Stauden: Blütenfülle ohne Gießen

Pflanzen der Steppe locken mit ihrem Blütenreichtum eine Vielzahl von Insekten an. Sie gedeihen bei Wärme und auf magerem Boden besonders prächtig.

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    Schön wirkt die Elfenbeindistel bereits im knospigen Zustand mit ihrer Spitzenrüsche aus silbriggrünen Hüllblättern. Foto: 
  • Nach dem Verblühen bleiben die aufrechten Stängel des Brandkrauts im Beet stehen und schmücken es monatelang. 2/2
    Nach dem Verblühen bleiben die aufrechten Stängel des Brandkrauts im Beet stehen und schmücken es monatelang. Foto: 
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Die plötzlich einbrechende Hitze, gepaart mit tagelanger Trockenheit schon im Juni hat uns wieder einmal gezeigt, dass wir uns im Hinblick auf die Wahl von Zierpflanzen für den Garten umzustellen haben. Wir müssen verstärkt ausweichen auf trockenheitverträgliche Pflanzen, wie wir sie in den Steppen Ungarns und Mittelasiens oder in den amerikanischen Prärien finden. Im Garten können wir attraktive Arten aus unterschiedlichen Kontinenten mischen, denn sie stellen die gleichen Ansprüche an den Standort und den Boden.

Doch auch in unserer heimischen Flora finden wir Gewächse, die sich an trockenen Stellen behaupten, etwa Königskerzen und Natterkopf. Beide entwickeln sich zweijährig: Im ersten Jahr bilden sie eine Blattrosette, erst im zweiten Jahr streckt sich der Blütenstand in die Höhe, an dem sich über lange Zeit hinweg immer wieder neue Blüten öffnen. Danach keimen die Pflanzen im Garten an unerwarteten Stellen. Die immer neuen Bilder kann man genießen oder man lenkt die Pflanzengesellschaft durch gezieltes Jäten.

In trockenen Grasflächen finden wir in unserer Natur die Schafgarbe. Höherwüchsige und somit auffälligere Züchtungen der Garben gibt es in Vielzahl im Sortiment der Staudengärtnereien. Zum Blickfang in einem Steppenbeet werden goldgelbe Garben, denn der Blütenstand setzt sich aus einer Vielzahl von winzigen Einzelblüten zusammen. Garbenblüten gibt es auch mit rötlichem Einschlag, in Orangerot, Purpurrot oder Lachsrosa. Die zur Blütezeit 60 bis 90 cm hohen Garben entwickeln mit der Zeit mächtige Horste, die von Jahr zu Jahr schöner werden, lästig werden die schönen Stauden nie.

Filz schützt vor Austrocknung

Niedrige, polsterförmig wachsende graulaubige Garben-Arten passen gut an den Rand eines trocken­en Beetes. Im Steppenbeet finden sich überhaupt auffallend viele graulaubige Pflanzen. Ihr Filz schützt vor Austrocknung und hilft ihnen, starke Sonneneinstrahlung auszuhalten. Zu den geeigneten Kandidaten zählen die Wermut-Verwandten, zusammengefasst als Artemisien.

Verschiedene Disteln zieren ein Steppenbeet: Edeldisteln öffnen im Hochsommer ihre stets von Insekten umschwärmten blauen Blüten. Sie stehen in kurz gestauchten Dolden, sodass der Blütenstand wie eine runde Kugel aussieht. Schön wirkt die Elfenbeindistel bereits im knospigen Zustand mit ihrer Spitzenrüsche aus silbrig grünen Hüllblättern. Diese Edeldistel ist bekannt durch ihren Verbreitungsdrang.

Trockenheitsverträglichkeit und Wuchsigkeit hängen oft zusammen. Häufig ist trockener Boden gerade recht, um die Wuchskraft ein wenig einzudämmen, wie es beim Brandkraut der Fall ist. Das gelbblütige Brandkraut breitet sich mit seinen unterirdischen Rhizomen unbeirrt aus und würde auf gepflegtem Boden bald seine Nachbarn ersticken, im Steppenbeet verhält es sich gesittet. Nach dem Verblühen bleiben die aufrechten Stängel im Beet stehen und schmücken monatelang, sogar noch im Winter, wenn eine Schneekappe daraufliegt. Die robusten Samenstände liefern den Vögeln Nahrung bis zum Vorfrühling. Schön sieht als Partner violett blühender Steppensalbei mit aufrechten Blütenständen aus oder die niedrigen Nachtkerzen, die ihre becherförmigen Blüten abends öffnen und dann in der Sommernacht leuchten.

Gräser und Zwiebelblumen bestimmen den Aspekt einer Steppe oder Prärie wesentlich. Die Zwiebeln stellen eine spezielle Anpassung an widrige Umstände dar. Mit ihnen überdauern die Pflanzen Winterkälte und Sommerhitze. Wildtulpen erstrahlen daher früh im Jahr in Geld oder Rot, Zierlauch prunkt mit kugeligen violetten Blütendolden. Zum Pflichtprogramm gehören Steppenkerzen: Je nach Art ragen die dicht mit gelben oder orangefarbenen Blüten besetzten Schäfte 40 cm hoch oder mehr als einen Meter hoch auf und werden ihrem deutschen Namen mehr als gerecht. Die Blattrosetten aus schnittlauchartigen, aber festen, graugrünen Blättern bleiben das ganze Jahr über erhalten.

Pflanzen der Steppe gedeihen nur an vollsonnigen Plätzen. Der Boden muss gut vorbereitet sein: tiefgründig gelockert und von Wurzelunkräutern wie Quecke oder Winde befreit. Sehr schwerem, lehmigem Boden setzt man besser noch zwei Eimer Splitt und Sand pro Quadratmeter zu, damit das Niederschlagswasser gut abfließen kann. Denn die Wurzeln der robusten, trockenheits- wie frostverträglichen Pflanzen faulen leicht bei Nässe, vor allem im Winter.

Von den Gräsern hängt die gute Gesamtwirkung im Oktober und November ab, wenn sich schräg einfallendes Sonnenlicht zwischen den Halmen und Samenständen fängt. Leicht und beschwingt wirken die zarten, weit übergeneigten Halme der Federgräser, während die mittelhohen, aufrechten Rutenhirsen im Herbst eine rotbraune bis rote Färbung annehmen.

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