Auf die Spitze getrieben

|
Vorherige Inhalte
  • Ein Stülpner auf Burg Scharfenstein in voller Montur. 1/2
    Ein Stülpner auf Burg Scharfenstein in voller Montur. Foto: 
  • Karte 2/2
    Karte Foto: 
Nächste Inhalte

Schon von Weitem ist Burg Schönfels ein Hingucker. Kompakt und gedrungen, mit alles überragendem Bergfried im Zentrum, thront sie seit gut 800 Jahren weithin sichtbar über Feldern, Wiesen und Wäldchen. Ein trutziges Markenzeichen der Herrschaft von Rittern und Vögten, die im Auftrag des Kaisers seinerzeit das nach ihnen benannte Vogtland regierten. Einmalig an Schönfels: Selten blieb der typische Aufbau einer klassischen Burg mit umlaufendem Wall und Graben, mit Vor-, Unter- und Kernburg derart geschlossen und ursprünglich bewahrt wie hier - die mittelalterliche Wehranlage präsentiert sich unverfälscht und frei von jeglichem stilistischen Schnickschnack späterer Epochen. Auch im Inneren blieb einiges so, wie es die Herren von Weißenbach im 16. Jahrhundert zwecks komfortablerem Wohnen umgemodelt hatten. Eine original erhaltene beheizbare Kemenate mit bemalten Holzbohlen zum Beispiel. Oder die spätgotische Burgkapelle mit reich verzierter Kanzel, Renaissance-Flügelaltar und einer hinreißenden Miniorgel mit hölzernem Pfeifenwerk, die noch heute Hochzeitspaare erfreut. Weiter ins Erzgebirge. Auch Burg Scharfenstein hat fast 800 Jahre auf dem steinalten Buckel - der Bergfried zumindest stammt noch von jener Ur-Burg, die um 1250 hochgezogen wurde, kurz nachdem man in der Region Silbererz gefunden hatte. Scharfenstein ist damit einer der ältesten Herrschaftssitze Sachsens. Und: Wie nirgendwo sonst bündeln sich hier Magie und Mythos des Erzgebirges. Die erste Krise des Bergbaus um 1650 nämlich überlebten die Erzgebirgler, indem sie Holzfiguren in Heimarbeit herstellten. Woraus eine weltberühmte Tradition erwuchs: Weihnachtsschmuck und Spielzeug. Über die Früchte dieser Kunst lässt sich im örtlichen Museum ausgiebig staunen. Der Welt aus Armut und Überlebenskampf entstammte auch Volksheld Karl Stülpner - ein Wildschütz und Schmuggler, der seiner verhassten Obrigkeit stets eine Nase drehte. Während der dramatischen sozialen Umbrüche am Ende des 18. Jahrhunderts wurde er zur Projektionsfigur für einfache Leute, die sein rastloses Wildererdasein zum Abenteuerepos verklärten. Ins Leben dieses sächsischen Robin Hood kann man auf Scharfenstein eintauchen - bestens illustriert durch Ausschnitte aus der Stülpner-Serie des DDR-Fernsehens mit Manfred Krug in der Hauptrolle.

Auf halber Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig liegt die dritte Station: Gnandstein. Eine Burg wie aus dem Bilderbuch und zugleich Sachsens besterhaltene romanische Wehranlage. Vom späten 14. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges durchgehend bewohnt von nur einer einzigen Adelsfamilie, weht hier trotz aller Umbauten der Geist uralter Zeiten kräftig durch Gewölbe und Gemäuer. Bergfried, Zwinger, Zinnen, Palas, Schildmauer - die Ritterburg hoch über dem Flüsschen Wyhra ist der steingewordene Traum aller Mittelalterfreunde. Auch die spätgotische Burgkapelle mit drei prächtigen und kostbaren Schnitzaltären verkörpert mediävales Flair in Reinkultur.

Nächster Stopp: Burg Mildenstein in Leisnig, hoch über der Freiberger Mulde. 1046 bereits erstmals urkundlich erwähnt, hielten hier die Salierkönige Hof, die Staufer unter Friedrich Barbarossa und später die wettinischen Markgrafen. Unter ihnen wurde Mildenstein Gerichtshof und berüchtigtes Gefängnis, woran noch immer vielfach verriegelbare Türen sowie diverse Folterinstrumente und Schandzeichen erinnern.

Die umfangreiche Ausstellung inklusive anschaulichen Animationsfilms führt durch die lange Baugeschichte der Burg und vermittelt teils drastische Einblicke in das mittelalterliche Amts- und Rechtswesen.

Wenn Flößer in alten Zeiten die steile Klippe von Kriebstein erreichten, schlugen sie für gewöhnlich ein Kreuz - ab hier war die wilde Zschopau halbwegs gezähmt und die Reise einigermaßen sicher. Den Landgänger schlägt damals wie heute dieser Anblick eher in Bann - so atemberaubend dramatisch umklammert Sachsens schönste Ritterburg die äußerste Spitze des schroffen Granitklotzes überm Fluss und seinem Wasserfall.

Einmalig bereits der 45 Meter hohe Wohnturm mit seinen sechs Dacherkern, der dem ersten Besitzer Dietrich von Bärwalde vor über 600 Jahren als rustikaler Wohnsitz diente und über 30-mal den Besitzer wechselte - der letzte, Familie von Arnim, wurde 1945 enteignet. Auch in den geheimnisvollen Gewölben und Gemächern von Burg Kriebstein ist manche Rarität zu bewundern: die Burgkapelle von 1410 etwa mit wunderbaren Marien- und Heiligenszenen.

Burgen
Schönfels:
Geöffnet täglich außer Montag und Freitag
10 bis 17 Uhr, Eintritt 3 Euro
Erwachsene, 1 Euro Kinder,
www.burg-schoenfels.de
Scharfenstein:
Täglich außer Montag 10 bis 17 Uhr,
Eintritt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro,
www.die-sehenswerten-drei.de
Gnandstein:
19. März bis 31. Oktober 10 bis 17 Uhr,
Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr,
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro,
www.burg-museum-gnandstein.de
Mildenstein:
März bis November täglich außer Montag
10 bis 17 Uhr, Eintritt: 5 Euro, ermäßigt
2,50 Euro, www.burg-mildenstein.de
Kriebstein:
Februar bis Oktober, täglich außer Montag
10 bis 17 Uhr, November nur Samstag und Sonntag, Eintritt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro,
www.burg-kriebstein.eu

Aktivitäten und Veranstaltungen
Für Kinder sind Burgen Abenteuerspielplätze. Die Programme für Kinder und Familien sowie Details zu Führungen, Hochzeiten und Ausstellungen sind auf den Webseiten zu finden.

Schlösserlandkarte
Mit dieser Karte erhält man unter anderem freien Eintritt in über 40 Schlösser, Burgen, Klöster und Gärten im Freistaat; Preis: 20 Euro, gültig für 10 Tage. Online-Bestellung, weitere Informationen und Broschüren unter
www.schloesserland-sachsen.de

Allgemeine Informationen
www.sachsen-tourismus.de

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wahl: Ulm kann Vorbild einer Jamaika-Koalition sein

Das mögliche Zusammengehen von CDU, FDP und Grünen in Berlin, allgemein Jamaika-Koalition genannt, beschäftigt auch die Ulmer Parteien. weiter lesen