, der in den 70ern zwischen den Schwimmbecken auftrat, war Eric Burdon.

Und nicht nur in Backnang. Auch andernorts wurden Festivals organisiert: „Das beste war wohl in Göppingen“, erinnert sich Heiser. Auch deshalb, weil dort neben europäischen Größen wie Ten Years After auch US-Musiker wie Ted Nugent oder Country Joe McDonald auftraten.

Als Heiser in den 80ern das erste Mal in die USA reiste, war es für ihn ein Muss, die Festival-Areale von Woodstock und Monterey zu besuchen; letzteres war zwei Jahre vor Woodstock der eigentliche Startschuss der Festivalmania, es erreichte aber nie die Popularität von Woodstock.

„Die Festivals in den 70ern waren ganz anders“, erinnert sich Heiser. „Alles war ganz relaxed. Es gab kaum Zäune, keine Security. Das Essen und Trinken durften wir mitbringen – in Kisten und Kühlboxen. Heute muss man ja froh sein, wenn man einen Tetrapack mit hineinnehmen darf. Auf ein Festival zu gehen; das war wie ein Ausflug an einen Baggersee mit Freunden – nur eben mit Musik.“

Dazu gehörte auch, dass man nicht schon frühmorgens anstand, um einen Platz vor der Bühne zu ergattern, von dem man sich dann das ganze Festival über nicht wegbewegte. „Man lag auf der Decke und bei einer Band, die einen interessierte, ging man nach vorne. Und wenn die aufhörte, ging man wieder nach hinten“, erinnert sich Heiser an die Freiluft-Anfänge, die auch noch ohne besonders gesicherte Backstage-Bereiche auskamen. „Viele Musiker mischten sich unters Publikum. Allerdings gab es damals auch kaum Autogrammjäger. Die Künstler wurden in Frieden gelassen.“

Die Bands sind es, die Günter Heiser auch heute noch auf Festivals treiben. „Ich verstehe gar nicht, wie es manche Menschen an sich toll finden können, wenn das Wetter schlecht ist, man in Gummistiefeln im Matsch steht, astronomische Preise für die Verpflegung ausgeben muss, um dann im Gegenzug vor den Dixi-Klos in der Schlange zu stehen.“

Und seine Lieblingsfestivals? „Ganz vorne Wacken. Weil da meine Bands spielen, aber auch, weil dort alles sehr kumpelhaft abläuft, „sogar mit den Security-Leuten und der Polizei“. Und seine Entdeckung in jüngster Zeit: „Die Loreley. Das Gelände dort ist klasse. In diesem Amphitheater sieht man überall bestens, und der Sound wird sogar noch besser, je weiter man von der Bühne weg sitzt.“ Denn eines will Heiser nicht mehr: „Irgendwo auf einem Riesengelände zu stehen, nur auf  Videoleinwände zu starren, um dann miesen Sound zu hören.“

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Festival heißt Camping: Dutzende Bands, jede Menge Menschen, ein Wochenende lang outdoor. Ein Open-Air-Festival ist vor allem eins: ein Campingtrip unter erschwerten Bedingungen. Deshalb ist die richtige Ausrüstung wichtig und sorgt auch für mehr Spaß.

Grundausrüstung
- Festivalticket
- Zelt
- Schlafsack
- Isomatte (der Festival-Profi greift natürlich zum Feldbett)
-Zahnbürste und Zahncreme
- Sonnencreme (!)
- Toilettenpapier
- Grill und/oder Gaskocher
mit entsprechender Verpflegung
- Gummistiefel
- Sandalen
- Gaffa Tape

Nice-to-have (aber eigentlich unverzichtbar)
- Pavillon
- Campingstuhl
- Campingtisch
- Taschenlampe
- Gummihammer (für ausgetrocknete Böden)
- fluoreszierende Heringe
- Teller, Becher, Besteck
- Flagge (zum Anbringen am Pavillon, um das eigene Camp unter Tausenden von Zelten wiederzufinden)
- zusammenklappbare Stehhilfe
- Fernglas
- Leatherman-Werkzeug

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