Catania: Fototapete mit Wirkung

Catania, die schwarze Schöne im Schatten des Vulkans, lebt mit der ständigen Bedrohung und profitiert gleichzeitig vom Ätna und seinen steinernen Schätzen.

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Als gute Catanierin schaue ich jeden Morgen als Erstes in Richtung Ätna. Dieses Ritual ist Teil meiner DNA, so wie für andere das Morgengebet.“ Sara di Mauro hat den Respekt für den Ätna von ihren Eltern mitbekommen. Und die Liebe zu Catania ebenfalls. „Die Stadt im Osten Siziliens ist ganz speziell“, findet sie.

Der Ätna ist in Catania allgegenwärtig. Als dominanter Koloss hinter der Silhouette der Stadt, wenn man sich an klaren Tagen vom Meer aus nähert. Als schwarze Überreste erkalteter Lavaströme entlang der ehemaligen Stadtmauer oder am Castello Ursino. Am Lavastrand, der sich von der Piazza Europa aus nach Norden erstreckt. Oder als beliebtes Baumaterial, dessen Lavaschwarz Catania einen unverwechselbaren Charme verleiht.

Auf der Piazza del Duomo - Herzstück der Stadt und Paradebeispiel für den catanesischen Stil - wird dieser Charme in seinem schwarz-weißen, spätbarocken Prunk besonders deutlich. Was auf den ersten Blick wirkt wie verschmutzte Fassaden, entpuppt sich als catanesische Besonderheit. Lavaschwarz gefärbter Putz, der sich mit dekorativen Elementen aus weißem Kalkstein abwechselt.

„Ich mag das Schwarz der Gebäude in Catania sehr“, erklärt Fremdenführerin Enza Licciardi und bemängelt, dass es Tendenzen gebe, im Zuge von Renovierungen Fassaden und Kuppeln einheitlich weiß zu gestalten. „Das zerstört das Typische der Stadt“, sagt sie und zeigt auf die Kuppel der Badia Sant’Agata und ein Nachbargebäude. Beide erstrahlen in frischem Weiß und wirken fehl am Platz.

Catania definiert sich durch seine Nähe zum Ätna und damit auch durch die Verwendung von Basalt als im Überfluss vorhandenes Baumaterial. Was in Außenbezirken durch Asphaltschichten überdeckt wurde, ist im historischen Stadtkern noch fast flächendeckend: Die schwarzen Basalt-Pflastersteine, die sich bei Regen in spiegelnde und häufig spiegelglatte Oberflächen verwandeln. Vor Jahren waren die „scalpellini“ in Catania noch eine stark vertretene Berufsgruppe. Steinmetze, die sich darauf spezialisiert hatten, abgelaufene Pflastersteine durch kleine Kerben wieder griffig zu machen. Wer sich in Catania auf die Suche nach dem Bezug zum Ätna, dem höchsten aktiven Vulkan Europas, macht, wird allenthalben fündig. Rund um die Via Plebiscito, dort wo einst die Stadtmauer verlief, sind ganze Häuserzüge auf einem erkalteten Lavastrom erbaut. Der floss beim Ausbruch des Ätna von 1669 - dem einzigen, bei dem die Lava bis nach Catania kam - an der Stadtmauer vorbei bis ins Meer und verbreiterte dabei die Küste. Das Castello Ursino, einst direkt am Meer gelegen, findet sich heute rund einen Kilometer weit im Landesinneren. Der ehemalige Burggraben ist zu Teilen mit Lava aufgefüllt.

Überwachung rund um die Uhr

Ein Gemälde von Giacinto Platania, in der Sakristei des Doms von Catania, zeigt anschaulich den Verlauf des Lavastroms von 1669. Boris Behncke, Vulkanologe am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Catania, nimmt das Gemälde gerne als Beweis, um mit der häufig verbreiteten Falschinformation aufzuräumen, beim Ausbruch von 1669 wäre Catania großräumig zerstört worden. „Das stimmt nicht“, so Behncke. Wie das Gemälde zeige, sei die Lava von der Stadtmauer umgeleitet worden und habe nur wenig Schaden angerichtet. Rund um die Uhr wird der Vulkan überwacht. Und gegebenenfalls wird eingeschritten. Wie beim nächtlichen Ausbruch Ende April, als der Wind Asche aufs Meer wehte und Behncke anordnete, den Flugkorridor zum Flughafen Catania zu sperren.

Catania sei eng mit dem Ätna verbunden, findet Behncke, den seine Leidenschaft für Vulkane im Allgemeinen und für den Ätna im Besonderen ans Institut für Geophysik und Vulkanologie nach Catania verschlug. Umso interessanter sei, dass große Teile der Bevölkerung den Vulkan eher als eine Art Panoramatapete wahrnehmen würden. Eine Panoramatapete mit Wirkung allerdings, die das Erscheinungsbild Catanias nachhaltig verändert hat. So sei beispielsweise der beim Ausbruch des Ätna von 1669 ins Meer geflossene Lavastrom dafür verantwortlich, dass Catania heute über den längsten Sandstrand Siziliens verfügt, erklärt der Vulkanologe Salvo Giammanco. Der Lavastrom habe nämlich wie eine Art natürlicher Damm gewirkt, so dass sich südlich des heutigen Hafens der über 30 Kilometer lange Playa di Catania bilden konnte: Wem nicht nach Sandstrand zumute ist, der kann im Ortsteil San Giovanni Li Cuti an den Lavaklippen baden, einem Strand mit großen, runden Lavasteinen. Der Name leite sich von cuti lisci ab, was im Dialekt so viel wie abgeschliffene Steine bedeute, erzählt Fremdenführerin Enza Licciardi bei einer Granita di Limone. Das körnige Zitronensorbet stammt aus den Zeiten, als die Araber in den Höhlen auf dem Ätna Schnee speicherten. Den trugen sie im Sommer nach Catania und mischten ihn mit Zitrone und Zucker zu einer kühlen Erfrischung. Mit Brioche zusammen das typische Frühstück. So kommt der Ätna indirekt bis auf den Frühstückstisch.

Anreise
Flug z. B. mit Eurowings von Stuttgart nach
Catania, www.eurowings.com

Unterkunft
Hotel Royal: Jacuzzi und Sonnenbad über den Dächern Catanias, DZ ab 100 Euro.
www.hotelroyalcatania.it

Allgemeine Informationen
Enza Licciardi,
deutschsprachige Fremdenführerin,
E-Mail: enza.licciardi@katamail.com
Tourismusbüro Catania
turismo.provincia.ct.it/

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