Schwesta Ewa: "Die Zeit als Prostituierte bereue ich nicht"

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Prostitution, Straßenstrich und unangenehmen Freier - das ist alles Geschichte. Nachdem Rapperin Schwesta Ewa (30, "Emo") vor zwei Jahren das Mixtape "Realität" veröffentlicht hat, bringt sie jetzt ihr Debütalbum "Kurwa" auf den Markt und thematisiert mit unverblümten Texten ihre Vergangenheit als Prostituierte. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt die gebürtige Polin, wieso sie immer noch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat.

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Wieso der Name "Kurwa" für das neue Album?

Schwesta Ewa: Schon alleine, weil ich dieses Wort so oft sage - jeder der mich kennt weiß, dass nach jedem zweiten Satz ein "Kurwa" kommt. Außerdem heißt "Kurwa" auf Polnisch Nutte oder Schlampe und das passt ja auch zu mir.

In welcher Weise unterscheidet sich das Album zum letzten Mixtape?

Schwesta Ewa: Ich sehe eine sehr starke Entwicklung und das Feedback bestätigt mich auch. Gerade, was meinen Flow und die Rap-Texte betrifft, habe ich mich stark weiterentwickelt. Man sieht aber auch viele Parallelen, da ich immer noch das Rotlicht-Business thematisiere. Dort habe ich auch einfach viel zu viel gesehen und erlebt und möchte auch noch viele Geschichten erzählen.

Wieso ist Ihnen so wichtig, dass Ihre Fans über Ihre Vergangenheit als Prostituierte Bescheid wissen?

Schwesta Ewa: Mir ist es nicht so wichtig, dass die Leute darüber Bescheid wissen - für mich ist es eher eine Art Therapie. Ich muss einfach rauslassen, was mir alles widerfahren ist. Ich fühle mich einfach besser, nachdem ich es zu Papier gebracht habe. Das ganz zu verarbeiten geht nicht, aber es bringt mich ein Stück weiter und ich kann wieder aufatmen.

Bereuen Sie die Zeit als Prostituierte?

Schwesta Ewa: Nein, ich bereue gar nichts. Natürlich war vieles negativ. Ich habe zehn Jahre lang nur Scheiße gefressen und es sind schreckliche Sachen passiert. Aber ich kann mich nicht beklagen, weil ich das alles gemacht habe, um Geld zu verdienen, und das hat auch geklappt: Ich habe Geld ohne Ende verdient. Außerdem hat mich auch keiner gezwungen, ich wollte damals selber nicht aufhören. Deswegen kann ich nicht ausschließlich Negatives berichten. Für mich war das Geld - wie für die meisten Mädels - das Wichtigste. Und das hat einfach gestimmt, da hat man dann einfach weiter gemacht...

Ist es schwer als Frau im Rap-Business? Oder hat das auch seine Vorteile?

Schwesta Ewa: Vorteile hat man überhaupt nicht - hinzu kommt noch meine Vergangenheit, durch die habe ich noch mehr Nachteile. Zurzeit habe ich zwar ein Monopol in meinem Business, aber es ist dennoch sehr schwer - mir liegen einfach viele Steine im Weg. Die meisten nehmen eine Frau nicht ernst, wenn es um Rap geht. Aber umso mehr freue ich mich, dass ich in dieser Szene immer mehr Anerkennung bekomme - ich bin einfach eine eigene Spezies. Ich hätte das auch niemals so erwartet und bin sehr stolz darauf.

Auf Facebook kommentieren die User rege - positiv und negativ...

Schwesta Ewa: Ich glaube, kaum ein anderer Künstler hat so viele Hass-Kommentare wie ich. Ich könnte auch einfach eine Blume posten und den Menschen einen schönen Abend wünschen, und es wären wahrscheinlich 90 von 100 Kommentaren negativ. Ich würde lügen, wenn ich sage, mich hätte es anfangs nicht gestört, denn natürlich hat es wehgetan. Aber mittlerweile nehme ich das Ganze mit Humor. Ich lese mir oft die Kommentare durch und wenn mich dann jemand auf das Übelste beleidigt, drücke ich einfach auf "Gefällt mir".

Sehen Sie Facebook auch als Chance?

Schwesta Ewa: Also ohne Facebook geht es wahrscheinlich gar nicht. Wenn ich etwas teile, erreicht es direkt Tausende von Leuten - ich glaube, ohne Facebook wäre ich nicht so weit wie ich jetzt bin.

Was wollen Sie mit Ihrer Musik erreichen, abgesehen vom kommerziellen Erfolg?

Schwesta Ewa: Ich möchte einfach qualitativ gute Musik machen, mit qualitativ hochwertigen Beats und gutem Sprechgesang.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Schwesta Ewa: Das frage ich mich auch oft. Auf jeden Fall nicht zurück auf dem Straßenstrich. Ich bin sehr realistisch und glaube nicht, dass ich ein Mega-Star werde - man sollte schon auf dem Teppich bleiben. Wenn es mit der Musik nicht klappt, mache ich vielleicht ein Solarium auf, denn ich bin ja selber so ein Solarium-Junkie. Vielleicht bin ich in zehn Jahren diese typische, dunkel gebräunte alte Frau, die hinter der Solarium-Theke steht.

Wie sieht es mit der Familienplanung aus?

Schwesta Ewa: Erstmal versuche ich, meinen Weg zu gehen und zwar mit der Musik. Natürlich würde ich irgendwann gerne Kinder haben, aber ich bin 30 und möchte erstmal noch mindesten fünf Jahre lang Vollgas geben und mit meiner Musik vorankommen.

Wie haben Sie Weihnachten gefeiert?

Schwesta Ewa: Weihnachten habe ich jahrelang nicht gefeiert, denn der Puff war immer total überfüllt. Wenn ich diese drei Tage frei gemacht hätte, um mit meiner Familie zu feiern, hätte ich auf unglaublich viel Geld verzichtet - dazu war ich einfach zu geizig. Obwohl ich jetzt schon seit drei Jahren Musikerin bin, feiere ich es trotzdem nicht mehr. Die Weihnachtsstimmung ist irgendwie erloschen.

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