Sozial- und Pflegeberufe - Beruf und Berufung

Noch nie haben so viele junge Leute eine Ausbildung in einem Sozial- und Pflegeberuf angefangen. Der Fachkräftemangel gerade in dieser Gesundheitsbranche wächst dennoch weiter.

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Nach Einschätzung des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste  sind derzeit mehr als 30 000 Stellen in der Pflege unbesetzt. Experten sind sich sicher, dass der Boom der Medizin- und Sozialberufe auch in den kommenden Jahren anhalten wird. Prognosen gehen davon aus, dass jeder fünfte Job in der Zukunft im Sozial- und Gesundheitsbereich angesiedelt sein wird. Neben dem öffentlichen Bedarf an Pflege entsteht auch im privaten Bereich eine immer größere Nachfrage nach medizinischer Beratung und Betreuung.
Ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist der demografische Wandel. Nach Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit wird die Zahl der Menschen, die 60 Jahre alt und älter sind,  in Deutschland bis 2030 von 21,0 Millionen auf rund 28,6 Millionen Menschen steigen. Wegen der steigenden Lebenserwartung und einem gesellschaftlichen Strukturwandel – es gibt immer mehr Single-Haushalte und Patchwork-Familien – nimmt der Pflegebedarf in Heimen und ähnlichen Einrichtungen immer weiter zu. Wer sich also dafür entscheidet, eine Aus- oder Weiterbildung zum Alten-, Familien-, Kranken-, Kinderkranken-, oder Heilerziehungspfleger, zum Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Logopäden, Sozialpädagogen, Erzieher oder einem anderen Beruf in der Healthcare-Branche zu machen, hat beste Zukunftsaussichten.

Die Branche bietet viele verschiedene Möglichkeiten

Wege in die Sozial- und Pflegeberufe gibt es viele. Die Ausbildungen zum staatlich anerkannten Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpfleger etwa dauern jeweils drei Jahre. Voraussetzung ist die Mittlere Reife. Nur die Ausbildungen befähigen dazu, sämtliche Aufgaben eines Pflegers eigenständig zu übernehmen. So dürfen Absolventen laut der Bundesagentur für Arbeit etwa Patienten betreuen und versorgen, bei Untersuchungen assistieren und Patientendaten dokumentieren. Experten raten, vor der Entscheidung für die Ausbildung ein Praktikum zu absolvieren – Sozialberufe sollten nicht nur Beruf, sondern auch Berufung sein. „Der Wille zur gesellschaftlichen Veränderung beizutragen oder einfach nur zu helfen ist die zentrale Motivation vieler“, sagt Wilfried Nodes vom Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit.  Der Berufsalltag kann unter Umständen psychisch wie physisch belastend sein. Flexibilität, Organisationstalent und Teamfähigkeit sind bei der Arbeit wichtige Voraussetzungen. Viel Freude an dem Beruf werden vor allem Menschen haben, die gerne mit anderen Menschen umgehen, die sich in ihr Gegenüber einfühlen können und sehr geduldig sind. Sozial- und Pflegeberufe genießen übrigens ein hohes Ansehen: Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage genießen sie sogar mehr Wertschätzung als Lehrer oder Richter. „Kranke und Pflegebedürftige befinden sich in Ausnahmesituationen und sind deshalb sensibel und verletzlich. Sie zu betreuen, bedeutet große Verantwortung“, sagt Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.
Verschiedene Studiengänge wie Gesundheitsökonomie, Public Health, Gesundheitsmanagement, Pflegewissenschaften oder Sozialpädagogik bereiten auf eine Führungsposition in der Gesundheitsbranche vor. Aus- und Weiterbildungen sind teilweise auch in Teilzeit möglich. Es gibt vielfältige  Möglichkeiten, sich an öffentlichen und privaten Schulen weiter zu qualifizieren; etwa im Bereich Sozialmanagement und Personalführung zur Pflegedienst- oder Heimleitung oder indem man sich auf ein bestimmtes Themengebiet, wie etwa die Gerontopsychiatrie, spezialisiert.

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