Blume des Jahres: Der Klatschmohn

Manche Gewächse begeistern mit seidigen Blüten und erstaunlicher Formenvielfalt. Der Klatschmohn ist Blume des Jahres 2017

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Beim Begriff „Mohn“ kommt vielleicht eine lecker bestreute Semmel in den Sinn. Eventuell auch ein saftiger Mohnkuchen, oder aber eine Kindheitserinnerung an knallrote Klatschmohnblüten im Weizenfeld. Mohn mit seinen edlen Seidenblüten faszinierte auch von jeher die Maler. So verewigte Claude Monet 1873 in seinem Gemälde „Mohnfeld“ eine idyllische Sommerlandschaft mit leuchtenden Klatschmohnsprenkeln. Als Begleiter im Getreidefeld waren unsere heimischen Mohnblumen über Jahrhunderte hinweg präsent. In ihrer Eigenschaft als „Verunreinigung“ im Ackersaatgut konnten die winzigen Klatschmohnkörnchen auf den Feldern Fuß fassen. Moderne Saatgutreinigung und der Einsatz von Herbiziden haben die typische Ackerblume aber weitgehend verdrängt. Um auf seine Gefährdung hinzuweisen, wählte die Loki-Schmidt-Stiftung den Klatschmohn (Papaver rhoeas) zur „Blume des Jahres 2017“. Denn „eine ganze Lebensgemeinschaft, die uns seit tausenden Jahren begleitet, droht zu verschwinden“, so Axel Jahn, Geschäftsführer der Stiftung.

Zum guten Gedeihen braucht Klatschmohn offene und sonnige Flächen, wie sie neben Getreideäckern auch Schuttplätze, Brachen und Straßenböschungen bieten. Ihre Pfahlwurzel senkt die einjährige Pflanze bis zu einem Meter tief in den Boden. Faszinierend ist die Entfaltung der blutroten Blüten, die sich wie geknautschter Seidentaft aus der behaarten Knospe schieben. Doch schon nach zwei bis drei Tagen ist die Schönheit einer Klatschmohnblüte vergangen.

Zu seinem Namen kam der Mohn durch das leise Aneinanderklatschen der Blütenblätter bei Wind und Regen. Im Volksmund wird Klatschmohn auch als Klatschrose, Paterblume, Blutblume oder Feuermohn bezeichnet. Die stark färbenden Blüten dienten früher zur Herstellung roter Tinte sowie zum Färben von Stoffen. Medizinisch wurden Klatschmohnblüten in Teemischungen bei Atemwegserkrankungen und als Beruhigungsmittel eingesetzt, vor allem aber auch als appetitliche farbgebende Zutat. Der Klatschmohn passt mit seinem ländlichen Charme gut in den naturnahen Garten und ergänzt sich zum Beispiel schön mit Akeleien, Lupinen, Kamille oder Storchschnabel.

Eine wahrhaft mondäne Erscheinung gibt der Orientalische Mohn oder Türkische Mohn (Papaver orientale) ab. Ob in klarem Rot, romantischen Rosatönen oder reinem Weiß – mit seinen großen Schalenblüten zählt diese Mohnart zu den Prachtstauden. Dabei behält die ausdauernde Pflanze aber immer noch die typisch mohnhaft zarte Anmutung. Mit bis zu 1 Meter Wuchshöhe lässt sie sich gerne von anderen höheren Stauden wie Zierlauch, Rittersporn oder Steppen-Salbei begleiten. Bodendecker zu Füßen des Türkenmohns kaschieren galant die nach der Blüte absterbenden Blätter und verhindern unschöne Lücken im Beet.

Gute Laune schon beim Anschauen verbreitet der Goldmohn (Eschscholzia californica), die Wappenblume Kaliforniens. Die goldgelb bis kräftig orange leuchtenden Blüten entschlüpfen zipfelmützengleichen Knospen und streifen dabei die Hülle ab. Diese Eigenart brachte dem Kalifornischen Mohn den Kosenamen „Schlafmützchen“ ein. Besonders dekorativ wirkt auch das graugrüne Blattwerk des einjährigen Mohns. Große Ansprüche stellt der Goldmohn nicht, nur vollsonnig sollte sein Platz sein. Bei zu wenig Licht blüht er nur spärlich. Auch in Balkonkästen tupft der mit rund 20 Zentimetern eher niedrig wachsende Goldmohn willig seine Farbkleckse.

Aus dem hohen Norden stammt der Islandmohn (Papaver nudicaule), wo er wildwachsend große Mohnteppiche bildet. Seine hauchzart geknitterten Blüten in Weiß, Gelb oder Orange bezaubern von Mai bis Juni. Stets folgen die Blütenschalen dem Lauf der Sonne, und wenn Verblühtes und Samenstände laufend entfernt werden, erfreut die zweijährige Staude mit reicher Blütenpracht.

Üppig gerüschte Blüten

Beim Päonienmohn (Papaver paeoniflorum) ist der Name Programm, denn mit seinen üppig gerüschten Blüten erinnert er tatsächlich an Pfingstrosen. Der stattliche Mohn mit gut 1 Meter Wuchshöhe und den markanten graublauen Blättern zählt zu den alten Bauerngartenpflanzen. Klassisch trägt er dunkelrosa, hellrote oder violette Puschelblüten, Zuchtsorten gibt es in allen möglichen kräftigen oder pastelligen Farbschattierungen. Der vermehrungsfreudige Mohn vagabundiert gerne durch den ganzen Garten, und kann durchaus zur Plage werden, wenn man die Sämlinge nicht rechtzeitig entfernt.

Alle Mohnarten werden im Garten ab Ende März bis Anfang Mai am besten an Ort und Stelle ausgesät, denn verpflanzen lassen sie sich mit ihrer langen Pfahlwurzel nur schlecht. Der Boden sollte durchlässig und frei von Staunässe sein, der Standort vollsonnig. Mohnblüten enthalten reichlich Pollen und ziehen vor allem Bienen magisch an. Nach der Blüte entwickeln sich die charakteristischen Mohnkapseln, die im Garten oder als Trockenstrauß ein hübscher Blickfang sind.

Der Schlafmohn (Papaver somniferum) zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Aus dem getrockneten Saft unreifer Schlafmohn-Kapseln wird das Rauschgift Opium hergestellt. Reife Kapseln liefern die bekannten schwarzen Samenkörner für Backwerk. Medizinisch verwendet man Schlafmohn vor allem bei Schmerzen und Schlafstörungen. Der Anbau, auch von Ziersorten, ist in Deutschland genehmigungspflichtig.

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