In der Dip- und Messerfalle

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Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund  Foto: 

Liebe geht zwar durch den Magen, aber das Auge isst mit. Auch das der Geliebten. Das merkt Peter (32), der seit kurzem mit Constanze (30) zusammen ist. Über sie würde man sagen, sie stammt „aus gutem Haus“. Das gefällt ihm. Aber wenn die beiden ausgehen, merkt er den feinen Unterschied. Bei all den Gängen im Restaurant weiß er nicht genau, wie alles funktioniert. Und an ihren Blicken sieht er, dass er es nicht ganz richtig macht. Aber sie ist zu höflich, und er traut sich nicht zu fragen.

Jetzt wäre eigentlich Zeit für ein offenes Gespräch zwischen den beiden, in dem sie auch Peters Bemühung loben könnte. Und er ihr Verständnis. Aber erst klären wir mal ein paar Handgriffe am gedeckten Tisch.

Beginnen wir am Anfang, mit den Brötchen, die meist mit Butter und ein paar cremigen Dips serviert werden. „Damit umgehen können die wenigsten“, sagt Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft und Benimm-Trainerin.

Am liebsten würde Peter die Häppchen gleich essen, aber gutes Benehmen am Tisch hat auch etwas mit angepasster Geschwindigkeit zu tun. Na dann: „Guten Appetit.“ Und schon ist ihm die erste Ungenauigkeit passiert. Denn beim Essen steht die Kommunikation im Vordergrund – und nicht die Speisen. Deshalb sagt man untereinander nicht „Guten Appetit“. Das wünscht nur das Personal.

Also Peter, nimm das Brötchen aus dem Körbchen und lege es auf dein Tellerchen. Mit dem Messerchen schneidest du aber nicht das Brötchen in der Mitte durch wie zu Hause am Frühstückstisch. Es dient nur zum Verstreichen der Dips auf dem in mundgerechte Stücke gebrochenen Brötchen.

Wichtig ist auch, wie viel Besteck vorhanden ist. Wenn es für Dip und Butter kein eigenes Besteck gibt, dann darf Peter sein eigenes Messer nur einmal in die Dip-Schalen tauchen. Es wäre für andere nicht schön, dort Peters Brotkrümel zu finden. Also muss er berechnen, wie viel Dip er braucht. Wenn bei den Schälchen ein extra Messer liegt, darf er sich öfter bedienen. Hoffentlich geht bald das richtige Essen los, denkt Peter. Brötchen, Dip und Regeln machen nicht satt.

Endlich die Suppe. Jetzt hat er es ein wenig einfacher. Denn seinen Teller muss er sich nicht mit anderen teilen. Den Löffel führt er nur zu drei Vierteln gefüllt in den Mund, damit nichts tropft. „Gelöffelt wird nur zur Person hin oder weg, nie seitlich“, sagt Kaiser. Und es wird nie geschlürft. Geht die Suppe zur Neige, wird der Teller in Richtung Tischmitte angehoben. Suppen trinken geht übrigens auch im feinsten Restaurant: Aber nur, wenn sie klar ist und wenn die Einlage herausgelöffelt wurde und sie in einer Tasse mit zwei Henkeln serviert wird. Auch das ohne Geräusche, versteht sich.

Reden ist immer erlaubt, nur nicht mit vollem Mund. Denn beim Essen steht ja die Kommunikation im Vordergrund.

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