Kollege Faultier

Die Fleißigen beobachten sie empört, aber auch fasziniert: Kollegen, die nie mehr machen, als sie müssen - und der Chef findet sie trotzdem toll. Doch erfolgreiche Faultiere brauchen eine ausgefeilte Strategie.

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Wer seine Kräfte klug einsetzt, hangelt sich leichter durchs Arbeitsleben. Foto: © photographee2000 / Fotolia.com

Bei der Powerpoint-Präsentation vor dem Chef glänzen sie. Doch kaum ist der Boss nicht da, machen sie keinen Finger krumm: die Faultiere unter den Kollegen. Die Fleißigen beneiden sie. Gerne würden sie selbst mal einen Gang herunterschalten. Stattdessen sitzen sie abends länger im Büro und buckeln - oft auch, weil es den Müßiggängern gelungen ist, Arbeit auf sie abzuwälzen. Doch längst nicht jeder kommt im Job mit halbem Einsatz durch, warnt Susanne Reinker, Autorin des Ratgebers "Die Faultier-Strategie: Clever durch den Arbeitsalltag" (Ullstein, 224 Seiten, 7.95 Euro). Erfolgreiche Faultiere brauchen eine ausgeklügelte Strategie.

Tatsache sei: "Der Leistungsgedanke hat ausgedient", sagt Reinker. In vielen Firmen machten nicht die Fleißigen Karriere, sondern die Image-Profis. Um das aufzubauen, bedarf es sehr viel mehr als Fachkompetenz. Die Faultiere verstünden es, als guter und zuverlässiger Arbeitnehmer zu gelten - mit minimalem Arbeitseinsatz.

Zunächst gilt es aber, eine grundlegende Frage für sich zu klären: "Was ist für mich Erfolg?", rät Reinker. Wer eine steile Karriere plant, darf sich nicht auf die faule Haut legen. Das gilt besonders für den Berufsanfang. "Wer aber von seinem Job ein sicheres Auskommen, ein bequemes Leben und dabei noch Spaß an der Arbeit erwartet, fährt mit der Faultier-Strategie extrem gut", sagt Reinker. Zudem führten in der Mehrheit der Jobs 70 bis 80 Prozent Arbeitseinsatz zum Erfolg.

Doch wie kommt ein Faulpelz durch? Meist sei er ein exzellenter Nein-Sager, sagt der Unternehmensberater Raimund Milz. Kommt der Chef kurz vor Feierabend mit einem Auftrag auf ihn zu, bleibt er nicht selbst länger im Büro. Er bittet den pflichtbewussten Kollegen nebenan, ob er ihm nicht "mal eben" helfen kann. Schon ist er die Arbeit los - und kann dennoch dem Chef am nächsten Tag stolz verkünden, dass die Sache erledigt ist und er sich darum gekümmert hat.

Um mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel zu erreichen, braucht es zudem ein gutes Zeitmanagement. "Planung ist alles", erklärt Milz. Grundsätzlich gilt es, immer pünktlich zu sein, sich vor den richtigen Leuten gut zu benehmen und auf einen aufgeräumten Schreibtisch zu achten. Schon das mache einen kompetenten Eindruck, sagt Reinker. Wichtig ist zudem, sich an die Standards im Betriebs zu halten - und immer und jederzeit loyal zum Chef zu sein und ihn im Zweifel auch in Schutz zu nehmen. Wer sich mit dem Boss gut versteht, kann sich mehr leisten.

Eine Eigenschaft ist tabu: Perfektionismus. "In 20 Prozent der Zeit kann ich 80 Prozent der Arbeit ganz ordentlich erledigen. Wenn ich perfekte Arbeit abgeben will, muss ich die restlichen 80 Prozent Zeit auch noch reinbuttern", erklärt Reinker. Oft merke der Chef gar nicht, dass ein Mitarbeiter die Arbeit noch viel besser hätte machen können.

Faultiere sind Meister darin, Unwichtiges wegzulassen. Am besten führten sie eine altbewährte To-do-Liste, empfiehlt der Zeitmanagement-Experte Prof. Lothar Seiwert. "Aufgaben, die ich immer wieder aufschiebe, können nicht so wichtig sein." Das Faultier lässt sie konsequent weg. Und bloß nicht vom Chef stressen lassen, wenn er Druck macht. Oft wolle er selbst bloß einen Zeitpuffer haben.

Die unvermeidliche Rest-Anwesenheitszeit lässt sich für Müßiggang nutzen. Dabei ist Tarnung alles. Der perfekte Faulpelz wirkt immer höchst beschäftigt.

Schön für die Faulpelze. Aber was können die Kollegen tun, denen der Schlendrian nicht gegeben ist? Vielleicht für den Anfang Aggressionsabbau mit der Lektüre eines fiesen Buchs über Kollegen und andere Plagen - eine kleine Auswahl gibt es in dem Kasten links.

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