Fettnäpfchen beim Essen

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Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund  Foto: 

Auf die Frage, wann es genug ist, hat jeder seine eigene Antwort. Dem einen reichen die Grundlagen, der andere sucht stetige Verbesserung. Claudia (45) wäre es lieber, ihr Mann Horst (46) gehörte zur zweiten Gruppe. Denn seit die gemeinsame Tochter aus dem Haus ist, treffen sie sich öfter mit Freunden und Geschäftspartnern, gehen auch wieder aus. Ihr gefällt dabei nicht, wie er sich dann bei Tisch benimmt. Immer noch so, sagt sie, wie in Studententagen. Mit Messer und Gabel essen, das reicht eben nicht immer. Manchmal darf es gerne etwas mehr sein.

Es gibt einiges, was Claudia stört. Zum Beispiel, dass Horst „immer Soße über alles kippt“. Sein Besteck hält wie … Und sich immer gleich ein Bier bestellt, wie früher eben. „Schmeckt mir besser“, meint er nur. Und natürlich bleibt es nicht bei einem oder zwei Gläsern. Gäste und Geschäftsfreunde bestellen sich zum Essen doch auch einen Wein, sagt Claudia.

„Normal ist Wein beim Essen“, sagt Linda Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende der deutschen Knigge-Gesellschaft und Benimm-Trainerin. Und wenn wir schon beim Wein sind, dann sollten wir auch dabei bleiben. Natürlich „in Maßen genossen“, sagt die Expertin. Auch wenn die Bedienung sieht, dass das Glas zur Neige geht und es sofort wieder auffüllt. Der Trick ist übrigens, einfach nicht mehr am Glas zu nippen, wenn man keine Lust mehr auf Wein hat. Steht das Glas ständig voll auf dem Tisch, hat auch die Bedienung keinen Anlass, wieder nachzuschenken.

Übrigens gelten auch beim Bier diese Regeln: einmal Bier, immer Bier und nicht zu viel davon. Die stärkeren Geschütze kommen ohnehin erst gegen Ende auf den Tisch. „Die Getränkefolge ist von leicht nach schwer“, sagt Kaiser. Zwischendrin Schnaps geht also gar nicht. Horst muss bis zum Ende des Essens warten. Ach ja, Mineralwasser darf man trinken, so viel man möchte. Für Horst kein Grund zur Freude. Natürlich hat er die Chance, den ungeliebten Wein elegant zu umgehen. Er kann einfach der Bedienung vorher sagen, dass er keinen möchte. Und sie räumt das Weinglas weg.

Aber damit nicht genug – Horst muss noch mehr beachten, etwa den Schaft seiner Gabel. Der liegt am besten in der Mitte seiner Hand – „damit man möglichst wirtschaftlich damit umgehen kann“, sagt Kaiser. Je nachdem, was draufliegt, darf er seine Gabel auch drehen. Bei Erbsen etwa wäre das angebracht. Worauf aber unbedingt zu achten ist: Niemals das Essen mit dem Messer zur Gabel bewegen! Sonst gibt es Quietsch-Geräusche. Vielmehr nähert sich die Gabel dem Messer. „Mit dem wird nur geschnitten“, sagt Kaiser. Kartoffeln allerdings nicht. Die soll man auseinanderbrechen oder -rupfen. Denn: Nur dann kann sie Soße aufnehmen. Die wiederum gehört zum Fleisch – nicht auf die Beilage. Also nicht den Kloß in Soße ertränken. Das mag zu Hause angehen, aber eben nicht bei einem gepflegten Essen.

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