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  • Am 24. Juni, dem Johannistag, soll das Johanniskraut seine größte Wirkung entfalten.  1/2
    Am 24. Juni, dem Johannistag, soll das Johanniskraut seine größte Wirkung entfalten. Foto: 
  • Aus frischen Blüten und Knospen lässt sich ein vorzügliches Kräuteröl herstellen. 2/2
    Aus frischen Blüten und Knospen lässt sich ein vorzügliches Kräuteröl herstellen. Foto: 
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Johanniskraut gehört untrennbar zum Johannistag. Denn am Namenstag des Hl. Johannes, dem 24. Juni, soll das Heilkraut seine größte Kraft entfalten. Der Legende nach ist das Johanniskraut sogar aus dem Blut des enthaupteten Täufers entsprungen. Eine in abergläubischen früheren Zeiten durchaus naheliegende Vorstellung, denn in der Pflanze selbst fließt ebenfalls „Blut“. Es handelt sich dabei allerdings um den rötlichen Pflanzensaft, den Knospen und Blüten beim Zerreiben freigeben. Das Gewächs mit den leuchtenden Blüten zählt zu den machtvollsten Heilpflanzen unserer Natur. Seit Jahrhunderten ist die Verwendung des „Sonnwendkrauts“ zum Vertreiben der Melancholie, aber auch als Mittel zur Wundbehandlung überliefert.

Die Kombination seiner Inhaltsstoffe aus ätherischen Ölen, Flavonoiden, Gerbstoffen und dem rotfärbenden Inhaltsstoff Hypericin macht das Johanniskraut wertvoll für die innere und äußere Anwendung. Johanniskraut saugt die Sommersonne förmlich auf und bringt als Heilpflanze Licht in umwölkte Gemüter. Zahlreiche Studien haben bestätigt, dass Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilft. Als Tropfen, Kapseln oder Tee gehören Johanniskraut-Präparate inzwischen zu den meistverkauften Mitteln bei der Selbstbehandlung anhaltend trauriger Stimmung.

Hellhäutige Menschen sollten bei sehr langem Gebrauch oder hoher Dosierung allerdings vorsichtig sein. Denn während der Behandlung kann die Haut lichtempfindlicher reagieren, die Sonnenbrandgefahr wächst. Äußerlich heilt die Pflanze in Form des sogenannten Rotöls. Dieses rubinfarbene Öl, ein Auszug aus frischen Blüten, wirkt wundheilend und entzündungshemmend. Einreibungen mit Rotöl sollen Hexenschuss, Rheuma, Nervenschmerzen, Verbrennungen, Hautverletzungen und Prellungen lindern und den Heilungsprozess fördern.

Die leuchtend gelben Blüten des Johanniskrauts gelten als Sinnbild der Sonne, und so wundert es nicht, dass dem „Johannisblut“ in dunkleren Zeitaltern auch starke mysthische Kräfte nachgesagt wurden. Von jeher zählt die Pflanze zu den sogenannten Beschrei- oder Berufkräutern, die, als Amulett getragen oder in Form blühender Kränze in die Fenster gehängt, vor Verzauberung, Tod und Teufel schützen sollen.

Ständig neue Knospen

Von Juni bis September steht das leuchtend gelbe, ausdauernde Kraut in voller Blüte an sonnigen Weg- und Wiesenrändern und auf trockenen Brachflächen. An seinen verzweigten, oftmals gut ein Meter hohen Trieben entfaltet es ständig neue Knospen, während die geöffneten goldgelben Blüten mit den langen Staubgefäßen rasch vergehen. Im Herbst sterben die oberirdischen Teile ab, Ende März treibt das Johanniskraut frisches Grün. Als Heilpflanze wirksam gilt nur die Johanniskraut-Art Hypericum perforatum, auch als Echtes Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu bezeichnet.

Seine ovalen, dunkelgrünen Blätter weisen eine typische Eigenheit auf: Hält man ein Blättchen gegen das Licht, erscheint es wie mit Stichen „perforiert“. Auch auf diese Erscheinung machten sich unsere Vorfahren ihren eigenen Reim: Weil das Johanniskraut mit seiner Sonnenkraft so mächtig wirkt, war der Leibhaftige so erzürnt, dass er die Pflanzenblätter vor Wut mit Nadeln zerstach. Heute weiß man es besser; bei den vermeintlichen Löchern in den Blättern handelt es sich um die transparent schimmernden Öldrüsen, in denen der wertvolle Inhaltsstoff Hypericin lagert.

Manchmal siedelt sich Johanniskraut aus der freien Natur ganz von allein im Garten an. Ist der Platz vollsonnig – perfekt. Zwar gedeiht das Kraut auch noch im Halbschatten, aber die Konzentration der heilsamen Inhaltsstoffe ist in solchen Pflanzen niedriger. Volle Sonne – volle Power, das gilt beim Johanniskraut ganz besonders. Zum Ernten der Blüten wartet man idealerweise ein paar sommerlich trockene Tage ab. Zwischen 10 und 14 Uhr ist die beste Sammelzeit, die Pflanzen sind abgetrocknet und der Wirkstoffgehalt hoch. Geerntet werden die oberen, nicht verholzten Triebe mit Blüten und Blättern. Zum Trocknen für den Haustee hängt man die Pflanzen kopfüber an einem warmen, schattigen und luftigen Ort auf, beispielsweise dem Dachboden, und streift Blüten und Blätter später vom Stängel ab.

Keinen heilkundlichen Wert, dafür aber sehr viel dekoratives Potenzial besitzen die Gartenformen, das Zier-Johanniskraut. Als immergrüne Kleinsträucher für Sonne oder Halbschatten werden die pflegeleichten Johanniskräuter gerne gepflanzt. Sie fallen mit besonders üppigen Blüten auf (zum Beispiel Großblumiges Johanniskraut „Hidcote“) und mit kapselähnlichen Fruchtständen, die ein interessantes Farbenspiel von Grün über Rosa bis zu Dunkelrot und Schwarz zeigen (zum Beispiel Duftloses Johanniskraut „Magical Red Star“). Im Sommerstrauß aus dem Garten machen die haltbaren Johanniskraut-Samenstände eine prima Figur.

Frische Blüten und Knospen werden ungewaschen in ein großes Glas, zum Beispiel ein Einmachglas, gegeben. Mit einem Mörser oder Holzkochlöffel (kein Metall) ein wenig anquetschen und mit Olivenöl aufgießen, so dass alle Pflanzenteile bedeckt sind. Das Glas mit Küchenpapier bedecken und auf den Fenstersims in die Sonne stellen. Täglich behutsam schütteln. Nach zwei bis drei Wochen sollte sich das Öl rot oder braunrot gefärbt haben. Danach werden die Blüten abgeseiht. Das Kräuteröl kann auch zu Hautbalsam weiterverarbeitet werden.

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