Collage aus Wünschen

Er soll individuell sein, zu den Bewohnern, dem Haus und der Umgebung passen und natürlich so schön werden, wie die Besitzer es wünschen: der eigene Garten, der mehr als nur ein Rückzugsort ist.

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Die Gartengestalter Wolfgang Bergles (r.) und Reinhard Schauer beraten ihre Kunden immer ausführlich vor Ort.  Foto: 

Für viele Menschen ist er das grüne Wohnzimmer, Kräuter-, Gemüse- und Obstlieferant, Spielplatz und die Erfüllung eines lang gehegten Traumes. Um all diesen Wünschen gerecht zu werden, müssen Gartengestalter viele Fragen stellen, damit auch wirklich der Traumgarten entsteht.

„Ich muss so viel wie möglich über die Kunden wissen, um ihnen einen Garten auf den Leib zu planen“, sagt Wolfgang Bergles, einer der beiden Chefs der Gartenbaufirma „Bergles et Schauer“ aus dem Nersinger Teilort Leibi. Am besten sammeln die Leute erst einmal, was ihnen gefällt: Fotos von schönen Gärten, Lieblingsblumen und -farben und bevorzugten Materialien; dazu könnten auch Kindheitserinnerungen kommen. Aus all diesen Dingen sollten sie eine Collage machen – etwa auf einer Pinnwand. „Je mehr man weiß, desto mehr wird es der Garten des Kunden. Denn das ist ja das Spannende, dass der Traumgarten für jeden Menschen anders aussieht.“

Wer es etwas konkreter mag, kann sich auch die Mustergärten der Gartenbaufirma in Illertissen anschauen. Darin gehe es nicht um neue Trends, sondern um machbare und bewährte Lösungen. Schließlich kann man einen Garten ja nicht jedes Jahr neu gestalten, nur weil es einen neuen Trend gibt. „Das wäre auch eine Katastrophe“, sagt Bergles. „Das größte Kapital im Garten ist die Zeit selbst.“ Pflanzen brauchen ihre Zeit, um sich zu entwickeln. Und das sollte man nicht mit schneller Hand, Spaten oder gar Motorsäge dahinraffen.

Am Anfang einer Gartenplanung steht für Bergles immer eine Bestandsaufnahme vor Ort: Er schaut sich die Bodenbeschaffenheit an, die Topografie, Haupt-Windrichtungen, das vorherrschende Kleinklima, den Ausblick, die Architektur des Hauses: All das, was rund um den Garten vorhanden und wichtig ist. Dann fragt er die Bedürfnisse ab: Wer wohnt dort? Ist die Oma mit im Haus? Gibt es Kinder? Sind Haustiere vorhanden? Wie viele Autos hat die Familie? Wird ein Brennholzlager benötigt? Oder ein Sichtschutz zum Nachbarn? Will man im Garten grillen und Ball spielen?

Die Kunden erhalten zwei, drei Vorentwürfe, damit sie überlegen können, welche Ideen ihnen am besten gefallen. Erst danach erarbeiten der Gärtnermeister und sein Team den detaillierter Hauptentwurf, in dem dann alle Elemente und Pflanzengruppen sichtbar werden.

Und dann auch den Kostenvoranschlag. „Ich weiß, das Budget ist bei einem Hausbau häufig eng“, sagt Bergles. Das ursprünglich reservierte Geld wird dann oft doch für die neue Küche oder das Bad gebraucht. Sein Lösungsvorschlag: einige Bereiche aus der ersten Gartenplanung herausnehmen und erst später verwirklichen. „Wichtig ist es, ein Ziel vor Augen zu haben.“

Daher sei es sinnvoll, schon beim Hausbau den Garten zu planen: „Im besten Fall, bevor das Haus steht“. Dann kann der mit dem Hausbau beauftragte Bauunternehmer auch schon einige Arbeiten wie eine Mauer oder den Erdaushub für einen Teich für den späteren Garten gleich mit erledigen.

Ein wichtiger Leitgedanke in der Gartengestaltung ist für Bergles, dass die Pflanzen nicht in die Ecke oder an den Grundstücksrand gedrängt werden, um in der Mitte eine freie Fläche zu schaffen. Das enge ein. „Dadurch wirkt die Fläche klein. Lieber mal was verstecken, Illusionen schaffen.“ Das lasse den Raum größer erscheinen.

Daher sei es auch schwieriger, einen kleinen Garten zu gestalten, was allerdings für den Fachmann immer eine schöne Herausforderung ist. Dies gilt nicht nur für eine Neuanlage sondern auch für Gärten, die in die Jahre gekommen sind und umgestaltet werden. „Dort die Substanz zu erhalten, das ist die Kunst.“

Lebendiges Wachstum kontra Kieswüsten

Gekonnte Planung Für die Gartenplanung und -gestaltung sind gute Pflanzenkenntnisse unabdingbar. Auf den richtigen Standort für Gehölze, Gräser und Stauden und deren Zusammenspiel kommt es an. Die Blühzeiten sind gar nicht mal so wichtig. „Die werden zu oft in den Vordergrund gestellt“, sagt Bergles. Er achtet mehr auf die Gestalt der Pflanze. Schließlich wächst und präsentiert sie sich 365 Tage im Jahr im Garten: Ihre Blüte bildet zwar den Höhepunkt ihrer Entwicklung, doch sie hält oft nur wenige Tage an. Der Austrieb und die Herbstfärbung der Pflanze prägen viel länger das Gartenbild. „Hat man nur die Blüte im Kopf, kann es ein totales Durcheinander im Garten geben.“Die Alternative sollte aber keine „Kieswüste“ sein: Solche Anlagen seien einfallslos, scheintot und nur scheinbar pflegeleicht. Oft wucherten nach ein paar Jahren Wildkräuter in den Ritzen und Fugen; ist die Folie darunter UV-Licht ausgesetzt, kann sie zerbröseln.

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