Hülsenfrüchte: Schöne Erbsenzählerei

Süße Erbsen frisch vom Strauch sind ein besonderer Genuss. Auch der Boden profitiert vom Erbsenanbau. Von Helga Schneller

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    Etwas für gesundheitsbewusste Feinschmecker: Gartenerbsen zählen zu den nährstoffreichsten Gemüsearten. Foto: 
  • An den Boden stellen Erbsen keine besonderen Ansprüche. Hier eine stattliche Jungpflanze. 2/2
    An den Boden stellen Erbsen keine besonderen Ansprüche. Hier eine stattliche Jungpflanze. Foto: 
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Wer Erbsen zählt, hat wohl nichts Besseres zu tun. Oder fällt seinen Mitmenschen mit kleinlichem und geizigem Getue auf die Nerven. Der Erbse wird es einerlei sein, für derlei uncharmante Charakterisierungen herhalten zu müssen. Fakt ist, dass die Hülsenfrucht zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit zählt und seit über 8000 Jahren kultiviert wird. Die Ursprünge der Erbse liegen im Mittelmeeraum und Kleinasien. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit, ihres hohen Nährwerts und vor allem der Möglichkeit, die getrockneten Kerne lange zu lagern, zählte die Pflanze lange Zeit zu den Grundnahrungsmitteln für Mensch und Tier. Heutzutage wandern die erwerbsmäßig angebauten Speiseerbsen meistens in Tiefkühlbeutel oder Konservendosen.

Der Erbsenanbau im eigenen Garten lohnt sich aber auf jeden Fall, denn die Kultur ist einfach, und frisch von der Ranke gepflückt schmecken die Hülsenfrüchte unvergleichlich zart und fein. Und auch der gesundheitliche Wert kann sich sehen lassen, denn Gartenerbsen gehören zu unseren nährstoffreichsten Gemüsearten. Sie enthalten viel hochwertiges Eiweiß, satt machende Kohlenhydrate, reichlich Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Eisen und Zink, sowie Vitamine und Spurenelemente. Zudem sind frische, junge Erbsen leicht verdaulich.

In getrockneten Erbsenkörnern ist der Nährstoffgehalt besonders hoch. Dass man Trocken­erbsen gerne für winterlich deftige Suppen und Eintöpfe verwendet, ist deshalb naheliegend. Im Gegensatz zu Bohnen dürfen Erbsen auch frisch vom Strauch in rohem Zustand genascht werden. Selbst gemüsemuffelige Kinder finden an den süßen grünen Kugeln zum Selbstauspulen meistens Gefallen.

Drei Arten Erbsen

Erbsen werden in drei Arten unterteilt: Pal- oder Schalerbsen, Markerbsen und Zuckererbsen. Innerhalb dieser Gruppen wiederum tummeln sich zahlreiche Sorten, die niedrig oder halbhoch wachsen und solche, die sich mit ihren Wickelranken an dementsprechenden Stützen mannshoch in die Vertikale ziehen. Und schließlich wird auch noch nach der Entwicklungsdauer in frühe, mittelfrühe und späte Sorten mit über 90 Tagen Reifezeit unterschieden. Am frühesten, schon ab Mitte März, können die unempfindlichen Pal- oder Schalerbsen ausgesät werden. Sie besitzen ein großes, glattes Korn, enthalten viel Stärke und sind etwas weniger süß als Mark- oder Zuckererbsen. Die reifen Körner werden mehlig und eignen sich gut zum Trocknen und Einfrieren.

Bekannte Sorten wie „Kleine Rheinländerin“ oder „Orion“ bleiben mit nur 50 bis 70 Zentimetern recht niedrig und brauchen keine Rankhilfe. Bei warmem Wetter ab Mitte April erfolgt im Beet die Aussaat der Mark- und Zuckererbsen. Markerbsen bestreiten unter den Erbsensorten den Löwenanteil. Sie bilden große, zarte und süße Körner. Hoch wachsende Sorten wie zum Beispiel „Lancet“ oder die blauhülsige „Kapuzinererbse“ sollten mit einem Gerüst aus Maschendraht oder einem Ranknetz gestützt werden, wo ihre langen Finger Halt finden.

Für Feinschmecker sind Zucker­erbsen, auch als Zuckerschoten oder Kaiserschoten bekannt, erste Wahl. Diese Erbsen sind so fein, dass man sie mitsamt ihrer Hülle verspeist. In der gehobenen Küche und auch in asiatischen Gerichten werden Zuckerschoten gerne verwendet. Die Schoten von beispielsweise „Oregon Sugar Pod“ oder „Norli“ bleiben am Strauch lange zart. Besonders dekorativ wirkt die Sorte „Shiraz“ mit ihren rot-rosa gefärbten Blüten und dunkellila Hülsen. Pflanzen, die halbhoch werden, stützt man mit Reisig oder gespannten Drähten. Bei Folgeaussaaten bis Mai/Juni hält die Erbsen-Erntefreude bis zum Hochsommer an. Um die weichen, empfindlichen Ranktriebe nicht abzureißen, werden die reifen Schoten am besten mit einer Schere abgeschnitten.

An den Boden stellen Erbsen keine besonderen Ansprüche. Er sollte lediglich humos und locker sein, der Standort sonnig bis halbschattig. Auch im Hochbeet und sogar in größeren Kästen gedeihen die Schmetterlingsblütler bestens. Erbsen zählen zu den Schwachzehrern mit kleinem Nährstoffappetit. Etwas reifer Kompost, kurz vor der Aussaat eingeharkt, reicht zur Versorgung aus. Um das Keimen zu beschleunigen, ist eine Vliesabdeckung bei früher Aussaat empfehlenswert. Sie hält außerdem gefiederte Samenräuber fern, denn Vögel picken die frisch gesäten Körner allzugerne aus der Erde. Sobald die jungen Erbsen eine Höhe von etwa 15 Zentimetern erreicht haben, werden sie mit Erde angehäufelt, um ihre Standfestigkeit zu verbessern.

Erbsen vertragen sich als Beetpartner mit den meisten anderen Gemüsearten, vor allem mit Gurken, Salat, Möhren und Kohl. Nicht grün sind ihnen dagegen Nachtschattengewächse wie Tomaten, Paprika und Kartoffeln sowie Zwiebeln, Lauch und Knoblauch. Auch mit sich selber versteht sich die Erbse eher schlecht, weshalb man den Anbauplatz jährlich wechseln sollte. Ist die Ernte abgeschlossen, wird das oberirdische Blattwerk abgeschnitten und als Mulch im Gemüsebeet verteilt. Die Erbsenwurzeln bleiben zum Wohle der Fruchtbarkeit im Boden.

Als Leguminosen werden Hülsenfrüchte wie Erbsen, Kichererbsen, Bohnen, Linsen und Wicken bezeichnet. Ihre Wurzeln gehen eine Symbiose mit Bakterien ein, die Stickstoff binden. Leguminosen tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei und werden unter anderem in der Landwirtschaft als Gründüngung angebaut.

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