Wachgeküsst

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    Durch die vielen weißen Fassaden und Dächer ist das Licht in Cádiz besonders intensiv. Foto: 
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Juan Antonio hat es immer griffbereit - das Smartphone, auf dem er jederzeit die unvergessliche Szene aus dem James Bond 007 „Stirb an einem anderen Tag“ abspielen kann: Halle Berry, die als NS-Agentin Jinx im orangefarbenen Bikini aus dem Wasser steigt und Pierce Brosnan entgegenkommt, im Hintergrund die Mole von Havanna. Havanna? Das soll es sein. In Wirklichkeit ist es der Strand von Cádiz mit einer der typischen Festungen. Jahre ist es her, dass die Stadt am Atlantik zur Filmkulisse wurde. Aber der Guide bemüht die Youtube-Sequenz immer wieder - als könnte er nur so Besucher von seiner Heimat überzeugen.

Dabei braucht man doch nur die Augen aufzumachen - um sie schnell wieder zu schließen. Denn das Licht, das die weißen Fassaden und Dächer beleuchtet, ist so intensiv, dass es wehtut. Auf den zweiten Blick entdeckt man die Schönheit der Gebäude. Die vielen Barockkirchen und Stadtpaläste mit ihren verglasten Balkonen, die die Feuchtigkeit vom Meer abhalten sollen. Und die Wachtürme. Über 100 sollen es sein. „Die Bewohner mussten sich ja ständig vor Piraten und anderen Angreifern schützen“, erklärt Juan Antonio. „Außerdem konnte man so schon von Weitem erkennen, welches Schiff gerade in den Hafen einlief.“ Nicht unwichtig für eine Stadt, die so nah am Wasser gebaut ist. Im Altertum soll sie noch aus einem Archipel von Inseln bestanden haben. Heute hängt sie wie eine Faust mit langem Arm am Festland. Ihre Altstadt ist nach wie vor ringsum mit Festungsmauern vom Atlantik abgeschirmt. Nur an einer Stelle, am Strand La Caleta, steht stattdessen eine liebenswerte Badeanstalt im Jugendstil.

Am besten ist das alles von oben zu erkennen, wenn man auf die Torre Tavira steigt. Nicht allein der 360-Grad-Blick aus 46 Meter Höhe auf das weiße Häusermeer ist fantastisch. Oben hat schon vor vielen Jahren eine Camera obscura Google Earth vorweggenommen: Durch ein Spiegelsystem werden bewegte Bilder der Stadt auf eine große Leinwand projiziert. Dabei lassen sich einzelne Dinge nach Belieben heranzoomen. Mal die mächtige neoklassizistische Kathedrale, mal ein Kreuzfahrtschiff oder ahnungslose Passanten, die sich wie Ameisen über die Plaza de Mina bewegen.

Kurz darauf ist man dann selbst wieder mitten unter ihnen. Und es macht Spaß, sich im Gewirr der Gassen zu verlieren. Auch wenn man sich ohne Stadtplan treiben lässt, entdeckt man irgendwann die wichtigsten Kirchen, die Plätze mit ihren Schatten spendenden Baumriesen, die Freidurias, wo es frisch gebratenen Fisch und Meeresfrüchte gibt. Und natürlich die Markthalle. Drinnen werden riesige Thunfische zerlegt, rundherum laden Stände zum Imbiss ein. Sie haben alles Mögliche im Angebot, von frittierten Garnelen bis zu galicischen Eintöpfen. Doch die längsten Schlangen bilden sich an der Tapería de Lula, wo der Teller Paella gerade mal zwei Euro kostet. Während man an den Stehtischen den Reis auf die Gabel schiebt, kommt man schnell mit anderen ins Gespräch. Mit Antonia zum Beispiel, die schon mehrfach aus Almería für ein verlängertes Wochenende hergekommen ist. „Cádiz ist einfach genial“, schwärmt sie.

Tatsächlich macht die Stadt einen unglaublich entspannten Eindruck, genießt sich selbst und schert sich um Besucher nicht sonderlich. Kein Vergleich mit Sevilla oder Granada, die für den Tourismus hochgerüstet sind und diesen als hartes Business betreiben. Cádiz versprüht dagegen nostalgischen Charme. Erst allmählich scheint hier einigen zu dämmern, welche Chance im Tourismus liegen könnte. Jetzt, wo immer mehr Kreuzfahrtschiffe im Hafen anlegen und auch Individualtouristen kommen, um Stadt und Badeurlaub zu kombinieren. „Es fehlt an Beherbergungsbetrieben“, räumt Juan Antonio ein. „Doch so mancher alte Palast könnte sich in eine stilvolle Pension verwandeln.“

Das Potenzial ist vorhanden, handelt es sich doch um die älteste bewohnte Stadt Europas! Dass sie mindestens 3000 Jahre alt ist, beten nicht nur alle Reiseführer her. Es lässt sich auch von unzähligen Gebäuden, Denkmälern und Gedenktafeln ablesen. Ihre Blüte erlebte die Stadt, als sie 1717 das Monopol für den Handel mit Amerika innehatte. Da gönnte sie sich jede Menge Barockkirchen und stolze Paläste. Zuletzt schrieb sie 1812 Geschichte, als hier während der napoleonischen Besatzungszeit die erste spanische Verfassung verabschiedet wurde. Danach versank sie mehr oder weniger in der Bedeutungslosigkeit. Aus der scheint sie langsam zu erwachen. Der richtige Moment, um ihr dabei zuzusehen!

Anreise
Der nächste Flughafen ist Jerez de la Frontera. Ab Frühjahr 2018 gibt es Nonstop-Flüge mit Condor, sonst über Madrid und dann weiter mit dem Zug in ca. 40 Min. nach Cádiz.

Unterkunft
Stadt- und Badeurlaub lässt sich ideal im
komfortablen Parador kombinieren, der in
zeitgenössischem Design am Strand La
Caleta errichtet wurde (www.parador.es, DZ ab 120 Euro). Gegenüber von der Kathedrale
ist das Hotel La Catedral mit spektakulärer Dachterrasse idealer Ausgangspunkt für eine Stadterkundung (www.hotellacatedral.com, DZ ab 70 Euro).

Essen und Trinken
Typisch für Cádiz ist die Freiduria Las Flores
an der Plaza Topete 4, wo man von 9 bis 24 Uhr frisch gebratenen Fisch und Meeresfrüchte auch zum Mitnehmen bekommt. Mittags macht es großen Spaß, an den Ständen hinter der Markthalle zu essen. Eine der nettesten Adressen für den Abend ist die urige Taverne Casa Manteca, Corralón de los Carros 66, die sehr gute Tapas und Weine im Angebot hat.

Meer und Strände
Schön ist es, einmal am Meer entlang das
Zentrum zu umkreisen. Neben den alten
Festungen liegt dort auch der Strand La Caleta mit einer denkmalgeschützten Badeanstalt
im Jugendstil.

Allgemeine Informationen
www.cadizturismo.com
www.andalucia.org

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