Hormone und Licht: Im Rausch der Frühlingsgefühle

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Noch etwas wintermüde blinzelt man in die ersten Sonnenstrahlen. In manch graues Gesicht kehrt nach vielen Wochen die erste Farbe zurück. Die schweren Winterklamotten werden nach und nach in die hinterste Ecke des Kleiderschranks verbannt und aus irgendeinem Grund erscheinen einem die Mitmenschen plötzlich attraktiver.

Aah, Frühling, ja du bist’s!

Sobald das Wetter erste T-Shirt-Tage verspricht, fühlen wir uns glücklicher, besser – und manchmal geraten wir richtig in Flirt-Laune. „Frühlingsgefühle“ wird das dann gerne genannt. Doch existieren sie wirklich oder ist es nur ein Schlagwort in Lifestyle-Magazinen, um dann mehr oder minder auf das neueste Mode-Produkt überzuleiten?

„In einem gewissen Maß gibt es sie“, sagt Professor Baptist Gallwitz, Endokrinologe (Endokrinologie bedeutet „Die Lehre von den Hormonen“) und stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik IV am Uniklinikum Tübingen. „Die wärmeren Temperaturen und das Tageslicht haben einen Einfluss auf unser zentrales Nervensystem und auf unser Hormonsystem.“ Durch Licht und Wärme werden verschiedene Hormone vermehrt ausgeschüttet, beispielsweise Cortisol. Auch als „Stresshormon“ bekannt, steigert es unsere Leistungsfähigkeit, gibt uns Kraft und macht uns fitter.

Das ist im Übrigen in der Natur ganz ähnlich. Gemeint sind nicht die Hormone, sondern der Einfluss von Licht und Wärme. Pflanzensamen, die unter der Erde lagern, reagieren auf die längeren, wärmeren Tage: Das ist das Signal für „Jetzt kann’s los gehen!“, und plötzlich sprießt und blüht alles in der Umgebung. Bei den meisten Tieren – bis auf ein paar Ausnahmen – beginnt die Paarungszeit (siehe unser Hunde-Beispiel unten auf der Seite) und Brunftzeit. Der Winter ist vorbei, es ist Zeit, Nachwuchs zu zeugen. Schließlich ist nun die Aussicht auf genügend Nahrung für alle vorhanden.

Allgemeines Wohlbefinden also! Doch hat der Jahreszeitenwechsel auch einen Einfluss auf das menschliche Flirtverhalten? Schließlich werden „Frühlingsgefühle“ auch synonym dafür verwendet. „Sicherlich spielen auch hier Hormone eine Rolle“, sagt Gallwitz. Aber Kleidung und Geruch haben ebenso eine entscheidende Auswirkung auf unser Flirtverhalten. Im Frühjahr kleidet sich der Mensch wetterbedingt etwas leichter und luftiger als im Winter, das heißt, es gibt mehr visuelle Reize. Zudem riechen wir durch das wärmere Wetter besser, da sich „die Duftmoleküle an den Schleimhäuten besser absetzen können als bei Kälte“, erklärt Gallwitz.

Inwiefern aber der Frühling und eine mögliche Hormonausschüttung im menschlichen Körper zusammenhängen, sei jedoch schwer messbar, erklärt Gallwitz. „Es gibt dazu wenig gutgemachte klinische Studien.“

Hinzu kommt, dass der Frühling für den Menschen eine andere Bedeutung hat als für die Natur. Wir haben keine Brunftzeit (auch wenn man bei manchen Mitmenschen anderes vermuten könnte), und Sex können wir unabhängig von Jahreszeit sowieso das ganze Jahr haben. Oder werden im Frühjahr tatsächlich mehr Kinder gezeugt? Schließlich ist im Volksmund vom „Wonnemonat Mai“ die Rede.

„Dass mehr Frauen im Frühjahr schwanger werden, können wir nicht beobachten“, erklärt Dr. Melanie Henes, Leiterin des Kinderwunsch-Zentrums an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. „Abgesehen davon gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Die einen sind überzeugt, dass eher im Winter, wenn es kalt ist und mehr Zeit mit dem Partner verbracht wird, Kinder gezeugt werden. Andere sehen dies eher im Sommer. Wirklich verlässliche Daten gibt es nicht.“

Geforscht, ob es einen Zusammenhang zwischen Jahreszeit, Zeugung und Geburt gibt, wurde dennoch. Um es vorwegzunehmen: Es ist schwierig. Anhand von Statistiken kann man zwar sehen, wann Kinder geboren und wahrscheinlich gezeugt wurden. Das Statistische Bundesamt hat die Zahl der Geburten pro Jahr und Monat seit 1950 gesammelt. Demnach gab es bis in die 70er Jahre eher Frühjahrsgeburten, Mitte der 80er Jahre nahmen die Sommer- und Herbstgeburtstagskinder zu. Letzteres lässt eher auf traute Zweisamkeit in den Wintermonaten schließen denn auf Frühlingsgefühle. Hinzu kommen noch andere Faktoren: Auf der Nordhalbkugel beginnt der Frühling im März, auf der Südhalbkugel im September. Menschen, die näher am Äquator wohnen, müssten das ganze Jahr Frühlingsgefühle haben, und bei denjenigen, die näher am Polarkreis wohnen, sähe es schlecht aus mit lustvoller Vermehrung.

Ach, da war doch noch die Frühjahrsmüdigkeit. Die ist genauso wenig erforscht wie mögliche Frühlingsgefühle. „Eine längere körperliche Inaktivität könnte der Grund dafür sein“, sagt Gallwitz. „Daher sind wir schneller erschöpft, wenn wir wieder anfangen uns mehr zu bewegen.“

Also ist nix mit Frühlingsgefühlen? Wissenschaftlich betrachtet, eher ja. Letztendlich weiß keiner genau, warum wir ticken, wie wir eben ticken. Das ganz persönliche Empfinden?

Frühling, ja du bist’s!

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Wissen Wer ein bisschen mehr über Vorgänge in unserem Körper erfahren möchte, dem sei das Buch „Wie wir ticken: Die Bedeutung der Chronobiologie für unser Leben“ von Till Roenneberg ans Herz gelegt. Der Professor am Institut für Medizinische Psychologie der LMU beschäftigt sich mit Fragen rund um die innere Uhr.
Liebe Den Romantikern hingegen könnte „Sozusagen Paris“ des deutsch-iranischen Autors Navid Kermani gefallen. Etwas für die ganz eigenen Frühlingsgefühle.

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