Ulmer Denkanstöße: Alt & Jung – für- oder gegeneinander?

Live is life – erst vor Kurzem lief die Filmkomödie „Die Spätzünder“ in den Dritten Programmen. Ein Mit-Vierziger gründet mit den Bewohnern eines Seniorenheims eine Band.

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Enkeltochter umarmt ihre lachende Oma  Foto: 
Während die Leiterin, auch um ihrer Ruhe willen, die Alten vor dem Leben schützen will, stürzen die sich wieder voll hinein. Viele sprechen von den „geschenkten Jahren“. Denn etwa jede zweite Frau, die nach 1970 geboren wurde, kann erwarten, ihren 100. Geburtstag zu feiern.

Die Zukunft ist silbern

„Die Zukunft ist silbern – gelingt Solidarität zwischen Jung und Alt?“, so lautet der Titel der 6. Ulmer Denkanstöße vom 14. bis 16. März. Mit dem demografischen Wandel bleiben Menschen auch jenseits der 65 Jahre fit und suchen ihren aktiven Platz in der Gesellschaft. Umgekehrt fürchten die Jüngeren um ihre Gestaltungsräume, wenn sich demnächst die Hälfte der Wähler im Rentenalter befindet. Weil die Großfamilie als traditionelle Institution zerfallen ist – hier die beratenden, aushelfenden Alten, dort die bestimmenden, arbeitenden Jungen –, muss die deutsche Gesellschaft neue Formen entwickeln, wie die drei bis vier Generationen künftig gerecht miteinander leben können.
Ein gelungenes Beispiel in Ulm, findet Sozialbürgermeisterin Iris Mann, ist der Arbeitskreis AltJung, eine Zusammenarbeit der Stadt Ulm mit dem Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Uni Ulm. Bei den monatlichen Treffen geht es um generationenübergreifendes Lernen. So haben in den Pfingstferien im vergangenen Jahr 20 Kinder und Jugendliche erfahren, dass man mit einem Buch mehr machen kann, als es nur zu lesen. Ein ähnliches Angebot macht das Humboldt-Institut der Uni Ulm, das die Ulmer Denkanstöße gemeinsam mit der Stadt Ulm und mit Unterstützung der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg veranstaltet. In den Seminaren diskutieren Jüngere und Ältere über philosophische Fragen wie gelingendes Leben. Beide Seiten profitieren von ihren unterschiedlichen Lebenseinsichten.

„Der demographische Wandel ist kein Schreckgespenst“, so Iris Mann, sondern es stecke viel Potenzial darin – wenn es gelinge, die Chancen zu nutzen. Dabei setzt die Ulmer Bürgermeisterin auf bürgerschaftliches Engagement, denn das lebenslange Lernen erhöhe die Lebensqualität. Viele funktionierende Projekte setzen auf die wertvolle Erfahrung der Alten. Beispielsweise stellen ehemalige Geschäftsführer Existenzgründern ihr Wissen zur Verfügung, coachen sie vor Bankgesprächen oder entwickeln gemeinsam einen Businessplan. Seit 25 Jahren existiert der Arbeitskreis „Senioren helfen Junioren“.

Der Begriff Senioren umfasst eine große Gruppe von Menschen, die gar nicht unter diesen Hut passen. „Es gibt fitte, reiselustige 80-Jährige und es gibt kranke, gebrechliche 65-Jährige“, sagt Renate Breuninger, Professorin am Humboldt-Studienzentrum. Es gehe um würdiges Altern und die Frage, wie gutes Leben aussehe. Etwa stimme das Bild der bedürftigen Rentner teilweise überhaupt nicht, weil manche Großeltern Bildungsversicherungen für ihre Enkel abschließen oder Teile ihres Erbes vorab an ihre Kinder geben, damit die den Hausbau finanzieren können. „Als Genossenschaftsbank tragen wir selbstverständlich zur Solidarität zwischen den Generationen bei“, sagt Thomas Renner, Vorstandsvorsitzender der fördernden Sparda-Bank Baden-Württemberg.

Was ein gerechtes Verhältnis ist, in dem die Bedürfnisse der Generationen ausgeglichen sind, muss teilweise ganz individuell beurteilt werden. Mit diesem Thema beschäftigt sich der Eröffnungsvortrag des Kieler Philosophen Wolfgang Kersting. Weitere prominente Redner wie die ehemalige Familienministerin Ursula Lehr oder Franz Josef Radermacher Praktiker wie Wolfgang Gründinger, Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, runden das Programm von wissenschaftlicher Seite ab.
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