Olli Schulz: Jetzt mal im Ernst

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Das neue Album "Feelings Aus Der Asche"  Foto: 

Das Beste, was Olli Schulz passieren konnte, war das Fernsehen. Und andersrum. Welch schöne Momente er der deutschen Medienlandschaft in den letzten Jahren beschert hat: von absurdem Blödeltum (als Sidekick von Joko und Klaas) über authentische Wutausbrüche (bei Roche und Böhmermann), unterhaltsamen Alkoholkonsum (als Charles Schulzkowski) bis zur in aller Öffentlichkeit keimenden Männerfreundschaft mit Jan Böhmermann (bei "Sanft und Sorgfältig").

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Was haben wir gelacht. Und Olli in unsere imaginäre Mitte geschlossen als den authentischsten TV-Kumpel, den wir niemals hatten. Ihm selbst aber war das alles schnell zu blöd. Auf dem bisherigen Höhepunkt seiner TV-Karriere, nämlich gerade als seine eigene Sendung "Schulz In the Box" für den deutschen Fernsehpreis nominiert wurde, reichte es ihm. Das Fernsehen muss jetzt erst mal ohne ihn auskommen.

Ironischer weise war Fernsehen auch das Beste, was seiner Musik-Karriere passieren konnte. Die ganzen Faxen vor der Kamera haben nämlich dazu geführt, dass Schulz es am Mikrofon nun melancholisch angehen lässt: "Ich hab jetzt so viel Spaß-Kram gemacht, dass ich Lust hatte, ne ernste Platte zu machen." Zudem kennen ihn mittlerweile ein paar mehr Menschen, die jetzt rausfinden dürfen, dass der Platten-Olli ein bisschen nachdenklicher ist als der TV-Olli. Das war schon so, als er noch mit dem Hund Marie musizierte. Sein neues, sechstes Studioalbum "Feelings Aus Der Asche" aber ist nun noch ein bisschen grüblerischer geworden. Und vermutlich intimer als jeder öffentliche Wutausbruch.

Auch wenn selbst durch die Boxen der Kumpel durchkommt, denn irgendwie ist "Feelings Aus Der Asche" auch eine verständnisvolle Schulter zum Anlehnen - für wilde Partygirls ("Phase"), zerstrittene Paare ("Kinder Der Sonne"), einsame Männer ("Mann Im Regen") oder musikliebende Papas ("Als Musik Noch Richtig Gross War"). Karibisch angehauchte gute Laune, sowas wie Sprechgesang zu groovigem Bass, taumelnd-gruselige Seemanns-Songs, Tarantino-Gitarren, psychedelische Piano-Töne und ätherische Elfengesänge zum sentimentalen Finale - so ein breites Soundspektrum hat es auch noch nie auf einer Schulz-Platte gegeben. Wir müssen vielleicht erst mal ohne Schulz' Gesicht auskommen - dafür kriegen wir seine Stimme zurück.

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