Lungenkräuter: Schmucker Teppich

Ihre Blattbüschel bedecken den Boden an schwierigen Stellen,etwa unter Gehölzen, und sie blühen früh im Jahr.

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Was wächst schon unter einer ausladenden Baumkrone, wo dichtes Wurzelwerk für kargen und trockenen Boden sorgt, während eine Laubkrone zumindest im Sommer Schatten wirft? Die Pflanzenauswahl für solche Plätze, wo nicht einmal Schattenrasen wachsen kann, ist zugegeben gering, doch es gibt gute Lösungen, die obendrein schön aussehen. Lungenkräuter gedeihen dort, wo sie zumindest für einige Wochen im Frühjahr viel Sonnenlicht erhalten, damit sie blühen und ihre Blätter ausbilden können. Sie wachsen dort gut, decken die Erde ab, und man kann gelegentlich sogar drauftreten. Natürlich gedeihen diese Stauden unter günstigeren Wachstumsbedingungen besser, etwa am Rand einer Rabatte, wo der Boden ganzjährig feucht genug ist. Dort breiten sie sich Jahr für Jahr weiter aus und bilden mit dichten Blattteppichen einen schönen Saum.

Die Blätter sind dann auch schuld an der Namensgebung. Denn die weißen Flecken auf grünem Grund erinnerten die Menschen früher an Lungenbläschen. Weil man damals  glaubte, dass eine Pflanze durch ihr Äußeres zum Ausdruck bringt, gegen welche Krankheit sie hilft, setzte man sie in der Volksmedizin einst zur Behandlung von Lungenkrankheiten ein. Bei Lungentuberkulose erhoffte man sich Linderung, was aber aus heutiger Sicht unbegründet war. Doch enthält die Pflanze Schleimstoffe und wirkt dadurch schleimlösend bei Atemwegserkrankungen, homöopathische Zubereitungen sollen gegen Bronchitis helfen.

Das Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) kommt bei uns in Laubmisch- oder Buchenwäldern vor. Dort stellen die frühen Blüten, die schon ab März erscheinen, eine wichtige Pollennahrung für Wildbienen dar. Im Wald wie im Garten öffnen sich die Blätter nach ein paar warmen Tagen ganz unvermittelt über dürrem Falllaub und noch kahler Erde.

Erstaunliches Farbspiel

Die Farbkleckse an einem gekrümmten Stängel zeigen ein erstaunliches Farbspiel, denn aus roten Knospen öffnen sich lila Blüten. Sie bilden unten eine Röhre, doch an der Spitze breiten sich fünf Zipfel weit aus, um Insektenbesuch zu empfangen. Der Flor erscheint zuerst, danach strecken sich die spitz auslaufenden Blätter in die Länge. Ihr derbes Gewebe und die borstige Behaarung machen deutlich, warum diese Pflanzenfamilie Raublattgewächse heißt.

 Unter den Lungenkräutern findet sich eine überraschende Vielfalt an Sorten. Es kommen klarblaue, violettblaue, dunkelblaue Blütenfarben vor, man kennt außerdem weißblütige Sorten und sogar rötliche Auslesen. So haben die Blüten der Sorte Pulmonate rubra „Redstart“ eine ziegelrote Färbung, die ununterbrochen von März bis Mai erscheint. Lungenkräuter können übrigens bis weit in den Spätfrühling hinein blühen, ihr Blütenstand erreicht höchstens 30 Zentimeter Höhe. Denn hauptsächlich geht es bei diesen Pflanzen um das dichte Blattwerk, das den Boden bedecken soll. Durch den dichten Wuchs unterdrückt es das Aufkeimen von Unkraut, und weil die Erde beschattet wird, trocknet sie nicht so leicht aus, bleibt länger feucht, was grundsätzlich dem Bodenleben und dem Wurzelwachstum zu Gute kommt.

Gerade die Lungenkrautblätter zeigen wiederum eine große Variationsbreite. Bei manchen Sorten ist die grüne Blattfläche weißlich gepunktet, bei anderen hell gescheckt, wobei der Weißanteil stark variiert. Bei der Sorte „Majeste“ ist das ganze Blatt silbrig gefärbt, nur der Blattrand und die Zone um die Mittelrippe sind grün. Dadurch ergibt sich eine Blattschmuckpflanze, die auch im Trog oder Kübel, im Zusammenklang mit rotlaubigen Sommerblumen und grünblättrigen Blütenpflanzen eine gute Figur macht. Dass die leuchtend blauen Blüten eher spärlich erscheinen, spielt keine große Rolle.

Ein hoher Weißanteil in den Blättern hat zur Folge, dass die Pflanzen nicht sehr kräftig wachsen, weil ihnen das Chlorophyll zur Reservestoff-Bildung fehlt. Man muss sie im Garten vor allzu wüchsigen Nachbarn in Schutz nehmen, sonst werden sie leicht unterdrückt.

Einmal im Garten ausgepflanzt, muss man damit rechnen, dass sich Lungenkräuter ihren eigenen Platz suchen. Ameisen verbreiten die Samen, sodass Pflänzchen unerwartet dort aufgehen, wo sie eine offene Stelle gefunden haben, die sie dann besetzt halten. Lungenkräuter bieten sich daher für Stellen unter Sträuchern oder Bäumen an, wo Naturnähe erwünscht ist.

Mit den Samen hat es noch eine Tücke: Wachsen verschiedene ausgewählte Sorten nebeneinander, werden sich die Pflanzen bald kreuzen und ihre Samen verteilen lassen. Daraus entwickelt sich ein wahrhaft buntes Sämlingsgemisch, die einstigen Sorteneigenschaften werden sich verwischen und jedes neue Pflänzchen kann eine andere Blütenfarbe oder Blattzeichnung besitzen. Wer ein bestimmtes Bild im Garten anstrebt, darf nur eine Sorte pflanzen. Die anderen können auf jährlich neue Überraschungen gespannt sein.

Gefällt einem ein Typ Lungenkraut besonders, kann man ihn im Herbst oder im Frühjahr vermehren. Das geht aber nur auf vegetativem Weg,  indem man die Pflanze teilt und die abgetrennten Tochterpflanzen neu einsetzt und bei ausreichender Wasserversorgung weiterkultiviert. Die kleinen Lungenkräuter erstarken schnell.

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