Von Katzen und Äpfeln beim Essen

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Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund  Foto: 

In Sachen Essen sind wir alle Schüler. Nicht in dem, was, sondern wie wir essen. Der wahre Könner des guten Benehmens zeigt sich in Details. Besser essen, das wünscht sich Frauke (34) von ihrem Partner Björn (36). „Du isst wie ein Bauer!“

„Es fängt bei der korrekten Sitzhaltung an“, sagt Linda Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft. Womit wir bei Katzen und Äpfeln wären. Björn nämlich, klagt Frauke, lümmelt sich im Restaurant oder bei Freunden immer in den Stuhl, auch während des Essens. Richtig geht so: Zwischen Tischkante und essendem Björn sollte der Abstand einer „gemütlich im Schoß liegenden Katze“ sein, sagt die Benimm-Trainerin. Man hört Frauke richtig schnurren vor Freude, wenn sie ihrem Partner künftig gegenüber sitzt. Und zwischen Rücken und Stuhllehne empfiehlt das Knigge-Maß einen mittelgroßen Apfel. Diese Abstände erzwingen geradezu eine aufrechte Sitzhaltung, denn sonst müsste Björn sich noch weiter und tiefer als bisher in Richtung seines Suppentellers beugen. Wer es ganz genau wissen möchte, hier noch Apfel und Katze in knallharten Zahlen: 17,4 Zentimeter vom Bauch bis zur Tischkante und 11,5 Zentimeter zwischen Rücken und Stuhllehne. Niemand muss deshalb ein Lineal im Restaurant auspacken (oder Äpfel). Zuhause üben reicht völlig, und kein Kellner nimmt heimlich Maß und schaut sich den Abstand zwischen Bauch und Tisch an, wenn er den Wein bringt. Und kein Tischnachbar wundert sich über die viel zu kleine imaginäre Katze auf Ihrem Schoß. Es ist schon wohltuend, wenn das Gegenüber nicht mit zwei Ellbogen auf dem Esstisch liegt.

Auch Frauke kann noch dazulernen. Denn unterm Tisch gelten gleich strenge Regeln wie darüber. „Die Beine sollten parallel nebeneinander stehen“, sagt die Benimm-Trainerin. Also nichts mit übereinander geschlagenen Frauenbeinen. Fester Stand, auch beim Essen. Für die ganz Genauen: Die Beine haben möglichst im rechten Winkel vom Stuhl auf den Boden zu stehen. Ausstrecken also verboten. Und nein, ums Stuhlbein wickeln ist auch nicht die feine englische Art. Fazit der Knigge-Expertin: „Alles vermeiden, was einen in eine instabile Position bringt.“

Wie so oft, ist auch beim Essen alles verboten, was es bequemer machen würde. Und, liebe Frauke, auch den Schuh musst du dir anziehen: Selbst tief unter dem Tisch niemals die Schuhe ausziehen. Am Esstisch bleiben wir Menschen vollständig angezogen. Von den Füßen bis zum Sakko? Denn das zieht Björn am liebsten aus, wenn er am Tisch sitzt. Sein Motto: Bequemer essen ist besser essen. „Das Sakko lässt man an“, sagt die Benimm-Expertin. Wobei hier Björn leichte Hoffnungen hegen darf. Denn die ranghöchste Person oder der Gastgeber geben den Takt vor. Behält dieser das Sakko an, gilt das auch für die Gäste. Legt er sein Sakko ab, kann auch Björn bequem essen. Mit einer Katze im Schoß und einem Apfel im Rücken. Na dann, guten Appetit.

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