Hilfe, mein Kind verroht: Unerwünschte Gossensprache

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Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund  Foto: 

Kinder sind nicht so, wie wir es gerne hätten und (hoffentlich) vorleben. Im Gegenteil: Sie machen es anders, weil sie dagegen sind, weil sie zornig sind, weil sie Kinder sind. Sie lassen sich auch von anderen Leuten etwas vorleben. Das ist sofort zu hören, wenn die Tochter flucht wie ein alter Seemann. Dann fragt sich der Vater, auf welchem Schiff sie das gelernt hat. Natürlich nicht im Elternhaus!

Und wir fragen uns, was wir tun können, damit Kinder ihr Vokabular nicht aus den untersten Schubladen herausholen. Wenn sie Schimpfwörter in ihrer typisch provokativen Absicht nutzen, ist es hilfreich, der Sache nicht zu viel Beachtung zu schenken. Jede Provokation ist nur so gut, wie der, der sich davon beeindrucken lässt. Wenn sie nicht reizt, verliert sie ihren Reiz.

Natürlich kann ich mich fragen, was hinter der Provokation des Kindes steckt. Aber selbst das ist zu viel an Beachtung. Erziehung ist manchmal nur Beobachten und Warten, bis eine Phase zu Ende geht – und die nächste beginnt. Vieles gibt sich von selbst. Aber eben nicht alles. Manche Phase ist zu lang und zu heftig, als dass man sie mit erzieherischer Coolness umschiffen könnte. Und mancher Ausdruck ist zu hart, als dass man ihn überhören sollte, jedenfalls dauerhaft. Und wenn die Gossensprache gar zum Stilmittel wird, ist eine sprachliche Vollbremsung nötig. „Dann ist eine Spielregel sehr hilfreich“, sagt die Beziehungsexpertin Nora Nägele aus Stuttgart.

Eltern und Kinder haben ein feines Gespür dafür, wann jene unsichtbare Linie überschritten ist, hinter der kein normales Gespräch mehr möglich ist. Und weil Eltern dies früher merken (sollten), sollten sie sich nicht über eben diese Linie treiben lassen. Im Experten-Deutsch klingt das so: „Wenn ich noch nicht zu sehr provoziert bin und reagiere, habe ich den Wind aus den Segeln genommen.“ Eine Kunst des Elternseins beruht also darauf, sich nicht provozieren zu lassen – auch wenn das nur selten klappt. Aber in einer erhitzten Phase über Spielregeln zu reden, geht nie. Das ist nur in Ruhe möglich, wenn die fluchenden Kinder im Bett sind.

Dann sitzen wir hilflosen Eltern im Wohnzimmer und zermartern uns das Hirn. Was hilft als Erziehungsmethode? Drohen? Fernseh- oder Handy-Entzug? Das hilft nicht wirklich, denn die Folgen müssen wir aushalten. Am aussichtsreichsten sind und bleiben simple Spielregeln. „Uns ist das wichtig: Hier im Haus werden solche Worte nicht gebraucht.“ Nicht übertreiben, denn gewisse Ausdrücke gehören ja leider zum normalen Sprachgebrauch. Aber wenn es schlimmere sind, ohne die man gut auskommen kann – „dann hör ich dich einfach nicht“. Wenn der Nachwuchs sein Vokabular trotzdem nicht ändern will? Dann ist Kreativität gefragt: Kein Futter fürs Sparschwein, Handyvertrag weg, keine Fahrten zum Sport mehr, alles, was heilsam wachrütteln kann. Darüber wird der Nachwuchs sicherlich fluchen. Aber so, dass Sie es nicht hören.

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