Respekt! Gut gehalten – Über Promis und das Älterwerden

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Lange leben will jeder Mensch – alt sein keiner. Entscheidend ist der Umgang mit dem Älterwerden. Wir haben einige Prominente ausgesucht, die sich erstaunlich gut gehalten haben oder auf besondere Weise gealtert sind. Sie sind nach wie vor aktiv, stehen seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit, erfüllen wichtige Aufgaben oder leben einfach ihre Leidenschaft. Redaktionsmitglieder beschreiben auf dieser Seite, warum sie diese Menschen besonders schätzen.

Eigentlich hat Sean Connery (87) sein halbes Leben damit verbracht, nicht James Bond zu sein. 1967, 1971 und 1983 spielte er den Agenten jeweils zum „letzten“ Mal. Danach hatte der Schotte eine tolle Nicht-Bond-Karriere. Nur, dass er für die meisten Menschen 007 blieb, nervte ihn. Und doch macht er im Laufe der Zeit seinen Frieden mit Bonds langem Schatten. Als er in diesem Sommer, kurz nach seinem Geburtstag, bei den US Open zum Tennisschauen kam, erklang was? Das Bond-Thema. Connery wurde mit Standing Ovations gefeiert – und lächelte.
Magdi Aboul-Kheir (50)

Der Titel „schönste Oma Deutschlands“, den ihr der Kölner Express vor zwei Jahren verliehen hat, ist zwar etwas schnodderig. Aber natürlich ist was dran: Iris Berben (67) sieht noch verdammt gut aus – trotzdem hat es die Schauspielerin nicht nötig, das mit entsprechenden Rollen zu betonen. In ihrem neusten Film „High Society“ spielt sie eine wenig sympathische, luxusliebende Mutter. Offenbar nimmt die gebürtige Detmolderin das Altern locker: „Ich bin stolz darauf, wenn ich Oma genannt werde.“, verkündete Berben letztes Jahr, gibt aber auch zu, dasssie in ihr Aussehen investieren muss: „Mein Badezimmer gleicht einer Werkstatt. Auf sämtlichen Tiegeln steht ‚repair‘.“ Nicht nur Berbens Ehrlichkeit macht sie sympathisch, auch ihre Haltung beeindruckt: Seit Jahren engagiert sie sich gegen Fremdenhass und wurde dafür 2002 vom Zentralrat der Juden mit dem Leo-Baeck-Preis geehrt.
Rebecca Jacob (25)

Wie Gesine Schwan (74) altert, ob sie Ängste hat oder nicht, weiß ich nicht. Doch wann immer der krause Haarschopf am TV-Bildschirm auftaucht, denke ich: Respekt. Die Politologin und ehemalige Präsidentin der Humboldt-Universität in Frankfurt/Oder weiß noch immer Kluges zu sagen. Kontroversen scheut sie nicht. Diese innere Freiheit, die Respekt gegenüber dem Anderen kennt, aber keine Furcht, ist auch eine Frucht des Alters. Und ganz gewiss keine schlechte.
Elisabeth Zoll (53)

Kaum zu glauben: Die meisten Briten haben nie eine Zeit erlebt, in der Elizabeth II. (91) nicht die Queen war. Die alte Dame ist eine Powerfrau der Superlative: Sie ist mit 65 Jahren auf dem Thron die am längsten amtierende Monarchin der Welt, seit fast 70 Jahren ist sie verheiratet mit Prinz Philip, und mit 91 Jahren verschmäht sie ein gemütliches Rentnerleben mit ihren Corgies und Pferden. Stattdessen arbeitet sie jährlich hunderte Termine ab und hält wohl den niemals einzuholenden Rekord im Handshake-Smalltalk.
Ich finde, die Queen ist echt tough. Sie hat ihre Familie und die Briten durch Kriege und Krisen geführt, stets mit Ruhe und Würde. Der einzige Lohn neben einem Leben in Luxus, aber ohne viel Freizeit: Die Briten lieben sie.
Bewundernswert, wie sie das Altern und ihre Lebensaufgabe als Einheit versteht und dies ohne viel Aufhebens durchzieht. Ob ihr der Job Spaß macht? Keiner weiß das. Aber man mag es glauben, wenn trotz der meist staatstragenden Miene in ihren Augen zuweilen ein mädchenhafter Schalk aufblitzt.
Sven Kaufmann (51)

Das „biblische Alter“ von 70 Jahren wollte Keith Richards (73) gar nicht unbedingt erreichen. Als der Gitarrist der Rolling Stones das sagte, war er 28. Und ist seither das Thema „Altern“ ähnlich laid-backentspannt angegangen wie sein Gitarrenspiel. Den gesunden Lebensstil überlässt er seinem Band-Kollegen Mick Jagger und nähert sich in bester cool-trotziger Rock’n’ Roll-Attitüde seinem 74. Geburtstag.
Die Drogen hätten an ihm resigniert, sagt er. Oder er wusste eben trotz aller Exzesse, wann genug ist. Schließlich zeigt er auch auf der Gitarre, dass weniger mehr ist. Minutenlange Soli? Braucht er nicht. Fünf verschiedene Riffs in einem Song? Auch nicht. Ihm reichen sogar fünf Saiten. Trotzdem ist spätestens beim zweiten Anschlag klar, dass es sich um die Stones handelt. Unverwechselbar wie seine Riffs ist auch Keith. Und eben einfach eine coole Socke. Dass er einst eigenhändig Donald Trump aus einem Stones-Konzert werfen wollte, macht ihn noch sympathischer.
Yasemin Gürtanyel (40)

