Frösche auf Abwegen

Früher orientierten sich viele Menschen an den Bauernregeln, obwohl sie nicht immer verlässlich waren. Auch heute noch sind viele bekannt und wie "Abendrot, schön Wetterbot" durchaus zutreffend.

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Apfelbäume blühen inszwischen rund drei Wochen früher als noch vor 50 Jahren.  Foto: 

"Säst du im März zu früh, ist's oft vergeb'ne Müh' - " Oder:

"Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun' und Fass." - Sprüche wie diese bestimmten über Jahrhunderte den Alltag der Menschen. Anders als heute mussten die Bauern das Wetter ohne Satelliten oder Wetterkarten richtig einschätzen, denn davon hing oft das Überleben von großen Familien ab. Eine falsche Prognose konnte im schlimmsten Fall den gesamten Ernteausfall und der Familie eine Hungersnot im Winter bescheren.

"Bauernregeln spiegeln meteorologische Wahrscheinlichkeiten wider und transportieren Erfahrungswissen, das teilweise auch heute noch gilt", sagt Herbert Lohner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). So verweist die Bauernregel:

"Märzen-Schnee tut den Zarten weh" - darauf, dass frische Aussaaten bei einem Wintereinbruch in dieser Zeit häufig erfrieren.

Der

"Mairegen bringt Segen" - wiederum deutet darauf hin, dass ausreichend Niederschlag in dieser Zeit für ein gutes Wachstum sorgt - und sorgen muss. "Ansonsten könnte die Ernte schlecht ausfallen", sagt Lohner. Gärtner sollten in dieser Zeit also gießen, falls es mal nicht ausreichend regnet.

Die ersten Bauernregeln sind bereits in der Antike entstanden. Grundlage waren wiederkehrende Naturphänomene. "Diese Regelmäßigkeiten haben unsere Vorfahren dann in Reimform weitergegeben, weil man sich die Regeln so leichter merken kann", sagt Michaela Basler, Fachberaterin für Gartenkultur und Landespflege in Amberg-Sulzbach.

Die wohl bekanntesten Bauernregeln ranken sich um die Gedenktage von Heiligen oder um so genannte Lostage wie den Siebenschläfertag am 27. Juni. Zu den bekanntesten Heiligentagen gehören die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia vom 11. bis 15. Mai. Sprichworte wie

"Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz" - und

"Die kalte Sophie macht alles hie" - spielen auf die Nachtfröste an, die eben bis Mitte Mai immer wieder vorkommen und meist verheerende Folgen für empfindliche Pflanzen haben können.

Aus meteorologischer Sicht sind diese Aussagen gar nicht so unwahrscheinlich, etwa was Höhenlagen und Täler angeht. "Dort kann sich zu dieser Jahreszeit oftmals noch die Kaltluft sammeln", erklärt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Auch Phänomene wie Schafskälte, Weihnachtstauwetter oder eine beständige Witterungsperiode nach dem Siebenschläfertag kann der Meteorologe mit jahreszeitlich typischen Großwetterlagen begründen.

Darüber hinaus kann er den Bauernregeln aber nicht viel abgewinnen: "Die Trefferquote bei den bäuerlichen Wetterregeln ist aus heutiger Sicht oft erbärmlich schlecht. Da könnte man auch würfeln", sagt Lux. Die aus Naturbeobachtungen abgeleiteten Regeln will er aber nicht als blanken Unsinn hinstellen, doch sie seien überholt.

Dass die Regeln teilweise ihre Bedeutung verloren haben, liegt nicht nur an den verbesserten Vorhersagen, sondern auch an der Kalenderreform im 16. Jahrhundert. Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders verschoben sich die Gedenktage - und damit der Fixpunkt für viele Bauernregeln.

Zudem wirkt sich der Klimawandel aus. "Die Jahresdurchschnittstemperatur ist um 1,4 Grad Celsius gestiegen", sagt Lux. Das ist auf den ersten Blick nicht viel, mache aber viel aus: Die Häufigkeit bestimmter Großwetterlagen hat sich verändert, die Vegetationsperiode ist länger als vor 50 Jahren. "Frühlingsboten und Zeigerpflanzen wie Schneeglöckchen, Forsythie und Apfel blühen inzwischen im Schnitt etwa drei Wochen früher."

Nicht zuletzt sind viele Bauernregeln regional verwurzelt und beschreiben klimatische Gegebenheiten an bestimmten Orten: "Regeln, die im Alpenraum entstanden sind, können also für die Nordsee nicht stimmen", sagt BUND-Fachmann Lohner. Die Eisheiligen sind hierfür ebenfalls ein gutes Beispiel: Während im Norden Mamertus als erster Eisheiliger gilt, beginnt im Süden die Rechnung erst mit Pankratius. Der Grund: Die Kaltluft aus dem Norden trifft erst einen Tag später in Süddeutschland ein.

Auf kurzfristige Naturbeobachtungen und entsprechende Ableitungen können sich Gärtner aber immer noch verlassen. Bauernregeln wie

"Entfernen sich die Bienen nicht weit von der Beute, erwarten Schlechtwetter Land und Leute" - ,

"Abendrot, schön Wetterbot" - und

"Morgenrot, schlecht Wetter droht" - sind laut Michaela Basler durchaus zutreffend. Und auch auf den Wetterfrosch sei Verlass - zumindest, wenn er wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sein angestammtes Revier verlässt. Von dem Spruch

"Frösche auf Stegen und Wegen deuten auf baldigen Regen" - ist sie überzeugt.

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