Tierschützerinnen haben im Alter ja oft so was entsetzlich Verbissenes und Verhärmtes wie Brigitte Bardot (82). Oder sie leben weltabgewandt mit einem Haufen Hunde zusammen wie Doris Day (95). Ganz anders Jane Goodall (83): Die Affenforscherin, die uns unsere nächsten Verwandten so nahe gebracht hat wie niemand zuvor, tat dies ohne akademische Vorbildung mit unverstelltem Blick – und war wohl gerade deshalb so erfolgreich. „Ich bin keine Wissenschaftlerin, ich wollte keine Wissenschaftlerin sein“, sagt sie, „ich wollte einfach etwas über Schimpansen wissen“.
Mit schlohweißem Haar und wachem Blick steht die Britin noch heute aufrecht im Leben, reist um die Welt und wirbt mit bewundernswerter Ausdauer für den Schutz von Schimpansen. Dank ihrer klugen Erkenntnis, dass Vermenschlichung und Verklärung Wildtieren wenig hilft, hat Goodall wohl so viel für deren Erhaltung getan, wie es einem Einzelnen eben möglich ist – und ist dabei selbst immer Mensch geblieben.
Gudrun Sokol (49)

Eine Frau, ein Wort: Respect. So heißt Aretha Frank­lins (75) wohl berühmtester Song, und auf dieses Wort lässt sich die Botschaft der Queen of Soul bringen. Mit dem Otis-Redding-Cover schenkte sie der Bürgerrechtsbewegung der 60er eine Hymne, und wer das Lied heute hört, der spürt, worum es geht: um Respekt vor Afroamerikanern, vor verdammt nochmal allen Minderheiten und vor der größten „Minderheit“ – den Frauen. Zumal vor so einer. Aretha Franklin ist eine, die sich im Pelzmantel ans Piano setzt und Barack Obama zu Tränen rührt. Unzählige Platten hat sie verkauft, unzählige Preise hat sie gewonnen. Doch um eine Diva zu sein, hat sie mal gesagt, müsse man auch einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Aretha Franklins Beitrag ist eine musikalische Message, die man so manchem weißen Mann in den USA und anderswo gar nicht laut genug in die Ohren singen kann: „Think!!“ 
Lena Grundhuber (39)

Durch und durch Mann. Knochentrocken. Cool. Hätte es das Wort  nicht schon gegeben, es wäre für Clint Eastwood (87) erfunden worden – spätestens in seiner Rolle als namenloser Fremder im Spaghetti-Western „Für eine Handvoll Dollar“. Zigarillo im Mundwinkel, Poncho im Wind und ein Funke „Wirklich wichtig ist das nicht“ in den Augen. Heute ist das Gesicht des Regisseurs faltig, aber dennoch fast alterslos, der Blick hell und knorrig wie immer. „Nicht zu viel über sich nachdenken“, ist Eastwoods Tipp fürs Leben. So geht cool!
Irmi Städele (53)

Was soll einen Menschen noch beeindrucken, nachdem er ins Weltall geschossen wurde und die Erde von dort oben gesehen hat? Wie behält er seine Neugier? Diese Fragen wollte ich Ernst Messerschmid (72) unbedingt stellen, als ich den emeritierten Professor 2016 in seinem Büro am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart traf. Der gebürtige Reutlinger hatte sich vom Klempnergesellen zum Forscher und Astronauten hochgearbeitet und war 1985 als erster Baden-Württemberger im Weltraum. Messerschmids Antwort war so einfach wie überzeugend. „Die Neugier“, sagte er, „konzentriert sich auf Fragen, auf die man keine Antwort weiß“, auf unbekanntes Terrain, das im All wie im Alltag liegen kann. Und Expeditionen in die „Terra incognita“ könnten unglaublich beeindruckend sein. Wer mit dieser Einstellung alt wird, dachte ich beim Gehen, bewahrt sich offensichtlich das Funkeln in den Augen.
Andreas Clasen (38)

Klar, sie war auch mal jung und schön. Jetzt ist Helen Mirren (72) nicht mehr jung, aber immer noch schön – trotz oder vielleicht gerade wegen der Falten und Lebensspuren, die im Lauf der Jahre dazugekommen sind. Die Schauspielerin beherrscht ihr Metier: als Auftragskillerin, frivoles Kalender Girl oder würdevolle Queen. Auch im echten Leben weiß sie sich durchzusetzen und ist stolz darauf, „ihre eigene Herrin mit Geld und Gut“ zu sein. Gleichberechtigung ist ihr ein Anliegen, für das sie mit deutlichen Worten kämpft – nicht als verbissene Emanze, sondern mit dem fröhlichen Selbstbewusstsein einer Frau, die gelernt hat, sexistischen Sprüchen und herablassenden Vorurteilen den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Aging“ mit Biss hält jünger als „Anti­-Aging“.
Monika Höna (59)

Dass das Schalker Publikum nicht gerade freundlich mit manchem Spieler oder Trainer umspringt, ist ja hinreichend bekannt. Doch sein offizieller „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens (63) ist nicht nur den Gelsenkirchenern in bester Erinnerung. Trotz seines großen Namens ist er sich und seiner Heimat treu geblieben: Als sein Heimatclub Roda Kerkrade im Mai vor dem Abstieg aus der niederländischen Eredivisie stand, war Stevens zur Stelle – jedoch nicht als Cheftrainer, sondern als Mitglied des technischen Betreuerstabes. Seinem Ruf als „Feuerwehrmann“ machte er dabei alle Ehre: Im zweiten Relegationsspiel gegen Maas­­tricht sicherte sich Kerkrade den Klassenerhalt.
Henri Gallbronner (17)

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